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Beinprothese – warum verstecken?

Warum werden Prothesen versteckt? Wieso ahmen sie den Körper nach und werden nicht öffentlich gezeigt? „Wir verwenden unglaublich viel Energie, um unsere Fehler zu verstecken. Warum eigentlich?“, fragte sich Clemens Rieth. Der Industriedesigner hat eine Unterschenkelprothese entwickelt, deren Design Aufmerksamkeit erregt, kostengünstig herstellbar ist und dazu noch äußerst funktional.

Eine Beinprothese, die neues Selbstvertrauen geben kann - Industriedesigner Clemens Rieth, Absolvent der Hochschule Pforzheim. Foto: Hochschule Pforzheim
Eine Beinprothese, die neues Selbstvertrauen geben kann – Industriedesigner Clemens Rieth, Absolvent der Hochschule Pforzheim. Foto: Hochschule Pforzheim
Warum werden Prothesen versteckt? Wieso ahmen sie den Körper nach und werden nicht öffentlich gezeigt? „Wir verwenden unglaublich viel Energie, um unsere Fehler zu verstecken. Warum eigentlich?“, fragte sich Clemens Rieth. Der Industriedesigner hat eine Unterschenkelprothese entwickelt, deren Design Aufmerksamkeit erregt, kostengünstig herstellbar ist und dazu noch äußerst funktional.

Bei herkömmlichen Prothesen bestehe „kein Gestaltungsspielraum“, stellt der 25-Jährige von der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim nach intensiven Recherche zum Thema fest. Die Kosten für eine Beinprothese belaufen sich auf 2.000 bis 3.000 Euro – ohne Bänder oder Befestigungen. „Dieser Satz wird von den Krankenkassen übernommen, weitere Kosten nicht“, stellte Clemens Rieth bei seinen Vorarbeiten fest. „Bei dem Entwurf, der mir vorschwebte, hätten sich die Herstellungskosten knapp verdoppelt“, bilanziert der Designer.

Clemens Rieth suchte Unterstützung und vor allem Fachwissen im Bereich der Prothesentechnik. Zusammen mit Jannis Breuninger, der am Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung in Stuttgart arbeitete, ging er sowohl im Design als auch in der Technik der Prothese neue Wege. Die Außenhaut der Prothese wird aufgebrochen und in „Fraktale“ zerlegt und die Produktion erfolgt über einen 3-D-Drucker. Die Dynamik eines von Jannis Breuninger entwickelten Kohlefaser-Fußes wird so mit einem kostengünstigen Sinterteil kombiniert. „Die Herstellungskosten dieses Entwurfs liegen mit 500 Euro deutlich unter den Kosten für eine konventionelle Prothese“, stellte Clemens Rieth fest. „Und der Vorteil: Sie können das Design der Außenhaut verändern. Die Hülle ist anpassungsfähig, die Fraktale können getauscht und farblich gestaltet werden.“

Erprobte den Prototyp der Beinprothese: der unterschenkelamputierte Florian Dennerlein. Foto: Hochschule Pforzheim/Clemens Rieth
Erprobte den Prototyp der Beinprothese: der unterschenkelamputierte Florian Dennerlein.
Foto: Hochschule Pforzheim/Clemens Rieth
„Mir kam es darauf an, dass der Entwurf nachher umsetzbar ist und getragen werden kann“, formulierte der Industriedesigner das Ziel seiner Abschlussarbeit. Zusammen mit dem Produktentwickler Breuninger gestaltete er daher eine komplette Prothese, die den Anwendungstest bereits bestanden hat. Die federartige Kohlefaser ermöglicht dynamisches Gehen. Durch den lasergesinterten Werkstoff und der 3-D-Technik sind der individuellen Gestaltung nur wenig Grenzen gesetzt. Clemens Rieth gestaltete die Prothese, die dann erst digital auf Herz und Nieren geprüft wurde. Mit Computersimulationen wurde Gehen und Laufen nachgestellt und die aufkommenden Kräfte berechnet. „Die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer Institut und die Nutzung der Forschungsergebnisse von Breuninger waren für mich äußerst wertvoll“, lobte Clemens Rieth seinen Partner, der derzeit eine Firma im Bereich der Prothesentechnik (vorläufiger Name: Elfenbein) gründet.

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