Die Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, bei der Vorstellung der nationalen Strategie.

Das Bundeskabinett hat in der vergangenen Woche eine neue Strategie beschlossen, die insbesondere die Alkoholsucht bei Senioren mindern soll. Die “Nationale Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik” wurde von der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, zusammen mit dem Bundesministerium für Gesundheit entwickelt.
Das 75-seitige Papier beschreibt die Grundlagen und Herausforderungen der Drogen- und Suchtpolitik der nächsten Jahre und löst den Aktionsplan Drogen und Sucht von 2003 ab. Hauptziele der Strategie sind die Reduzierung des Konsums legaler und illegaler Suchtmittel sowie die Vermeidung drogen- und suchtbedingter Probleme. Dazu gehören auch die demographische Entwicklung, Konsummuster wie der Mischkonsum, neue Suchtformen, wie die Onlinesucht, aber auch neue Substanzen.
Schätzungen gehen davon aus, dass allein bis zu 400.000 ältere Menschen von einem Alkoholproblem betroffen sind, heißt es in dem Strategiepapier. Aufgrund der demographischen Entwicklung werde die Zahl älterer Menschen,
die Substanzen riskant konsumieren, in den nächsten Jahren aber voraussichtlich noch zunehmen. Auslöser für einen Missbrauch bei älteren und alten Menschen sei oft ein einschneidendes persönliches Ereignis wie etwa die Bewältigung des Übergangs von der Arbeit in den Ruhestand oder der Verlust des Lebenspartners.
Derzeit wird nach den in der Strategie geäußerten Tatsachen eine Generation über 60 Jahre alt, die traditionell viel Alkohol konsumiert habe. Entgegen Vorurteilen deuten die wenigen internationalen Studien zu Interventionen
immerhin darauf hin, dass ältere Menschen in vielen Fällen besser auf Hilfsangebote ansprechen als Jüngere. Insbesondere, wenn diese spezifisch auf die ältere Zielgruppe zugeschnitten werden, wiesen die Älteren hier ein beträchtliches Erfolgspotenzial auf.
Im Hilfesystem der Gesellschaft werde das Thema “Sucht im Alter” jedoch nach wie vor nur am Rande behandelt. Das
Wissen um die Problematik und um die Erfolgschancen einer Intervention müsse sowohl in der ärztlichen Versorgung, in der Suchthilfe als auch in der Altenhilfe als eher gering eingeschätzt werden. Vorrangiges Ziel der nächsten Jahre sei, das Versorgungssystem für die Folgen schädlichen Konsums und Sucht im Alter zu sensibilisieren.
Besonders häufig seien ältere Menschen auch von Arzneimittelabhängigkeit betroffen, so sind etwa ein Drittel aller Wiederholungsverordnungen der Benzodiazepine für Menschen über 70 Jahre. Sie bergen starke Risiken für ein gesundes und selbstbestimmtes Altern. Eine frühe Erkennung von Medikamentenmissbrauch und eine frühe Intervention könnten Folgeschäden verringern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern, heißt es.

Hier finden Sie die Nationale Strategie als PDF-Dokument.