Die Kampagne, die erstmals im Verbund mit acht Partnerorganisationen aus der Rheumatologie und Orthopädie durchgeführt wird, soll Rheuma-Patienten zu (mehr) körperlicher Aktivität motivieren. Das Maßnahmenpaket umfasst Ratgeberliteratur sowie bundesweite Informations- und Motivationsveranstaltungen. Gleichzeitig offerieren die deutschlandweit über 12.000 Bewegungsgruppen ein umfassendes Trainingsangebot. Ab Anfang Oktober bündelt die Aktionswebsite alle Informationen und Angebote.
„Mit unseren Aktionen wollen wir auch die Öffentlichkeit für das Thema ‚Rheuma’ sensibilisieren, denn die Erkrankung kann jeden treffen“, so Prof. Erika Gromnica-Ihle, Präsidentin der mit über 260.000 Mitgliedern bundesweit größten Selbsthilfegemeinschaft. Jeder vierte Bundesbürger ist früher oder später von Beschwerden im Bewegungsapparat betroffen. 5 bis 7 Millionen leiden an Arthrosen. Schmerz und Erschöpfung sind vordringliche Leiden bei entzündlichen Erkrankungen wie Rheumatoider Arthritis, Morbus Bechterew, Kollagenosen oder Vaskulitiden. Hinzu kommen Millionen Schmerzkranke mit chronischen Rückenleiden oder Fibromyalgie. Und auch jüngere Menschen sind zunehmend von Gelenkkrankheiten betroffen.
Wissenschaftliche Studien zeigen: Mit Sport und Bewegung kann man den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen. 100.000 Rheuma-Betroffene nutzen bereits regelmäßig Bewegungsangebote der Rheuma-Ligen vor Ort. Neben dem Klassiker, dem Rheuma-Funktionstraining, Tanzen oder meditativen Formen wie Tai-Chi oder Yoga werden auch neuere gelenkschonende Trainingsformen angeboten. Dazu zählen etwa Aqua-Cycling oder besonders das Muskelaufbautraining im Rahmen einer Medizinischen Trainingstherapie (MTT). „Durch gezieltes Kraft- und Koordinationstraining, unterstützt durch ein Ausdauertraining, kann mit Hilfe der MTT die Belastbarkeit des Muskel- und Skelettsystems sowie des Herz-Kreislauf-Systems erhalten bzw. gesteigert werden. Als aktive Therapieform dient sie der Sicherung und Verbesserung des Rehabilitationserfolges, so dass Betroffene wieder tatkräftig an allen Bereichen des Lebens teilnehmen können“, so Monika Schäfer, Diplom-Sportlehrerin der Rheuma-Liga Niedersachsen.
Weitere empfohlenen Sportarten
Schwimmen, weil es gut ist für den Muskelaufbau, der Leistungssteigerung dient, die Beweglichkeit
verbessert und zum eigenen Wohlbefinden beiträgt.
Zu beachten: Erkältungsgefahr bei Immunsuppression – zu kaltes Wasser daher meiden!
Radfahren, weil es eine aktive und achsengerechte Bewegung bei entlasteten Gelenken ermöglicht und
zugleich das Herz-Kreislauf-System stärkt.
Zu beachten: Beim Mountainbiking ist Vorsicht bei starken Erschütterungen geboten, denn diese sind
schlecht für Wirbelsäule und Gelenke.
Walking/Nordic Walking, weil es bei Verschleißerkrankungen (Arthrosen) in Hüft- und Kniegelenken
hilft, die Beinmuskulatur trainiert und speziell auch für Patienten mit Rückenschmerzen, Osteoporose
und Fibromyalgie geeignet ist.
Tanzen, weil Musik positiv bewegt, das eigene Körpergefühl und das Selbstbewusstsein stärkt, die
Kondition verbessert, alle Gelenke in Bewegung setzt und soziale Kontakte schafft.
Qigong und Yoga, weil dabei mit Hilfe von Atem- und Bewegungsübungen innere Ruhe und
Entspannung aufgebaut werden sowie Haltung und Atmung gekräftigt bzw. reguliert werden.
Das ist gut für Körper und Geist.
So sinnvoll die regelmäßige Bewegung für rheumakranke Menschen ist, sie kann nicht die rechtzeitige Diagnostik und Therapie ersetzen. Die Rheumatologie hat im letzten Jahrzehnt bei der Entwicklung wirksamer Medikamente für entzündliche rheumatische Erkrankungen sehr große Fortschritte erzielt. Doch diese kommen nicht überall bei den Betroffenen an. „Wir liegen in Deutschland, was die Versorgung mit Rheumatologen und Rheumatologinnen anbelangt, weit hinter dem, was die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie in ihrem Memorandum empfiehlt. Im Hinblick auf das jetzt in der Abstimmung befindliche Versorgungsstrukturgesetz fordern wir nachhaltig: Verbesserung der Versorgung von Rheumatikern durch Änderung der Bedarfsplanung“, so Gromnica-Ihle. „Ein ‚Nationaler Rheumaplan’ muss her, um abgestimmt und effizient im Sinne der Betroffenen Prävention, Diagnostik, komplexe Behandlung, Rehabilitation, soziale Absicherung, aber auch weitere Forschung zu sichern.“