Blinder Vorleser Albert Riepl. Foto:epd

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Beitrag der Bagso
Erblindung und Sehbehinderung sind in Deutschland vor allem ein Problem des Alters. Da die deutsche Bevölkerung immer älter wird, ist mit einer wachsenden Zahl von Be-troffenen zu rechnen.
Volkskrankheiten am Auge sind die altersabhängige Makula-Degeneration (AMD), das Glaukom, umgangssprachlich grüner Star genannt, und Augenkomplikationen bei Diabetes, die sog. diabetische Retinopathie. Diese Erkrankungen sind gleichzeitig auch die Haupterblindungsursachen in Deutschland. Nach eher zurückhaltenden Schätzungen der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG)sind in Deutschland zurzeit ca. 2,5 Mio. Menschen an Früh- und 1,5 Mio. Menschen anSpätstadien der AMD, ca. eine Mio. an grünem Star und mehr als eine halbe Mio. andiabetischer Retinopathie erkrankt.
Basierend auf einer Auswertung der Daten des Blindengeldarchivs des Landschaftsverbands Rheinland wurde am Universitätsklinikum Bonn eine Zukunftsprognose erstellt. Derzeit sind in diesem Archiv etwa 20.000 Menschen im Rheinland als blind oder stark sehbehindert registriert, die im Durchschnitt 72 Jahre alt sind. Über 65 % sind Frauen, davon ist mehr als die Hälfte älter als 80 Jahre. B
is 2030 ist aufgrund der Bevölkerungsalterung von einer deutlichen Zunahme an Neuerblindungen auszugehen. So wird sich deren Zahl von heute jährlich 10.000 auf etwa 12.500 im Jahr 2030 erhöhen. Dabei werden mehr als doppelt so viele Frauen wie Männer erblinden und mehr als die Hälfte wird zum Zeitpunkt der Neuerblindung 80 Jahre und älter sein. Vor allem die Erblindungen bzw. Sehbehinderungen aufgrund von AMD werden deutlich zunehmen.
Erfreulicherweise scheinen verschiedene Therapieoptionen für alle drei Haupterblindungsursachen, die in den letzten 10 bis 20 Jahren entwickelt wurden, dem entgegenzuwirken. Aus diesem Grund hat sich ein leichter Rückgang der Erblindung und Sehbehinderung über die letzten 10 Jahre gezeigt.
Für eine der beiden fortgeschrittenen Formen der altersabhängigen Makula-Degeneration (AMD), die neovaskuläre oder „feuchte“AMD, steht z. B. seit 2006 eine Therapie zur Verfügung. Eine Reihe von Medikamenten, die einen Gefäßwachstumsfaktor hemmen, wird regelmäßig in das Auge injiziert. In Dänemark und Israel, zwei Ländern, die eine nationale Registrierung von Erblindungen betreiben, hat sich gezeigt, dass sich seit der Einführung dieser Therapien die Erblindungen durch „feuchte“ AMD nahezu halbiert haben. Für Deutschland liegen leider bislang keine Daten vor, jedoch ist davon auszugehen, dass die Therapien auch hier einen ähnlichen Effekt haben. Eine bessere Langzeiteinstellung des Blutzuckers bei Altersdiabetes, neue Therapieverfahren der diabetischen Retinopathie und besser wirkende Augentropfen und operative Verfahren bei grünem Star haben ebenfalls dazu beigetragen, Erblindungen und Sehbehinderung weiter zu verringern. Jedoch ist aufgrund der Bevölkerungsalterung mit einem ansteigenden Therapiebedarf zu rechnen, da immer mehr ältere Menschen an diesenAugenerkrankungen leiden. Vor diesem Hintergrund werden wir weiterhin sowohl an besseren Therapien als auch an besserer Prävention dieser Erkrankungen arbeiten müssen. Zusätzlich muss ein rascher Zugang zu notwendigen medizinischen Dienstleistungen möglich sein, da fast alle Therapien umso mehr Effekt haben, je früher sie begonnen werden.
Quelle Bagso:
Priv. Doz. Dr. med. Robert P. Finger

Universitäts-Augenklinik Bonn