Hoch auf einem Felssporn im Naturpark Altmühltal thront die Burg Pappenheim. Schon im 10. Jahrhundert soll der Stammsitz der späteren Grafen von Pappenheim um einen noch wesentlich älteren Schutzturm herum entstanden sein. Das Burggelände mit großem Turnierplatz, Vor- und Hauptburg, Zwinger und staufischem Bergfried misst rund drei Hektar. Die imposante Höhenburg wird von Mauern mit einer Gesamtlänge von 1,5 Kilometern umschlossen.
An diesem zweiten Adventswochenende ist die Anlage mit ihrer unvergleichlichen Lage Schauplatz des Pappenheimer Burgweihnachtsmarkts. Türme, Wehrgänge und Gebäude des einstigen Adelssitzes sind in magisches Licht getaucht. Hunderte Fackeln beleuchten die Aufgänge. In einer Kulisse wie aus dem Märchen stehen über 50 Stände. Krippen und Christbaumschmuck, Keramik, Kerzen und Gestecke, Naturtextilien und Kunsthandwerksprodukte verführen zum Kauf. Feuerkörbe sorgen für Wärme. Nikolaus und Christkind verteilen Gaben an die jüngsten Besucher. Regionale Musikgruppen spielen auf. Und in der festlich dekorierten Burgkapelle unterm blauen Himmel mit seinen 365 vergoldeten Sternen wird täglich Andacht gehalten.
Pappenheim lohnt aber auch außerhalb des Advents einen Besuch. Für größere Ausflüge und kleinere Abstecher in die Umgebung ist Bayerns ältester Luftkurort wie geschaffen. Der acht Kilometer lange »Schlaufenweg« verspricht einzigartige Blicke auf das über 1200 Jahre alte Pappenheim. Start ist am Marktplatz. Er liegt etwa 15 Gehminuten entfernt vom Bahnhof, von dort führt der »Bahnweg« zielsicher dorthin.
Wir stehen jetzt im Herzen des liebevoll erhaltenen mittelalterlichen Städtchens und direkt vor dem Rathaus, einst gräfliche Kanzlei, erbaut 1595 und 1722 neu gestaltet. Gegenüber befindet sich das im schlichten klassizistischen Stil errichtete dreiflügelige Neue Schloss (1819/20). Die ehemalige Residenz der mächtigen Pappenheimer Erbmarschälle dient der Gräflichen Familie bis heute als Wohnsitz, aber auch als Verwaltungs- und Bürogebäude. Besichtigt werden kann das Innere deshalb nicht. Das Äußere sieht man nur teilweise, denn die Fassade wird gerade saniert. Nur einen Katzensprung entfernt steht der Vorgängerbau, das sogenannte Alte Schloss. Dieser erste Schlossbau der damaligen Residenzstadt wurde im frühen 16. Jahrhundert errichtet. Den Hauptbau schmücken vier Ecktürme, Rundfenster und ein säulengestütztes Portal. Auch hier bleibt der Besucher außen vor. Wer mag, kann aber in die benachbarte Pfarrkirche von 1476 ein Blick werfen. Hier ist eine Vielzahl von Grabsteinen gräflicher Beamter zu sehen.
Vom Marktplatz aus geht es rechts am Alten Schloss vorbei Richtung Altmühl. Wir passieren das »Hotel Krone«, Wirtschaft und Bierbrauerei seit 1578. Hinter der Brücke geht es geradeaus auf der Bürgermeister-Rukwid-Straße, wie vom Symbol »gelbe Schlaufe auf blauem Grund« gewiesen. Dem Weg Nr. 8 folgen wir fortan. Bevor wir dem Straßenverlauf folgend nach links abbiegen, schauen wir uns noch einen der ältesten Sakralbauten Frankens an. Schließlich liegt die St. Gallus-Kirche rechter Hand direkt am Weg. Sie ist bereits im 9. Jahrhundert entstanden und von bestechender Schlichtheit. Nur wenige Meter rechts hinter der Kurve verlassen wir die Straße (Hinweis an einem Laternenmast). Über eine alte Steintreppe geht´s steil nach oben. Überhaupt verlangt der Schlaufenweg durch das bergauf-bergab Kondition. Der Preis für den Schweiß ist die wunderbare Aussicht. Besonders reizvoll ist dieser Weg im Winter und Frühling, wenn die Bäume entlaubt sind.
