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Der plötzliche Ruhestand

vignette_nosseck_bockVor kurzem erhielt ich eine Mail, in der sich ein langjähriger beruflicher Weggefährte verabschiedete. Ganz überraschend und plötzlich. Es handelt sich um einen Kollegen, der eigentich noch lange nicht „dran“ist. Jetzt ist er noch vor dem 60. Lebensjahr aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Freiwillig. Ohne Abfindung. Einfach so. Das ist schon schockierend, denn man selber denkt unwillkürlich darüber nach, ob es sich denn gehört, so früh schon die Hände in den Schoss zu legen. In einer Zeit, in der das Alter doch langsam als Argument für den Ausstieg aus dem Arbeitsleben kaum noch zählt.
Somit ist mein Kollege ein echter Aussteiger. Allerdings im Gegensatz zu den Sabbatjahr-Nehmern und Reisenden auf unbestimmte Zeit ohne alternativen Tough. Den würde er auch entschieden ablehnen. Er war nie nur ansatzweise jemand, der das Berufsleben in Frage stellte. Als Geschäftsführer einer Lobbyinstitution war er immer korrekt und verkörperte die professionelle Seite des Netzwerkens perfekt. Krank soll er auch nicht sein. Er habe geerbt, heißt es. Na ja. Er ist jetzt also Privatier. Diese einst doch sehr gepflegete Art im reifen Alter Nichts zu tun, lebt offenbar wieder auf.

Das könnte ich mir auch gut vorstellen, nur leider fehlt die materielle Basis. Ich bin gespannt, ob ich von dem Kollegen noch mal was höre. Er ist nämlich niemand, der sich einmal in der Woche mittags in der Trattoria des Cinecitta trifft, um die alten Zeiten neu zu interpretieren, wie der kleine Stamnmtisch ehemaliger führender Persönlichkeiten der Nürnberger Stadtverwaltung. Vielleicht geht aber auch immer mal wieder in das a tavola, wo er früher für die Kommunikationswirtschaft die Fäden gezogen hat.
Man wird sehen. Oder er kehrt zu seinen journalistischen Wurzeln zurück. Auf jeden Fall wünsche ich ihm hiermit alles Gute! Ich bin ein bisschen neidisch.

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