Mediengetöse: Alle wollen teilhaben am Assauer-Alzheimer-Hype, wenige widmen sich dem Thema seriös.

“Ich habe Alzheimer.” Mit diesem Bekenntnis des ehemaligen Fußball-Profis und-Managers Rudi Assauer fing kürzlich eine neue Welle der Medien-Berichterstattung über die Krankheit an, von der Experten glauben, dass sie uns künftig noch viel mehr als heute bedrängen wird. Wohl auch aus diesem Grunde hat zum Beispiel das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) Assauer in einem offenen Brief für den Mut gedankt, seine Demenzerkrankung öffentlich zu machen. Häufig schweigen Betroffene bekanntlich, wenn sie diese Krankheit haben. “Wenn nun eine Diskussion über Demenz in Gang komme, dann ist das auch Ihr Verdienst. Weil Sie nicht geschwiegen haben”, schreibt das KDA an Assauer.

In ungezählten Medien haben sich nun Experten und Ärzte zu Wort gemeldet, die auf mögliche Risikofaktoren wie Rauchen und Trinken hinweisen. Assauer selbst hat nach eigenem Bekunden vom Rauchen und Trinken Abstand genommen. In seinem Brief kommentiert das KDA diese Ratschläge: Neuere Erkenntnisse aus der Demenzforschung zeigen, dass Menschen mit Demenz gerade das weiter machen sollten, was ihnen auch bis dahin im Leben Freude gemacht hat, heißt es. Dies könne den Verlauf der Erkrankung verlangsamen. Assauer solle an dem festhalten, was ihm bisher Spaß gemacht hat.

Das KDA beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Demenz und dem Umgang der Gesellschaft mit der Erkrankung. Assauers Offenheit könne dazu beitragen, dass sich das öffentliche Bild und der Umgang mit der Erkrankung Demenz ändert, sagt KDA-Geschäftsführer Dr. Peter Michell-Auli. Denn auch die Reaktionen auf Assauers Offenheit zeigen, wie viel Nachholbedarf in diesem Bereich besteht: So äußerte sich in einer ZDF-Nachrichtensendung ein Experte, der dazu riet, mit Demenzkranken umzugehen wie mit kleinen Kindern. Das KDA kritisiert diesen Ratschlag. Menschen sind nicht weniger ernst zu nehmen, nur weil ihre gedankliche Leistungsfähigkeit im klassischen Sinn abnimmt! Demenz bietet der Gesellschaft die Chance, ihr Menschenbild zu überarbeiten, eine andere Wertehaltung zu entwickeln, schreibt das KDA an Assauer. Demenz mache hingegen oft das Wesentliche im Leben sichtbar.

Assauer selbst spricht von einer “Katastrophe”, die sich in seinem Kopf abspiele. Im Buch führt er aus: “Ich erkenne gewisse Leute, zum Teil alte Freunde und gute Bekannte, auf den ersten Blick nicht mehr – das ist einfach nur schlimm für mich, eine Qual. Ich kann sie dann nicht direkt mit Namen ansprechen, bin unsicher. Im Grunde möchte ich in diesen Momenten nur weg.” Die ersten Vorboten der Krankheit seien 2004 oder 2005 aufgetaucht, noch in seiner Zeit als Manager des Bundesligisten Schalke 04. Erst im Januar 2010 begab sich der heute 67-Jährige in ärztliche Behandlung. Der Schritt an die Öffentlichkeit geschehe nun auch, um Gerüchten über eine Alkoholsucht entgegenzutreten. “Man sollte das Kind beim Namen nennen. Zack, bumm”, schreibt Assauer laut stern. “Das soll hiermit geschehen, dann wissen es alle und müssen nicht mehr hinter meinem Rücken tuscheln. Also offenes Visier: Hier bin ich, das ist mein Problem. Wenigstens wissen die Leute nun auch ein für alle Mal, dass ich keinen Alkohol mehr trinke.”

Nach Informationen des Magazins Stern findet sich in dem Buch keine Passage, in denen er etwa den Klub-Vorstand, der ihn aus Schalke vertrieb, oder frühere Partnerinnen bewusst angriff. Assauer wolle keine Schlachten mehr schlagen, und er könne das auch nicht mehr. Dem Stern sagte der ehemalige Schalker Manager: “Ich kämpfe. Weiß nur nicht, gegen wen.” Ob er manchmal über den Tod nachdenke? “Ja”, antwortete Assauer, “ich denke an meinen Bruder.” Sein 13 Jahre älterer Bruder Lothar lebt seit Jahren als Pflegefall auf einer Demenzstation. Auch die Mutter war früh an Demenz erkrankt.