vignette2012 Hello All, wir waren zum Skilanglauf in ein „absolut schneesicheres“ Tiroler Hochtal gefahren. Bei Ankunft grüne Almen, braune Hänge und linde Luft. Nachmittags kam Regen auf; abends schneite es. Am nächsten Morgen war die Landschaft weiß überzuckert. Da und dort blitzte etwas Eis. Zum Langlauf reichte es nicht. Also wandern, die Landschaft zeigte sich von der besten Seite. „Nehmt’s fei die Steckerl mit“ riet uns der Wirt. Vor der Tür standen Dutzende Nordic Walking – Stöcke in einem Skigestell. Alberne Dinger, dachte ich. Nach zehn Metern mörderischen Glitschens und Rutschens war ich zum Hoteleingang zurück geschlittert. Reuig nahm ich ein Paar Stöcke. Sahen vertraut wie Skating-Langlaufstöcke aus, nur kürzer und höhenverstellbar. „R“ für rechts und „L“ für links, mit festsitzenden Handschlaufen, die mit Klettbändern gesichert den Daumenballen und Handfläche umschlossen. Ich stocherte mich damit über die Eisplatten bis zur Wiese. Auf offenem Feld entlang der als Loipe markierten Strecke über Gras war es leichter zu gehen. Jetzt die Stöcke weg? Ich war zu faul, zum Zurückgehen und irgendwie unwillig, die Dinger ab jetzt spazieren zu tragen. Dann spiele ich eben Langlauf ohne Skier. Im Diagonalschritt, die Stöcke im 45 Grad Winkel nach hinten auspendeln und sich im Gleichschritt mit dem gegenüberliegenden Bein nach Hinten abstoßen. Das machte Tempo! Als der Weg nach oben führte, merkte ich, wie der jeweils hintere Stock spürbar zusätzlichen Impuls nach oben verlieh. Ich fühlte mehr Sicherheit in der Balance über den trügerischen Untergrund und Kullerkiesel. Links, rechts, links rechts, klick klack; ich ging schneller als in meinem gewohnten Wandertempo und überraschend trittfest. Ich ging aufrechter als sonst beim Wandern, es ließ sich freier atmen. Wir liefen an jenem Tag weiter und länger, als ursprünglich geplant. Abends hatten wir den üblichen Anflug von Muskelkater an Ober- und Unterschenkel, jedoch auch an Trizeps und Rücken. Am nächsten Tag waren Schnee und Eis gänzlich geschmolzen, die Stöcke kamen dennoch auf den Ausflug mit. Wir trauten uns jetzt auf die „schwarz“ (=schwer) vormarkierten Loipen. Teilweise steile Ziehwege durch die Wälder und über trockene Almen mit atemberaubenden Blicken. Ohne die Klick – Klack- Stöcke oder bei Schnee mit Ski hätten wir uns da nicht hinauf getraut. Doch mit den fest angeschnallten Nordic Walking Stöcken fühlten wir uns trittfest wie Steinböcke. Die ein paar Kilo, um die meine Beine beim Auf- und Absteigen durch die Stöcke entlasten wurden, wirkten wie ein Jungbrunnen. Ich (Ungeübter) war beim Wandern um Jahrzehnte verjüngt und leistungsfähiger; die Füße taten abends weniger weh.
Werte alte Freunde, früher oder später werden wir sowieso wieder drei- und vierbeinig, wenn nicht sogar –rädrig. Da können die Nordic Walking Sticks einen sportlichen und würdevollen Übergang bieten. Nicht nur im Tirol.
Ihr Global Oldie