Ausstellung in Fürth-Burgfarrnbach

Setzen sich für ein modernes Frauenbild ein: Dr. Gudrun Cyprian (Soziologieprofessorin in Bamberg), Mechthild Engel (2. Kuratorin) und Bertrun Jeitner-Hartmann (Museumskuratorin), von links nach rechts. Foto: Mile Cindric

Frauen altern früher und länger als Männer, sagt die Bamberger Soziologieprofessorin Dr. Gudrun Cyprian. Dass das nicht unbedingt ein Grund zur Betrübnis ist, zeigt eine aktuelle Ausstellung »Gewonnene Jahre« des Frauenmuseums in Burgfarrnbach. Es war Museumarbeit unter erschwerten Bedingungen für Bertrun Jeitner-Hartmann und ihr Team. Denn der endlose Winter bescherte der Museumskuratorin und ihren zahlreichen Mitarbeiterinnen frostige Stunden im ehemaligen Pferdestall des Burgfarrnbacher Schlosses. Wer sich länger in dem unbeheizten alten Gemäuer aufhält, tat noch im April gut daran, sich einen der Ponchos überzuwerfen, die Jeitner-Hartmann dringend empfiehlt. »Wir arbeiten hier oft viele Stunden, und dann geht es ohne gar nicht«, sagt sie. In Eigenarbeit sorgten die Ausstellungsmacherinnen dafür, dass in der seit Anfang Mai eröffneten Ausstellung ein möglichst facettenreiches Bild davon entsteht, wie Frauen im Alter leben. So sollen negative Altersbilder von Frauen hinterfragt werden.
Das Museum »Frauenkultur Regional-International« ist das erste Frauenmuseum in Bayern und eines von sechs Frauenmuseen in Deutschland. Trägerin des Museums ist »Frauen in der Einen Welt – Zentrum für interkulturelle Frauenalltagsforschung und internationalen Austausch e.V.« in Kooperation mit dem Kulturreferat der Stadt Fürth.
Thema »Alter« ist umstritten
Dem Verein, der bereits 1989 gegründet wurde, gehören Frauen unterschiedlicher Berufe an, die in Schule, Hochschule, Erwachsenenbildung, in sozialen und kulturellen Einrichtungen oder freischaffend arbeiten. Ihr gemeinsames Ziel ist es, Frauen verschiedener kultureller Milieus miteinander ins Gespräch zu bringen. Schwerpunkt des Museums im Burgfarrnbacher Schloss ist daher auch die kulturvergleichende Darstellung des Frauenalltags nach dem Motto »Das Fremde im Spiegel des Eigenen sehen«. Seit 2006 finden in den Sommermonaten regelmäßig Ausstellungen zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten statt.
»Diesmal haben wir uns fürs Alter entschieden – davon waren keineswegs alle von Anfang an begeistert«, erinnert sich die Bamberger Soziologieprofessorin Gudrun Cyprian, ebenfalls Kuratorin des Museums: »Schließlich freut sich nicht jeder darüber, dass er altert«. Dass aber die Jahre jenseits von Erwerbsarbeit und Familienpflichten gerade für Frauen ein Füllhorn an Möglichkeiten bereithalten, will die Ausstellung mit verschiedensten Mitteln zeigen.
»Das Herzstück ist unser Tableau«, sagt Cyprian und deutet auf eine weiß gekalkte Wand an der Rückseite des Gewölbes. Mehr als 50 Porträtfotografien mit Begleittexten werden den Besuchern am Ende der Schau von den unterschiedlichsten Frauen erzählen – und den ungewöhnlichsten Konzepten, den letzten Lebensabschnitt zu gestalten.
Da ist etwa die Geschichte der Nepalesin Aama: Mit 84 Jahren verlässt sie zum ersten Mal ihr Dorf am Fuße des Himalaya, um mit dem amerikanischen Lehrer Broughton Coburn dessen Heimat zu besuchen. Neben exotischen und prominenten Bildern und Geschichten sollen aber auch ganz normale Durchschnittsfrauen dargestellt werden. »Es geht ganz allgemein um Frauen, die es geschafft haben, ihr Leben in imponierender Weise in die Hand zu nehmen«, sagt Jeitner-Hartmann.
Neuanfang mit 60 Jahren
Ein Beispiel dafür in der Ausstellung ist eine Frau, die nach ihrem 60. Geburtstag beschloss, Schauspielerin zu werden – und dies auch schaffte. Ihre erste Rolle in Wedekinds »Frühlingserwachen« habe Mädchengefühle zurück gebracht, das regelmäßige Auftreten ihre Schmerzen in den Beinen verbessert. Auch verschaffte ihr das Engagement am Theater die Möglichkeit, an anderen kulturellen Ereignissen teilzunehmen, was mit der mageren Rente so nicht möglich gewesen wäre.
Noch einmal richtig durchstarten – das scheint für Frauen noch viel mehr ein Thema zu sein als für Männer. »Nach Erwerbsarbeit und Familienpflichten erleben Frauen einen neuen Lebensabschnitt mit relativ guter Gesundheit. Er scheint im Vergleich zu anderen Lebensphasen frei und gestaltbar, und schreibt nicht schon von vornherein Aufgaben und Verhaltensregeln vor«, erklärt Cyprian dieses Phänomen, »und Frauen fällt eine ganze Menge ein, um diesen Lebensabschnitt zu gestalten«.
Dass das Alter – bei aller Freiheit – freilich seine Schattenseiten hat, will die Ausstellung auch zeigen. Die Macherinnen haben dazu eine spezielle Installation in der Mitte des Raumes geschaffen. Sie stellten eine dunkle Röhre auf, durch die die Besucher hindurchgehen können. Dabei sollen sie ganz Unterschiedliches hören: einmal gar nichts, dann Getuschel und ein anderes Mal anerkennende Pfiffe. »Wir wollen fühlbar machen, wie es für ältere Frauen ist, wenn sie auf der Straße im Grunde gar nicht mehr wahrgenommen werden«, schildert Jeitner-Hartmann.
Die Technik für die Installation haben im Übrigen Mitstreiterinnen aus dem Rundfunkmuseum geliefert. Die meisten der anderen Exponate – etwa eine Kommode, die Schubladendenken illustrieren soll, oder ein Beziehungsgeflecht aus Bindfäden und Püppchen – haben die Ausstellungsmacherinnen selbst gebaut und gebastelt.
Alexandra Buba