Immer wieder kommen uns Dinge des Alltäglichen in die Finger, die in vergangenen Jahrzehnten einmal richtig »schick« waren. Wer sie besaß oder nutzen konnte, war auf der Höhe der Zeit. Heute sind sie überholt, weil wir inzwischen auf anderes mehr Wert legen. Oder sie sind im Zuge unserer veränderten Lebensgewohnheiten überflüssig geworden. Man denke nur an die Essenszubereitung.

Foto: Elke Graßer-Reitzner

Foto: Elke Graßer-Reitzner

Ein Sonntag ohne Klöße ist kein Sonntag«, pflegte Opa bereits am Donnerstag zu verkünden. Großmutter nickte kurz und wusste Bescheid. Es war an ihr, der Familie einen echten Festtag zu bescheren. Und der machte gewöhnlich eine Menge Arbeit. Kartoffeln schälen und reiben, Knödelhilfe bereitstellen, Weißbrot rösten, den Braten vorbereiten und in die Röhre schieben … Ob ihr das Kochen nicht allmählich zu viel werde? »Ich mach’s doch gerne«, antwortete sie. »Außerdem habe ich meinen Braun«, fügte sie stolz hinzu. »Braun« war nicht etwa ein freundlicher Nachbar, der mal mit anpackte, wenn es etwas Schweres zu heben gab, sondern eine der Firmen, die in den 1970er und 80er Jahren eine elektrische Kartoffelreibe mit Zentrifuge auf den Markt brachten, die schnell zum Hit avancierte. Vorbei die Zeiten der anstrengenden Handarbeit, denn hier verarbeitete eine Zentrifuge die geschälten, rohen Kartoffeln zu einem erstaunlich glatten Teig und filterte gleichzeitig das Wasser heraus. Der »Multipress« ließ sich natürlich vielfältig auch für anderes Gemüse oder Obst verwenden, sozusagen der »Thermomix« der Vergangenheit. Aber Großmutter holte ihn nur sonntags für ihre Klöße heraus. Denn einfach in den Supermarkt laufen und einen fertigen Kloßteig kaufen: so etwas gab es damals noch nicht. Ein richtiger Kloß musste von Hand gemacht werden. Oder eben von »Braun«.

Elke Graßer-Reitzner

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