Christian Stump von der Uni Erlangen im Inteview. Foto: Cindric

Christian Stump von der Uni Erlangen im Inteview. Foto: Cindric

Das Magazin sechs+sechzig sprach mit Dr. Christian, Stumpf, geschäftsführendem Oberarzt an der Uni-Klinik Erlangen, über Fragen, die jeder Sportler vorab mit seinem Arzt besprechen sollte.

sechs+sechzig: Wenn jemand mit Leichtathletik anfangen will, reichen da ein Hausarzt-Check und intakte Gelenke als gesundheitliche Voraussetzung?

Stumpf: Im Prinzip ja. Das sind auch schon die wesentlichen Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit regelmäßige körperliche Aktivität und sportliche Betätigung nicht zu gesundheitlichen Risiken führen. Deshalb ist es unabdingbar, dass man sich vor Beginn einer sportlichen Aktivität beim Hausarzt durchchecken lässt.
Gibt es eine Altersgrenze?
Natürlich kann man mit über 60 oder älter auch noch mit Leichtathletik anfangen. Was und wie viel man allerdings genau machen kann und sollte, ist individuell sehr verschieden und hängt auch von vorhandenen Begleiterkrankungen ab. Dies würde man allerdings im Rahmen der Sporttauglichkeitsuntersuchung herausfinden. Man kann beziehungsweise sollte auch aufgrund der Untersuchungsergebnisse eine individuelle Belastungsempfehlung erhalten. Generell gilt natürlich, dass regelmäßiges moderates Ausdauertraining gut und wichtig ist für den Erhalt der Leistungsfähigkeit, auch im Alter. Da gibt es auch keine festen Grenzen.
Können ältere Menschen mit Leichtathletik anfangen oder sind andere Disziplinen besser geeignet?
Wenn man bisher wenig Sport getrieben hat, sollte man vielleicht nicht gleich mit den Disziplinen Weit- oder Hochsprung anfangen, sondern erst einmal mit Übungen und Trainingseinheiten zum Aufbau der Grundlagenausdauer oder zur Steigerung der Kraftausdauer. Dazu zählen insbesondere Laufen, Radfahren, Schwimmen oder auch Nordic Walking. Aber auch das Sportabzeichen ist sicherlich ein gutes Trainingsziel.
Wie oft sollte man trainieren?
Nach den Leitlinien der »American Heart Association« wird generell ein moderates Ausdauertraining drei bis fünf Mal wöchentlich à 30 bis 45 Minuten Dauer empfohlen. Wichtig ist allerdings, einen Irrglauben aus dem Weg zu räumen: Viele fangen erst gar nicht mit sportlicher Aktivität an, da sie aufgrund beruflicher Belastungen oder sonstiger Gründe eben nicht fünf Mal wöchentlich trainieren können. Unter dem Vorwand »weniger bringt ja eh nichts und fünf Mal geht nicht oder schaff‘ ich nicht« findet man schnell eine Argumentation gegen sportliche Aktivität und besänftigt so seinen inneren Schweinehund. Und genau das ist falsch! Vor einigen Jahren konnte in einer großen Studie mit über 400.000 Teilnehmern gezeigt werden, dass bereits 15 Minuten sportliche Aktivität am Tag einen positiven Einfluss auf die Gesundheit haben.
Welche Empfehlungen geben Sie sonst noch?
Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (DGSP) sollten unabhängig vom Alter neben einer kompletten körperlichen Untersuchung auf jeden Fall ein Ruhe-EKG mit zwölf Ableitungen durchgeführt werden. Ab dem 65. Lebensjahr wird zudem ein Belastungs-EKG empfohlen. Sport ist für Patienten mit Herzschwäche beispielsweise kein Hindernis – ganz im Gegenteil, es gibt es viele Untersuchungen, die gezeigt haben, dass sich sportliche Aktivität sehr positiv auswirkt für Patienten mit Herzschwäche.
Wo liegen die Leistungsgrenzen?
Ich habe dafür immer ein Paradebeispiel parat: Das ist der Manager in der »Midlife-Crisis«, der versucht, es sich nochmals zu beweisen und ohne große Planung und Vorbereitung glaubt, einen Marathon laufen zu können. Er gestaltet sein Training deshalb zu ehrgeizig und gefährdet sich dabei. In den bei uns durchgeführten Leistungstest bei Freizeitsportlern stellen wir immer wieder fest, dass sich sehr ambitionierte Freizeitsportler überschätzen und im falschen Bereich trainieren. Folgen sind nicht nur ein Ausbleiben des Trainingserfolges, sondern auch Risiken für die eigene Gesundheit. Mir liegt aber am Herzen zu betonen: Haben Sie keine Angst vor der Sporttauglichkeitsuntersuchung oder vor den Risiken des Sports, die es mitunter auch geben kann.
Interview: Herbert Fuehr
Foto: Mile Cindric