Anzeige

Pflegeforscher fordert mehr Geld und Anstrengung für die Pflege

In zehn Jahren wird es in Deutschland 3,4 Millionen pflegebedürftige Menschen geben. Der Pflegeforscher Frank Weidner nutzte daher die Gelegenheit in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur, die neue Bundesregierung aufzufordern, Kommunen, Länder und Krankenversicherungen an einen Tisch bringen.

Schüler machen einen Ausflug mit Bewohnern eines Altenpflegeheims in DresdenDer Pflegeforscher Frank Weidner, Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung in Köln, mahnte die neue Regierung in einem Gespräch mit Deutschlandradio Kultur am 27. Septmeber 2013, die Aufgaben, die im Bereich der Pflege auf die Gesellschaft zukommen, nicht zu unterschätzen, wie dies die Vorgänger-Regierung getan hat. Es stünde zu erwarten, dass in zehn Jahren etwa eine Million mehr Ältere als heute auf Pflege angewiesen seien. Deshalb müssten die Weichen über die bereits getroffenen Maßnahmen, wie die Familienpflegezeit oder mehr Geld für Demenzkranke, gestellt werden.
Im Mittelpunkt seiner Überlegungen stellte er deshalb die Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Pflegekräfte im finanziellen und strukturellen Bereich: Das heißt, mehr Personal, leistungsgerechte Vergütung und eine  Ausbildungsreform, die ihren Namen verdient, seien Aufgaben der Politik in dieser Legislaturperiode. Dazu schlug Weidner in dem Interview mit Deutschlandradio Kultur eine Konzertierte Aktion von  Tarifpartnern, Bundesregierung, Ländern, Kommunen, Versicherungen und Krankenversicherungen  vor.
Diese Hausaufgaben müssten gemacht werden, bevor nach ausländischen Arbeitskräften in der Altenpflege gerufen werde. Dazu müsse man begreifen, dass man aufgrund des demografischen Wandels einfach mehr Geld in die Hand nehmen müsse, um die Berufe in der Altenpflege attraktiver zu machen. Da müsse Deutschland mit seinem starken demografischen Wandel mehr Geld investieren, wie es seine Nachbarländern, etwa die Niederlande, die skandinavischen Länder oder  Großbritannien, dies bereits jetzt tun. In der deutschen Politik sei das Thema bislang sträflich vernachlässigt worden.
Dies könne man zum Beispiel am, von Familienministerin Schröder auf den Weg gebrachten, Gesetz zur Freistellung der Pflege von Angehörigen sehen: Zwar sei die Grundüberlegung in Ordnung, aber es hätten nur ein paar hundert Menschen in Anspruch genommen, weil es zu hohe bürokratische Hürden gäbe, die Pflegezeit mit zwei Jahren zu kurz sei, weil länger gepflegt werden müsse und kein Rechtsanspruch auf die Pflegezeit bestehe. Letztlich müssten sich alle darauf einstellen, dass die Beiträge steigen, weshalb Weidner für eine Bürgerversicherung plädiert. Zum Schluss betonte er, dass die Menschen bereit seien, dafür auch mehr zu bezahlen, allerdings müssten die Bedingen stimmen – und dafür hätte die Politik in der nächsten Legislaturperiode zu sorgen (besser als in der vorangegangenen).
Ausgewählte Veröffentlichungen von Frank Weidner:

  • Weidner, F./ Kratz, Th. (2012): Eine Zukunftsorientierte Pflegebildung? Anmerkungen zur Weiterentwicklung der Pflegeberufe. In: BWP 6/2012,
    S. 11-15

 

  • Weidner, F.: (2012): Altersgerechte Personalpolitik im Krankenhaus. In: Hellmann, W.; Hoefert, H.-W. (Hrsg.) Krankenhäuser im demografischen Wandel. medhochzwei, Heidelberg (in Vorbereitung)

 

  • Weidner, F.; Laag, U (2012): Unterstützung für pflegende Angehörige: Entlastungsprogramm bei Demenz. In: Buttner, P. (Hrsg.): Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge, Heft 3/ 2012, S. 88-92

 

  • Emme v.d.Ahe, H., Weidner, F. et al. (2012): Abschlussbericht Entlastungsprogramm bei Demenz II. Optimierung der Unterstützung für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen im Kreis Minden-Lübbecke mit besonderer Berücksichtigung pflegepräventiver Ansätze. MV-Wissenschaft, Münster

 

  • Weidner, F.: (2011): Grundlagen und Erfahrungen anwendungsorientierter Forschung in der Pflege. In: Käppeli, S. (Hrsg.): Pflegewissenschaft in der Praxis – Eine kritische Reflexion. S. 260-280

 

  • Isfort, M., Weidner, F., Laag, U. (2011): Entlastungsprogramm bei Demenz – Ede. In Pflegewissenschaft, Jg. 13, H.3, S. 133-138

 

  • Isfort, M., Weidner, F., Neuhaus, A., Brühe, R., Kraus, S., Köster, V., Gehlen, D. (2011): Zur Situation des Pflegepersonals in deutschen Krankenhäusern. Ergebnisse des Pflege-Thermometers 2009. In: Pflege& Gesellschaft, Jg. 16, H. 1, S. 5-19

 

  • Isfort, M., Weidner, F.  et al. (2010): Intensivpflege unter Druck. In: PflegeIntensiv, Jg. 7, H.3, S. 6-11

 

  • Isfort, M. Weidner, F. (2010): Pflege-Thermometer 2009: Der Pflegemangel im Krankenhaus wird chronisch. In: Die Schester Der Pflege, Jg. 49, H. 6, S. 530 – 537

 

  • Emme v.d.Ahe, H., Weidner, F. et al. (2010): Abschlussbericht Entlastungsprogramm bei Demenz. Optimierung der Unterstützung für Demenzerkrankte und ihre Angehörigen im Kreis Minden-Lübbecke mit besonderer Berücksichtigung pflegepräventiver Ansätze. MV-Wissenschaft, Münster

 

  • Isfort, M.; Weidner, F. (2009): DRG-Einführung in der pflegewissenschaftlichen Betrachtung. In: Rau, F., Roeder, N., Hensen, P. (Hrsg.): Auswirkungen der DRG-Einfürung in Deutschland. Standortbestimmung und Perspektiven. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, S. 74-88

 

  • Weidner, F.: (2009): Wider den Zeitgeist – Warum die Pflege mehr Zeit braucht. Ein Plädoyer aus pflegewissenschaftlicher Sicht. In: Dorschner, S.; Meussling-Sentpali, A. (Hg.): Alles hat seine Zeit -Kongressband zum christlichen Pflegekongress 2008

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Skip to content