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Deutsche bleiben deutlich länger im Beruf

Der Jugendwahn in der Arbeitswelt ist gebrochen. Die Deutschen werden immer älter - und sie bleiben auch immer länger beruflich aktiv. Das zeigt eine Studie der Initiative Neue Qualität der Arbeit.

Ob der Star-Friseur Udo Walz noch arbeiten muss, sei dahin gestellt, die Mehrheit derälteren Deutschen tut dies auf jeden Fall. Foto: epd
Ob der Star-Friseur Udo Walz noch arbeiten muss, sei dahin gestellt, die Mehrheit derälteren Deutschen tut dies auf jeden Fall. Foto: epd

Die Studie »Berufe im demografischen Wandel« untersucht erstmalig in detaillierter Weise 12 Berufsgruppen (Chemiebetriebswerker und Zerspanungsmechaniker; Elektroingenieure, Sonstige Ingenieure, Chemiker und Chemieingenieure, Physiker, Physikingenieure und Mathematiker; Krankenschwestern/-pfleger, Hebammen, Helfer in der Krankenpflege, Erzieher, Kinderpfleger, Bankfachleute, Buchhalter)
„Wenn der Demografische Wandel, wie in Deutschland der Fall, fortgeschritten ist, altern über kurz oder lang alle Berufe“, sagt Thusnelda Tivig, Professorin an der Universität Rostock und Leiterin der Autorengruppe der Studie. „Das betrifft dann sowohl Berufe mit sinkender, stagnierender, als auch solche mit wachsender Beschäftigtenzahl.“ Bei Krankenschwestern, Krankenpflegern und Hebammen zeigt sich die Verschiebung des Durchschnittsalters sehr deutlich: 1993 waren die jüngeren Altersgruppen weit stärker besetzt als die älteren – danach kehrte sich das Verhältnis um. Ähnlich wie bei den Erziehern und Kinderpflegern ist das nur zum geringeren Teil unmittelbar demografisch zu erklären, sondern vor allem auch strukturell-ökonomisch, also durch veränderte Präferenzen bei der Berufswahl, die Ausweitung der Frauenerwerbstätigkeit und konjunkturelle Entwicklungen.
Beschäftigungszuwachs nur bei Älteren
Bei fast allen untersuchten Berufsgruppen wuchs die zahl der Beschäftigten zwischen 1993 und 2011nur bei den Über-40-Jährigen – und besonders ausgeprägt bei den Über-60-Jährigen. Das sind also auch die Altersstufen, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung steigt. Ein Teil dieser Entwicklung ist durch das „Durchaltern“ der größeren Geburtsjahrgänge und den längeren Verbleib im Beruf zu erklären.
Die Studie zeigt, dass vor allem in Pflegeberufen immer länger gearbeitet wird, und viele Über-40-Jährige wieder in den Beruf einsteigen. Waren beispielsweise 1993 nur 600 Krankenschwestern, -pfleger und Hebamme über 61 Jahre alt, so waren es 2011 bereits 6.238, also zehn mal mehr. Bei den Helfern in der Krankenpflege erhöhte sich die Zahl der 61- Jährigen sogar von 151 in 1993 auf 4.161 in 2011, also eine Steigerung um das 26-fache. Eine solche Entwicklung ist, so die Autoren, typisch für Berufe mit einem hohen Frauenanteil. Die Frauenquote bei Krankenschwestern, -pflegern und Hebammen beträgt 86 Prozent, bei den Erziehern sogar 95 Prozent.

Keine neuen Lösungen haben die Autoren für Arbeitgeber zu bieten, um eventuelle Personalknappheit zu kompensieren. Als Bevölkerungsgruppen mit „nicht vollständig genutztem Potenzial“ werden die üblichen genannt: Frauen, Ältere, unqualifizierte Junge und Migranten. Lösungen müssten „berufsspezifisch“ gesucht werden. Wichtig sei die Erhöhung der Mobilität zwischen den Berufen. „Dieses Thema wird in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Erwerbspersonen wechseln zwischen ähnlichen Berufen, wodurch ein noch wenig beachtetes Potenzial entsteht, um einer sinkenden Verfügbarkeit von Arbeitskräften zu begegnen“, sagt Tivig.

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