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Die Akademie 60plus startet neu durch

Horst Högen ist der neue Vorsitzende der Akademie 60plus.

Die Nürnberger Akademie 60plus (vormals Altenakademie) feiert in diesem Jahr ein kleines Jubiläum. Seit 35 Jahren existiert die Bildungseinrichtung für Ältere, in der Männer und Frauen im Ruhestand in Vorträgen und Seminaren ehrenamtlich ihr Wissen weitergeben. Doch die Zeiten waren zuletzt unruhig. Die Akademie, die rund 600 Veranstaltung pro Jahr anbietet, hat sich erst vor wenigen Monaten einen neuen Namen gegeben – man wollte sich vom Wort »alt« trennen, den manche als abschreckend empfunden haben. Und dann trat auch noch die Vorsitzende Klara Rebhan vorzeitig zurück. Das Magazin sechs+sechzig sprach mit Horst Högen (74), der bei der Mitgliederversammlung im März zum neuen Vorsitzenden gewählt worden ist.

Herr Högen, wie kamen Sie zu Ihrem neuen Amt?

Horst Högen: Das war sehr überraschend. Ich bin erst im Oktober letzten Jahres bei der Akademie 60plus eingestiegen und wollte die dritte Vorsitzende Gisela Hoffmann bei ihrer kulturellen Arbeit unterstützen. Ich hatte dadurch viel Kontakt zu den Vorständen und den Beisitzern. Als Frau Rebhan bei einer Versammlung im letzten Jahr verkündet hat, dass sie mit sofortiger Wirkung zurücktrete und das Entsetzen im Auditorium sehr groß war, bin ich gebeten worden, für den Vorsitz zu kandidieren. Ich hatte keine Gegenkandidaten und wurde im Frühjahr mit 90-prozentiger Zustimmung gewählt.

Wie wollen Sie denn jetzt wieder Ruhe reinbringen in die Organisation?

Ich möchte vor allem vernünftig und offen kommunizieren. Ich bin ein Freund von kurzer und wertschätzender Kommunikation. Das lebe ich vor und verlange das auch anderen ab, und das wird schon wirksam. Es haben bereits einige Mitglieder zum Verein zurückgefunden, die uns verlassen hatten.

Was haben Sie für einen persönlichen und beruflichen Hintergrund?

Beruflich war ich ein »Peterle auf allen Supp’n«, wie man in Franken sagt. Ich habe nach dem Abitur bei einer Spedition als Lkw-Fahrer angefangen, weil ich meinen Eltern nicht auf der Tasche liegen wollte. Nach einiger Zeit habe ich die Chance bekommen, bei einem Tiefbauunternehmen eine kaufmännische Ausbildung zu machen und habe später Betriebswirtschaft in Nürnberg studiert. Ich war in meinem Berufsleben in acht verschiedenen Branchen und bei zwölf Unternehmen tätig, zuletzt in leitender Position bei der Nürnberger Versicherung.

Was haben Sie sich denn für Ihre Arbeit als Vorsitzender der Akademie 60 plus vorgenommen?

Ich verstehe die Aufgabe des Vorsitzenden als die eines Chairman, der vielleicht fachlich nicht alles abdecken kann, der aber immer in den Gruppen für den sozialen Ausgleich sorgt. Wenn Sie mich nach Zielen fragen, dann ist das die Existenzsicherung. Der Verein lebt von der Hörerschaft und von denen, die dort ehrenamtlich arbeiten. Ich will, dass die Akademie 60plus nicht nur irgendeine Institution, sondern eine Marke ist. Ich bin überzeugt, dass es keine Institution hier im Umfeld gibt, die auf rein ehrenamtlicher Basis Vergleichbares leisten kann für Seniorinnen und Senioren. Ich sehe darin auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag.

Das ist sehr interessant, dass Sie das sagen. Ich habe mir das Programm genauer angeschaut. Es gibt sehr wenig Angebote zum Thema Migration und im Bereich Queerness gibt es gar nichts. Das sind Themen, die in der gesellschaftlichen Diskussion einen sehr großen Raum einnehmen. Haben Sie eine Erklärung, warum sich das in Ihrem Programm nicht niederschlägt?

Die dritte Vorsitzende Gisela Hoffmann und ich sind dabei, die integrative Arbeit zu forcieren. Wir möchten zum Beispiel die Älteren mit türkischen Wurzeln in die Akademie hineinholen, damit wir hier Begegnungsstätten schaffen. Aktuell haben wir eine Veranstaltung mit dem deutsch-rumänischen Verein gestaltet. Wir sind auch auf der Suche nach anderen Gruppierungen, mit denen wir zusammenarbeiten können. An Queerness hat noch keiner gedacht. Das ist vielleicht für die jetzige Generation der Älteren noch ein Tabu, aber bei den künftigen Seniorinnen und Senioren sicher ein Thema. Wir leben in einer Zeit eines starken gesellschaftlichen Wandels. Damit werden wir uns in Zukunft sicher befassen müssen.

Wie viele Personen stehen eigentlich hinter der Akademie 60plus?

Unser Verein hat derzeit 54 Mitglieder und etwa 60 Dozentinnen und Dozenten. Wir erreichen mit unserem Angebot 1300 bis 1500 Hörer pro Jahr. Im Kern sind drei Vorstände und acht Beisitzer mit ihren Fachaufgaben und ein Dutzend Personen in der Geschäftsstelle tätig. Wir suchen laufend Leute, die sich mit ihren Interessen und Kenntnissen einbringen.

Interview: Georg Klietz
Foto: Claus Felix

Information

Akademie 60plus, Gewerbemuseumsplatz 1, 90403 Nürnberg, Tel. 0911/537010, E-Mail: info@ak60plus.de

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