Die Reisebranche kommt älteren Menschen inzwischen mit vielen speziellen Angeboten entgegen. Ältere Urlauber unterschätzen aber oft, dass sie eine gründlichere Vorbereitung benötigen als andere. Wie die aussehen muss, erklärt die Expertin Esther Grafwallner.
UrlaubsaufmacherImmer mehr Senioren bleiben heute bis ins hohe Alter aktiv: Nach den anstrengenden Jahren im Beruf und mit der Familie genießen sie es, endlich einmal Zeit für sich zu haben und sich noch den einen oder anderen Traum zu erfüllen. Für viele gehören ausgedehnte Reisen dazu: Zwei Drittel der Generation 60+ reisen gerne. Fast ein Viertel der Bundesbürger, die aktuell eine Fernreise planen, ist über 50 – das ergab jüngst eine repräsentative Umfrage. „Viele Senioren denken heute gar nicht daran, zu Hause zu sitzen – und das ist gut so“, findet Esther Grafwallner von der Europäischen Reiseversicherung ERV. „Wer reist, kommt unter Menschen und nimmt viele neue Eindrücke auf – die besten Voraussetzungen für anhaltende Lebensfreude.“ Dennoch sollten reiselustige Best Ager dem Faktor Gesundheit besondere Aufmerksamkeit schenken: Denn der Wechsel in eine andere Klimazone, fremdartiges Essen und die ungewohnte körperliche Anstrengung können zu gesundheitlichen Problemen führen, weiß die ERV-Expertin. Ihr Rat: „Auch wenn Sie sich topfit und gesund fühlen – eine sorgfältige Reiseplanung ist für Senioren doppelt wichtig, wenn der Urlaub wirklich unbeschwert verlaufen soll.“
Ein sorgloser Urlaub beginnt mit einem Gesundheitscheck
UrlaubsrentnerAm Anfang der Vorbereitung steht die Frage, welche Art von Reise und welche Ziele überhaupt in Frage kommen. „Entscheidend ist, den eigenen Gesundheitszustand realistisch einzuschätzen“, so Grafwallner. Daher sollten Senioren einen Termin für einen umfassenden Gesundheitscheck bei ihrem Hausarzt machen. Ebenso wichtig ist, sich frühzeitig um die anfallenden Impfungen zu kümmern: Oft ist eine Auffrischung der Standardimpfungen wie Tetanus bereits überfällig. Zusätzlich kann je nach Reiseziel eine weitere Prophylaxe nötig sein. Außerdem empfiehlt es sich, frühzeitig beim Reiseveranstalter die Möglichkeiten der medizinischen Versorgung vor Ort abzufragen. Zudem sollten ältere Reisende am besten schon vor der Buchung ihrer Reise darauf achten, dass der Urlaub zu ihren Bedürfnissen passt. Es gibt inzwischen eine ganze Reihe von Anbietern für spezielle Seniorenreisen, die auf ältere Urlauber zugeschnitten sind. „Darunter gibt es auch Angebote für Menschen, die sich Reisen auf eigene Faust nicht mehr zutrauen“, meint Grafwallner. Meist gehören Gepäcktransfer, Transport von Tür zu Tür, barrierefreie Hotels und eine ärztliche Betreuung unterwegs mit dazu: „Es empfiehlt sich, genau nachzufragen, was der Service alles beinhaltet.“
Nicht überfordern, Ruhepausen einplanen
Seniorenreisen-InfografikBei weiten Reisen kann bereits der Klimawechsel eine große Belastung sein. Gerade Hitze und intensive Sonne setzen älteren Menschen oft zu, weiß Esther Grafwallner: „Bei Bluthochdruck oder Kreislaufproblemen ist es deshalb sicherer, extreme Temperaturen zu meiden.“ Wer auf Medikamente angewiesen ist, fragt am besten den Arzt, wie sich die Einnahmezeit wegen der Zeitverschiebung ändert. Vor allem bei Reisen außerhalb der EU kann für die problemlose Mitnahme von Medikamenten ein ärztliches Attest erforderlich sein. Nähere Informationen zu den Bestimmungen des jeweiligen Reiseziels erhalten Urlauber beim Auswärtigen Amt. Im Zweifel sollten sie besser eine ärztliche Bestätigung für die Medikamente mitnehmen! Damit der Flug nicht zur Strapaze wird, sollten Senioren wegen des Thromboserisikos Kompressionsstrümpfe tragen, viel trinken und sich öfters bewegen. Um für kleinere Beschwerden gerüstet zu sein, gehört zusätzlich eine Reiseapotheke ins Gepäck. Generell gilt: „Überfordern Sie sich nicht, nehmen Sie sich viel Zeit und planen Sie Ruhepausen ein“, rät die Expertin. Gerade an den ersten Tagen sollten Senioren es langsam angehen. Vorsicht auch beim Verzehr einiger Lebensmittel: Um einem Infektionsrisiko vorzubeugen, sollten Urlauber Eis und Rohkost besser vom Speiseplan streichen und Obst nur geschält essen. Und zu guter Letzt: „Auf keinen Fall ohne eine Reisekrankenversicherung aufbrechen, die für den Fall der Fälle auch einen Krankenrücktransport einschließt“, empfiehlt Grafwallner. „Sonst können bei einem medizinischen Notfall am Urlaubsort hohe Kosten entstehen, für die der Reisende selbst aufkommen muss.“