
Lediglich drei Jahre Lebensdauer prognostizierten Skeptiker dem Magazin sechs+sechzig im Februar 2000, als es zum Deutschen Seniorentag in Nürnberg an den Start ging. Inzwischen sind zwanzig Jahre daraus geworden, und wer weiß, wie viele Jahre es noch werden? Unser Erfolgsrezept speist sich aus der Erkenntnis, dass unsere Arbeit als Lobby für die ältere Generation und als Bindeglied zwischen den Generationen nach wie vor wichtig ist. Das zeigt uns das Feedback aus Leserschaft, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, quer durch alle Schichten und über Parteigrenzen hinweg.
Viel ist in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten in Bewegung geraten, und das Magazin sechs+sechzig hat diese Veränderungsprozesse begleitet, manchmal auch aktiv angestoßen. Das hat uns Anerkennung von vielen Seiten eingebracht bis hin zur Nominierung für den deutschen Alterspreis 2015 durch die Robert Bosch Stiftung und eine Platzierung unter der Endauswahl von sechs Projekten in ganz Deutschland. Darauf sind wir stolz.
Vom Pionier zum Leitmedium
Waren wir bei der Gründung des gemeinnützigen Vereins zur Förderung des Dialogs der Generationen, organisatorisches Dach und Herausgeber unseres Magazins sechs+sechzig, noch Pioniere, gehören wir schon seit längerem zu den Leitmedien für Senioren. Aber verwendet man diesen Begriff Senioren überhaupt noch für Menschen jenseits der Lebensmitte? Ja und nein. Denn das Altersbild hat sich stark gewandelt.
Galt in den Jahren, als unsere Initiative startete, noch die Maxime bei der Versorgung Älterer »satt, sauber und betüttelungswürdig«, so lässt sich die heutige Altengeneration damit nicht mehr abspeisen. Sie fordert volle Teilhabe am Leben. Die reicht von einem erfüllten Engagement in Familie und Ehrenamt über sportliche Aktivitäten bis hin zu einem befriedigenden Sexualleben. Längst sind die letzten Tabus in der Öffentlichkeit angeknabbert. Fast kein Aspekt der späten Lebensetappe bleibt ausgespart bei der wachsenden medialen Aufmerksamkeit für diese Zielgruppe.
Einfluss der Älteren ist stark gestiegen
Angesichts des demografischen Wandels ist der Einfluss der Älteren stark gestiegen. Sie verfügen über eine bessere Gesundheit, eine gute finanzielle Absicherung durch ein langes Berufsleben und über eine steigende Lebenserwartung. Diese Faktoren bewirken das gestiegene Interesse an den Ruheständlern.
Der Schlachtruf »Turne bis zur Urne« greift das energische Streben nach Fitness, Mobilität und Lebensfreude auf. Aber nicht alle sind vom Selbstoptimierungstrend, der von der jüngeren Generation auf die Älteren übergesprungen ist, angesteckt. In unserem Team sind die Sportskanonen eher selten. Uns hält das gemeinsame Ziel zusammen, den Dialog zwischen den Generationen zu befördern und für die Interessen der Älteren einzustehen. Wir stärken uns gegenseitig. Viele Autoren und Fotografen sind Gründungsmitglieder des Vereins oder seit vielen Jahren dabei.
Wenn jemand den Kreis der Aktiven verlässt, fällt es ihm schwer. So wie einem Kollegen mit Anfang 80. Er ließ uns wissen, dass er sich nun nach 60 Jahren als Journalist neuen Aufgaben widmen möchte. Im Herzen bleibt er sechs+sechzig aber treu. Diese Verbundenheit mit dem Medium in gedruckter und zunehmend auch digitaler Form spüren wir, und sie motiviert uns, am Ball zu bleiben. Nur so finden Themen ins Blatt, die unsere Leserschaft beschäftigen. Einst war es »Denglisch«, was die Leute aufregte, jetzt treibt sie die Angst um, dass sie im Zeitalter der Digitalisierung abgehängt werden. Die Auswirkungen der gesellschaftlichen Umwälzungen durch modernste Technik, durch die aktuelle Corona Krise sind in unseren Berichten gegenwärtig.
Prominente Unterstützer
Aber sechs+sechzig ist mehr als eine Zeitschrift. Gerne erinnern wir uns an die Ausstellung Lebenswandel, mit der wir bekannte Persönlichkeiten aus der Region würdigten und als Vorbilder für ein zeitgemäßes Altenbild präsentierten. Etliche Diskussionsveranstaltungen zur Zukunft der Pflege und zu anderen wichtigen Entwicklungen wurden organisiert, Lesungen für Autoren im Rentenalter, das Einsprechen von Artikeln durch Ensemblemitglieder des Staatstheaters haben wir realisiert, eine Filmreihe zum Altern initiiert und erst in diesem Jahr wurde ein anspruchsvolles Bühnenprogramm für die Seniorenmesse inviva auf die Beine gestellt.
Ohne verlässliche Partner aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik wäre das nicht zu schaffen gewesen. Zu den Unterstützern der Anfangsphase gehört neben N-ergie und Ergo Versicherungen die HypoVereinsbank. Zehn Mal sponserte die Traditionsbank das Benefizkonzert. Weiterhin stärkt uns unsere Kooperation mit dem Messeveranstalter Afag und natürlich die Nähe zum Nürnberger Seniorenamt, das uns fachlich und finanziell unter die Arme greift. Viele Anzeigenkunden halten uns seit Jahren die Treue. Nicht zuletzt steht uns der Verlag Nürnberger Presse fest zur Seite. Als Beilage zur Tageszeitung erfährt sechs+sechzig eine flächendeckende regionale Verbreitung. Auf unsere Partner ist Verlass, auch in schwierigen Zeiten.
Ältere Generation lässt sich nicht in Klischees pressen
Bei so viel Wohlwollen könnte man sich nun getrost zurücklehnen und mit der Zielgruppe altern. Aber der Austausch mit Jüngeren hält uns in Schwung. Der Jugendwahn ist inzwischen überwunden. Gleichwohl wird immer wieder gezündelt zwischen den Generationen, man denke nur an Gretas empörte Anklage in Richtung Nachhaltigkeit oder den Plan, Ältere vor Covid 19 zu schützen, indem man sie einsperrt. Das ruft unseren Widerspruch hervor.
Die selbstbewusste ältere Generation ist weit davon entfernt, sich in irgendein Klischee pressen zu lassen. Unser Magazin wird weiterhin Stellung beziehen. Auf unsere redaktionelle Unabhängigkeit legen wir dabei großen Wert. Wir produzieren das Magazin sechs+sechzig mit Sorgfalt und Liebe. Die Resonanz zeigt uns, dass wir am Puls der Zeit sind. Bleiben Sie mit uns im Gespräch, liebe Leserinnen und Leser, wir freuen uns darauf und setzen uns weiter für ein Miteinander der Generationen ein.
Text: Petra Nossek-Bock
Chefredakteurin Magazin sechs+sechzig und Ehrenvorsitzende
Fotos: Archiv sechs+sechzig und NN