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Der Traum vom Zusatzverdienst im Netz

Barbara Zenger hat einen Online-Shop für Tierzubehör aufgebaut, mit dem sie ihre Rente aufbessern möchte. Foto: Roland Fengler
Die beiden Frauen gehören nicht zu der Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist. Dennoch haben Sieglinde Graf und Barbara Zenger das weltweite Datennetz für sich entdeckt. Sie versuchen, mit ihren Online-Shops die Rente aufzubessern.
»Ich wollte immer schon einen eigenen Laden haben«, sagt Sieglinde Graf mit einem Leuchten in den Augen. Jedoch wollte sich die 60-Jährige, die inzwischen in Rente ist, nicht an Ladenöffnungszeiten binden. Die Lösung sah sie, die bis dahin kaum etwas im Internet gekauft hatte, in der Eröffnung eines Online-Shops. Nach einem dreiviertel Jahr Planung und Vorarbeit ging im Oktober 2007 »da sempre« ans Netz. »Von jeher« heißt die Übersetzung für ihr Geschäft und bezeichnet genau das, was Sieglinde Graf am Herzen liegt: schöne Dinge für Frauen, italienisches Design, Handwerkskunst und das Thema Nachhaltigkeit. Kundinnen auf der Suche nach außergewöhnlichen Accessoires werden auf ihrer Website fündig.
Dass Schmuck, Textilien, Taschen und Büroartikel häufig von Frauen hergestellt werden, ist kein Zufall: »Ich wollte dazu beitragen, Frauenarbeitsplätze in Europa zu erhalten«, sagt die gelernte Drogistin, die hauptberuflich viele Jahre beim FrauenWerk Stein tätig war. Jetzt steht im ehemaligen Kinderzimmer ihres Hauses am Nürnberger Stadtpark der PC, in den Regalen lagern über 500 Artikel. »Zum Glück sind sie relativ klein und brauchen nicht viel Platz«, sagt sie lachend.
Das ist bei Barbara Zenger anders. Ausgefallenes bietet auch sie in ihrem Online-Shop an – und zwar für Hunde und Katzen. Um Hundebetten, Katzentoiletten, Transportboxen, Fressnäpfe und anderes Zubehör auf Vorrat halten zu können, musste sie sich extra ein Lager mieten. Tiere waren schon immer ihre große Leidenschaft. Eine Zeit lang besaß sie eigene Pferde, im Moment teilt sie sich mit den Katzen Shiva und Jerome ihre Wohnung. Der PC steht daheim in Nürnberg-Laufamholz im Wohnzimmer, das Lager befindet sich einen Steinwurf entfernt. Noch betreibt die 60-Jährige ihren Laden nebenher. In ihrem Hauptberuf als Bedienung ist sie von morgens bis spätabends außer Haus. Wenn sie nach einem langen Tag zurückkommt, beantwortet sie E-Mails und bearbeitet Bestellungen. In ihrer knappen Freizeit besucht sie Messen und Ausstellungen.
Genauso viel Arbeit wie jedes andere Geschäft
Wie Sieglinde Graf träumte auch Barbara Zenger schon lange von einem eigenen Geschäft. Freunde rieten ihr dazu, dieses »virtuell« zu eröffnen. »Es war schwieriger als ich gedacht habe«, sagt Zenger rückblickend. »Aber ich bin sehr stolz darauf, was ich alles gelernt habe.« Wer glaube, dass ein Online-Shop weniger Arbeit macht als ein »richtiger« Laden, täusche sich allerdings, sagen die beiden Geschäftsfrauen unisono. »Ohne Unterstützung von Experten geht es nicht«, weiß Sieglinde Graf. Sie hatte Glück, ihr Sohn machte eine Ausbildung zum Mediengestalter und half ihr beim Internet-auftritt, und ihr Mann unterstützt sie in betriebswirtschaftlichen Fragen und bei der Buchhaltung. »Darüber hinaus gibt es noch eine rechtliche Seite, die einem regelrecht Angst machen kann«, sagt die späte Gründerin. Schon beim Markenschutz habe sie die Macht der Konzerne zu spüren bekommen, und sich dennoch nicht ohne Stolz mit ihrem Namen gegen große Discounter durchgesetzt.