Nach der Treppe folgen wir dem blau-gelben Symbol nach rechts. Wir spazieren durch den herrlichen Wald. Wenn die Bäume lichter werden, erreichen wir eine Gabelung. Rechter Hand sehen wir eine hölzerne Sitzgruppe am Waldesrand. Wir gehen nicht auf sie zu, sondern biegen scharf rechts ab. Die Stelle ist – ausnahmsweise – schlecht ausgeschildert, man erkennt sie aber an einem Jägersitz, der zu ebener Erde steht. Auf alle Fälle ist man richtig, wenn man im Weiterlaufen Häuserdächer sieht. Darauf halten wir zu. So gelangen in einen malerischen, von alten Bäumen umstandenen abschüssigen Hohlweg. Der endet an einer Straße, die wir überqueren und dann nach rechts gehen. Oberhalb der Bushaltestelle schlängelt sich ein schmaler Asphaltweg parallel zur Straße, die ins Tal hinab führt. Wir laufen hier solange, bis das Schild »Zum Weinbergspavillon« auftaucht. Wir ignorieren die hölzerne Treppe und gehen weiter auf dem mit 5 und 6 gekennzeichneten Pfad. Etwa in halber Höhe, denn es geht wieder bergauf, stoßen wir wieder auf die bekannte gelbe Schlaufe. Es geht links, dann durch eine alte Lindenallee. Schließlich stehen wir auf der Jurahöhe.
Hier wurde bis zum Jahr 1400 Wein angebaut. Heute wächst auf den Hängen Wacholder zwischen Magerrasen. Überall stehen Bänke. Der Blick ist einmalig. Man könnte ewig rasten, mit Pappenheim zu Füßen.
Auf dem höchsten Punkt des Weinbergs wurde ein Pavillon errichtet. Gegenüber, auf der dem Tal abgewandten Seite, beginnt der Abstieg (ausgezeichnet mit 5 und 8). Schon nach wenigen Schritten zweigt der Schlaufenweg rechts ab. In Serpentinen windet er sich hinab. Anfangs recht steil, später sanfter.
Im Tal, vor dem Ort, wenden wir uns scharf links, gehen die Straße bis ans Ende und biegen dann in die Obere Bergstraße ein. An der ersten Gabelung verlassen wir sie, denn parallel verläuft eine schöne baumbestandene Allee. Auch hier stehen Bänke. Denn da ist sie wieder, die malerische Burg. Beinahe zum Greifen nah. Wir verlassen nun Pappenheim über die Straße Richtung Zimmern. Noch vor der Biegung geht der Schlaufenweg rechts ab. Er führt vorbei an der evangelischen Landvolkshochschule, dem Haus der Bildung und Begegnung. Dahinter dann gabelt sich der Weg. Wir halten uns rechts. Wieder laufen wir durch eine Lindenallee. Eine Brücke kommt in Sicht. Hier schwenken wir auf den Panoramaweg ein. Wer möchte, kann nun wieder auf den höheren Schlaufenweg zurückkehren. Eine Abkürzung führt auf dem romantischen Weg an der Altmühl entlang zurück bis zur Brücke. So sparen wir etwa 1,5 Kilometer. Die Brücke überqueren wir. Hinterm Turnerverein biegen wir rechts in die Schützenstraße. Nun einfach geradeaus laufen – schon steht man wieder auf dem Marktplatz. Aber nur, falls man nicht vorher in einen der vielen gemütlichen Gasthöfe einkehrt. Oder zur Burg hochsteigt. Deren Tore stehen nicht bloß zur Burgweihnacht offen, sondern fast das ganze Jahr.
Text: Ute Fürböter; Fotos: Mile Cindric
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Anfahrt nach Pappenheim in Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen: Per Bahn mit der R6 bis Treuchtlingen, ohne Umsteigen weiter mit der R63 bis Pappenheim. Mit dem Auto über die A73 bis Schwabach, dort auf die B2, über Roth und Weißenburg nach Pappenheim.
Öffnungszeiten von Burg Pappenheim zwischen 1. April und 1. November: 1.4.-30.4. tägl. 10-17 Uhr, 1.5.-30.9. tägl. 10-18 Uhr, 1.10.-1.11. tägl. 10-17 Uhr. Weitere Infos, unter anderem zu historischen Führungen, unter www.grafschaft-pappenheim.de