Das Friedhofscafé des Freiwilligenzentrums auf dem Fürther Friedhof soll bald wieder öffnen und einen Platz zum Verweilen bieten. Foto: Hans-Joachim Winckler/NN-Archiv

Ein Café auf dem Friedhof? Bisher war so etwas nicht erlaubt, doch das Denken wandelt sich. Über Jahrhunderte war der Friedhof ein Ort, an dem man sich traf. Diese Tradition wird jetzt wiederbelebt: In Berlin gibt es schon zwei Friedhofcafés, in Regensburg und München steckt man noch in den Planungen. Seit dem vorigen Jahr besteht auch in Fürth ein solcher Ort der Begegnung. Ob es den Treffpunkt auch heuer wieder gibt, hängt in erster Linie vom Verlauf der Corona-Krise ab. Projektleiter Leander Wirth: »Wir werden mit Sicherheit öffnen, doch den genauen Termin können wir noch nicht festlegen. «

Erde auflockern, Pflanzen begießen und sich an den Verstorbenen erinnern – Grabpflege ist keine einfache Arbeit. Wären da nicht hinterher eine Tasse Kaffee und vielleicht ein Gespräch mit anderen einsamen und trauernden Menschen willkommen? So dachten ehrenamtliche Mitarbeiter des Freiwilligen-Zentrums Fürth (FZF), als sie sich mit der Idee eines Friedhofcafés befassten. Daran beteiligt waren außerdem die Fürther Seniorenbeauftragte Christiane Schmidt, der Seniorenbeirat der Stadt Fürth und Pfarrer Rudolf Koch, Referent für Altersfragen des evangelischen Dekanats. Es wurden Sponsoren und Helfer gesucht, die Kuchen backen und sich um den Ausschank kümmern. 

Ein schattiges Plätzchen im Rondell

Die Friedhofsverwaltung hatte der Idee zugestimmt, so dass nach über einjähriger Planung das Projekt eröffnet werden konnte. Genauer gesagt ist es eigentlich kein Café, sondern ein Kaffee-Stand: Es handelt sich um ein umgebautes Fahrrad mit einem Tresen, auf dem der  Kaffeeausschank, Tassen und ein kleines Kuchenangebot Platz haben. Man findet das mobile Mini-Café auf einem schattigen Plätzchen im Rondell am hinteren Ende des städtischen Friedhofs. Zwei große Bänke und Stühle dienen den Besuchern als Sitzgelegenheit. Geöffnet ist es jeweils sonntags, um keinen Beerdigungen in die Quere zu kommen. Bisher fand dies von Anfang Juli bis Ende September von 15 bis 17 Uhr statt, heuer ist der Treff von 14 bis 16 Uhr geplant.

Es sollte ein Platz geschaffen werden, an dem sich Friedhofsbesucher begegnen können. Menschen, die um jemanden trauern, ebenso wie jene, die mit leichterem Herzen herkommen und die Anlage als Park wahrnehmen. Denn der städtische Friedhof an der Erlanger Straße ist nicht nur ein Ort der Trauer und Erinnerung. Das rund 25 Hektar große Areal erweist sich auch als Naturoase mitten in der Großstadt.

Ein eingespieltes Team

Und das Ergebnis? »Toll, wie das kleine Café eingeschlagen hat. Die Leute waren von Anfang an begeistert«, erzählt die ehrenamtliche Mitarbeiterin Brigitte Hintzer. Zu jedem Treff kamen jeweils 40 bis 50 Besucher, die Helferinnen hatten jeweils genug Tassen Kaffee und ein Kuchenangebot bereitgestellt. Projektleiter Wirth berichtet: »Ohne die 15 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer würde das Angebot nicht funktionieren. Und die sind alle pünktlich zur Stelle und ein gut eingespieltes Team.«

Wie sehr die Fürther im Trend liegen, zeigen die Planungen in anderen Städten. In Unterasbach würden Ehrenamtliche der Kirchengemeinde St. Stephanus gerne auf dem Friedhof ein Café in einem leer stehenden Gebäude neben einem ehemaligen Blumenladen einrichten. Sie wünschen sich, dass die Stadt Oberasbach die Immobilie renoviert und kostenfrei zur Verfügung stellt. In Regensburg sollte bereits an Ostern 2020 ein »Begegnungscafé« auf dem Evangelischen Zentralfriedhof eröffnet werden. Das gelang jedoch nicht, weil die Genehmigung der Evangelischen Landeskirche noch nicht vorlag. Ebenfalls ein Friedhofscafé plant die Erzdiözese München und Freising auf dem Ostfriedhof der Landeshauptstadt.

Text: Horst OttoMayer
Foto: NN-Archiv / Hans-Joachim Winckler