Sonny Hennig, Großvater des Deutschrock. Foto: Cindric

Sonny Hennig, Großvater des Deutschrock. Foto: Cindric

Der heute 66-jährige Sänger und Keyboarder Hennig, der als »Sonny Rocket« mit seinem Partner »Captain America« bei Radio Gong die Sendung »Rock Zock reloaded« moderiert und dafür im Jahr 2012 mit dem Sonderpreis der bayerischen Landeszentrale für Neue Medien ausgezeichnet wurde, lächelt – und gibt eine persönliche Liebesgeschichte preis. Sie nahm 1965 ihren Anfang.
Der junge Sonny Hennig, in Thüringen geboren und jetzt in Nürnberg lebend, steht mit seiner damaligen Formation »Jonah & the Whales« im Parkcafé in Feucht auf der Bühne. »Und da fingen die Mädels plötzlich an zu kreischen«, erinnert er sich. »Genauso wie man es damals von den Auftritten der Beatles und der Rolling Stones kannte. Das war ein vollkommen neues Erlebnis für uns. Da fühlte man sich fast ein wenig wie Mick Jagger und genoss es, dass einem die weiblichen Fans nahe sein wollten.« Sonny stand als Sänger ganz vorne am Bühnenrand. Mit seinem ausgeprägten Unterkiefer und den langen Haaren konnte er durchaus als ein »Rolling Stone von Nürnberg« durchgehen. Wenn es sich dann traf, dass der eine oder andere weibliche Fan auch nach dem Konzert die Nähe der Band suchte, da sagten die Mitglieder nicht nein. »Das war noch nie meine Stärke«, witzelt Hennig.
Ein Teenager aus der vordersten Reihe hatte es dem »voller Testosteron strotzenden 19-Jährigen« (Hennig über Hennig) besonders angetan. Wie so ein Abend enden sollte, kann man sich denken. Nur, dass die »Superfrau mit der tollen Figur« plötzlich doch nicht so wollte wie der angehende Star. Und dieses ungewöhnliche Erlebnis blieb haften. »All die Jahre habe ich immer wieder an diesen Abend mit Maria gedacht. Später habe ich sogar versucht, sie über das Internet ausfindig zu machen, aber das ist nicht gelungen«, berichtet der Musiker.
Heute weiß Sonny Hennig, dass sich ihre Wege durchaus wieder hätten kreuzen können: »Zeitweise wohnte sie sogar in meiner Nähe und hat auch Konzerte von mir besucht.« Doch jeder ging seiner eigenen Wege. Maria heiratete, bekam drei Kinder, Sonny durchlebte besonders gesundheitlich eine sehr schwere Zeit, verlor ein halbes Bein, musste sich etlichen, lebensbedrohlichen Operationen unterziehen.
Und dann kam der 30. Oktober 2010. Im Fürther Rundfunkmuseum stellte er mit seinem früheren Partner Ernst Schultz, den er 1970 zur Band holte, eine neue CD vor: »Ihre Kinder – heute. ›Die letzte Oper‹«. Plötzlich stand Maria vor ihm, die Superfrau von einst, die ihn über vier Jahrzehnte in Gedanken nicht losgelassen hatte: »Hallo Sonny, erinnerst Du Dich noch?«
Und er erinnerte sich sehr wohl. »Vielleicht war es ja eine Art Seelenverwandtschaft,« sagt er heute. »Damals,1965, als sie so vor mir stand, wusste ich: Die will ich. Und ich wusste auch wofür.« Und Maria ergänzt: »Auch ich wusste, den will ich haben, aber ich wusste nicht wofür.« Und so kam es, dass die »Königskinder« eben über viele Jahre nicht zueinander fanden.
Das Happy End: Stundenlange Telefonate folgten auf die Begegnung im Museum, Geschichten aus den so unterschiedlich verlaufenden Lebenswegen wurden ausgetauscht.
»Sie hat mir wieder neuen Lebensmut gegeben. Es gab Zeiten, da habe ich echt gedacht, es geht nicht mehr weiter«, sagt Hennig. Das Leben als Musiker, der nicht immer den Verlockungen der Szene widerstehen konnte, hat gravierende Spuren bei ihm hinterlassen. »Heute kann ich keine Musik mehr machen, die Hände machen nicht mehr mit, und zum Singen fehlt die Luft.« Da kann die neue Ehefrau an seiner Seite durchaus als rettender Engel bezeichnet werden. Denn 2011 hat Sonny seine Maria geheiratet. 46 Jahre nach ihrer ersten Begegnung.
 
Karin Jungkunz
Fotos: Mile Cindric