Häufig bleibt nur eine Operation wie hier an der Berliner Charité mit Hilfe des Tele-Montorings.  Jetzt zeigt ein neues Medikament gute Wirkung bei Prostatakrebs. Foto: epd

Häufig bleibt nur eine Operationen wie hier an der Berliner Charité mit Hilfe des Tele-Montorings. Jetzt zeigt ein neues Medikament gute Wirkung bei Prostatakrebs. Foto: epd

Ein neues Mittel gegen Prostatakrebs hat eine 30-prozentige Reduktion des Sterblichkeitsrisikos nachgewiesen. Die Entwicklung des Präparats erfolgte auch durch drei klinische Studien in der Arbeitsgruppe Urologische Tumore am AKH Wien. Vier Jahre lang wurden dort Patienten behandelt. Die Tests wurden frühzeitig abgebrochen. Die guten Ergebnisse veranlassten das Aufsichtsgremium, das Therapeutikum so rasch wie möglich auch der Placebokontrollgruppe verfügbar zu machen.
Die Symposien der American Society of Clinical Oncology gelten als wichtige Foren für die Präsentation neuer Studienergebnisse zur Krebsbehandlung. Auf dem ASCO Genitourinary Symposium werden die Daten zu einem neuen Androgenrezeptor-Antagonist vorgestellt.
Dieser wurde gegen den sogenannten Castration-Resistent-Prostatakrebs entwickelt und hemmt das durch männliche Sexualhormone angeregte Tumorwachstum. Tatsächlich, so die Daten, kann das innovative Medikament das Sterblichkeitsrisiko der Patienten um 30 Prozent senken. Das Risiko, dass der Tumor weiter wuchs oder der Betroffene starb, konnte gegenüber einer Placebogruppe sogar um 81 Prozent gesenkt werden.
Auch ohne Chemotherapie
“Die Daten beziehen sich auf Patienten, die bisher noch keine Chemotherapie erhalten haben. Die neue Verwendungsmöglichkeit dieses Therapeutikums bietet für diese Patientengruppe eine wirksame Behandlungsalternative”, so Michael Krainer, Leiter der Arbeitsgruppe Urologische Tumore am AKH Wien. Tatsächlich war das Medikament bereits 2013 für Patienten zugelassen worden, die zuvor eine Chemotherapie erhalten hatten.
Aufgrund der Wirksamkeit bei diesen Patienten folgten sehr rasch Studien zur Anwendung, auch bei sogenannten chemotherapeutisch-naiven Patienten. Die Ergebnisse der klinischen Phase 3 waren bereits bei einer Zwischenauswertung so eindeutig, dass das Independent Data Monitoring Committee (IDMC) den Abbruch der Studie empfahl. So soll nicht nur die Kontrollgruppe so rasch wie möglich den Zugang zu dem Medikament erhalten, sondern auch der Zulassungsprozess insgesamt beschleunigt werden.
Weltweit wurde diese Studie an Zentren in den USA, Kanada, Australien, Russland, Asien und europäischen Ländern durchgeführt. Bereits seit 2009 begleitet die Arbeitsgruppe Urologische Tumore am AKH Wien die Entwicklung und Zulassungen des Medikaments. So konnten im Rahmen von drei Studien bereits zahlreichen Patienten mit dem Medikament behandelt werden.
Die Arbeitsgruppe gilt europaweit als einer der renommiertesten Studienbegleiter im Bereich des Prostatakarzinoms. Seit 2002 wurden mehrere hundert Patienten in 17 klinische Studien aufgenommen. Das Spektrum deckt alle modernen Therapien ab – von der Chemo- über die Hormon- bis zur Immuntherapie. Tatsächlich ist die Gruppe sogar das größte Studienzentrum in ganz Europa für ein spezielles Immuntherapeutikum.
“Die Teilnahme an klinischen Studien verschafft frühzeitig Zugang zu den modernsten Therapien und ermöglicht eine höchst intensive Betreuung. Tatsächlich wissen wir, dass selbst Patienten in Kontrollgruppen einen positiven Nutzen aus der Studienteilnahme ziehen. Hier wirkt sich die gesamte Erfahrung eines hochmotivierten und international engagierten Betreuungsteams voll aus”, erläutert Krainer.
Auch Patienten, die den strengen Aufnahmekriterien einer derartigen Studie nicht entsprechen, können an Zentren wie der Arbeitsgruppe Urologische Tumore unter besonderen Umständen mit modernsten Therapeutika behandelt werden. “Sogenannte ‘named patient programs’ erlauben uns unter strengsten Auflagen, Patienten, für die es keine Behandlungsalternative mehr gibt, mit Medikamenten zu behandeln, die sich noch im Zulassungsprozess befinden. Klinische Studien bieten so in mehreren Aspekten einen echten Mehrwert für die Patienten.”