»Ich war ganz schön blauäugig«, sagt Barbara Zenger im Rückblick und erinnert sich an ihren ersten Messebesuch vor fünf Jahren auf der Interzoo. »In der ersten Euphorie habe ich viel zu viel eingekauft«, seufzt sie. »Aber was gut geht, weiß man eben erst hinterher.« Bei der Auswahl verlässt sie sich auf ihren eigenen Geschmack und ihr Gefühl. Die Konkurrenz ist jedoch groß im Internet. Und: »Man ist mit einem Klick vergleichbar«, sagt Zenger.
Manche Ideen, die sie selbst für sehr gut hielt, erwiesen sich in der Praxis als Flop. »Ich wollte einen Lieferservice für die Region Nürnberg, Fürth, Erlangen anbieten«, erinnert sie sich. Obwohl sie Tausende von Flugblättern verteilte und Anzeigen schaltete, kam keine einzige Nachfrage. Nachdem Barbara Zenger vergangenes Jahr ihre Website überarbeiten ließ, geht es langsam aufwärts. Die Gewinnzone hat sie mit ihrem Shop allerdings noch nicht erreicht: »Ich hoffe, die viele Arbeit rentiert sich eines Tages und wirft ein Zubrot zur Rente ab.«
Von ihrer Rente alleine könnte auch Sieglinde Graf nicht leben. Deshalb wollte sie etwas auf die Beine stellen, das ihr Spaß macht und ein zusätzliches Einkommen bringt. »Ich bin auf einem guten Weg«, sagt sie heute mit viel Optimismus. Drei Jahre hatte sie sich selbst für ihr »Rentenprojekt«, wie sie es nennt, gegeben. Dann sollte es laufen.
Hilfe bei der Bestellung
Um auf dem Laufenden zu bleiben, müssen die beiden Frauen ständig die aktuelle Gesetzgebung und die Vertragsbedingungen von Google im Blick behalten. Das A und O sei die Suchmaschinenenoptimierung, sagen sie, damit potenzielle Kunden sie im Internet überhaupt finden. Bezahlte Werbung bringe zwar mehr Zugriffe, aber nicht mehr Bestellungen. Die beiden Online-Spezialistinnen wissen inzwischen auch, warum das so ist: »Da klicken die Konkurrenten drauf.«
Ein wesentlicher Punkt bei Online-Shops sind die Zahlungsmodalitäten. Daran ist schon so manche Bestellung gescheitert. Per Vorkasse oder mit Paypal zu bezahlen, ist nicht jedermanns Sache. Deshalb leisten sie ihren Kunden »Geburtshilfe« in Sachen Online-Shopping. Nicht selten bekommen sie dann zu hören: »Das war meine erste Online-Bestellung.« Dennoch ist es schwierig, Stammkunden zu gewinnen. »Meist wird nur ein Teil bestellt«, so die Erfahrung von Barbara Zenger.
Seit Sieglinde Graf in Rente ist, hat sie einige neue Ideen entwickelt. Als Nächstes will sie sich den »Trusted Shops« anschließen, einer Gemeinschaft von 10.000 Online-Shops, die sich verpflichten, höchste Anforderungen in puncto Daten- und Liefersicherheit zu erfüllen.
Aber auch der persönliche Erfahrungsaustausch ist den beiden Ladenbesitzerinnen, die sich über eine gemeinsame Bekannte kennen gelernt haben, wichtig. Sie besuchen zusammen Fortbildungen und helfen sich bei Problemen gegenseitig weiter. Über eine Erweiterung ihres Netzwerks würden sie sich freuen. Denn: »Jeder hat andere Erfahrungen gemacht und jeder hat andere Ideen«, sagt Barbara Zenger.
Barbara Lohss
www.dasempre.de
www.hundeshop-zenger.de
www.katzen-shop-zenger.de
Sieglinde Graf hat ein kleines warenlager in hrer Wohnung, denn die Onlinekunden sollen schnell ihre Bestellung erhalten. Foto: Fengler

Eine Antwort

  1. Respekt. Man kann immer wieder etwas Neues beginnen. Aber ich kenn das auch, wenn ich irgendwo online bestelle dann nur gegen Rechnung oder Paypal denn im Offline-Geschäft funktioniert das auch. Das mit der Zahlungsmoral ist mir als Selbstständiger auch ein Begriff. Ich bin viel als Handwerker tätig und mit 80% aller Rechnungen gibt es keine Probleme. Bei meinen Online Gechäften biete ich meinen Kunden immer eine Geld-zurück-Garantie an, das baut ein Vertrauensverhältniss auf. Muß aber dazu sagen, dass sich mein Online Geschäft auf die Arbeit mit Partneprogrammen und Miniwebseiten bezieht. Habe dadurch aber keinerlei kosten für Produkte.

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