Vom Späteinsteiger zum “Spätzünder”: Was vor zehn Jahren in der Musikschule Stein als Experiment begann, hat sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt. Mit zehn Teilneh- merinnen und Teilnehmern wurde 2009 das Bläserensemble »Spätzünder« gegründet. Heute gehören dem regelmäßig auftretenden Orchester rund 40 Mitwirkende zwischen 55 und 82 Jahren an.

Die »Steiner Spätzünder« sind ein reines Bläserensemble mit Klarinette, Querflöte, Saxophon, Posaune, Trompete, Tuba, Euphonium, Fagott, Waldhorn, unterstützt von Schlagwerk. Ensembleleiter ist Markus Harm, ein ausgebildeter Jazz-Saxofonist. Er löste Klaus-Dieter Griebsch ab, der das Orchester 2009 gemeinsam mit Geschäftsführer Michael Andrasch ins Leben gerufen hatte. Griebsch hörte eine Radiosendung über ältere Menschen, die nicht wussten, womit sie sich beschäftigen sollten. »Das brachte mich auf die Idee, Späteinsteigern die Chance zu geben, ein Instrument zu erlernen«, erzählt der 66-jährige Instrumentallehrer.
Die Musikschule in Stein wurde bereits vor 28 Jahren gegründet.
Rund 1200 Schülerinnen und Schüler – vom Vorschulkind bis zum Senior – lernen und musizieren hier in über 20 verschiedenen Ensembles. Mittlerweile hat sich sogar eine eigene Klarinettengruppe mit acht Solisten gebildet.

Die Senioren von den »Spätzündern« üben jeweils dienstags von 10 bis 11.30 im Probenkeller der Schule. Jede Probe beginnt mit gemeinsamen Übungen zum Einblasen und zur Entwicklung des Rhythmusgefühls. Die Mitglieder haben sich ihre Instrumente selbst gekauft oder übernehmen sie wie in einigen Fällen von ihren Kindern, die bereits Jahre damit gespielt haben. Unterricht gibt es in Einzel- oder Kleingruppen. Die Kursgebühren sind leicht unterschiedlich: »Späteinsteiger« aus der Stadt Stein zahlen monatlich 54 Euro, »externe« Interessenten aus Nürnberg und Umgebung 60 Euro.

Immer mehr Senioren verspüren die Lust, ein Instrument zu erlernen – auch ohne musikalische Vorkenntnisse. Auch Regina König hatte den Wunsch, sich musikalisch zu betätigen, als sie in Altersteilzeit ging. Seit fünf Jahren spielt sie nun Altsaxophon bei den »Spätzündern«. Gerda Rametsch lernte Altsaxophon, Anton Dötzer (82) bläst Posaune. Er und Donald Norris (78) sind die ältesten Aktiven des Ensembles. Griebsch empfahl Norris ein Euphonium, doch der reagierte zunächst enttäuscht, weil ihm das Instrument fremd war. Aber im Lauf der Jahre ist Norris die Kleintuba ans Herz gewachsen, ebenso wie seiner Frau Sigrun die Querflöte.

Sie und die anderen Ensemblemitglieder können bestätigen, was Fachleute längst wissen: »Lernen ist ein Leben lang möglich, auch das Spielen eines Instruments«, sagt Professor Hans Hermann Wickel, Musikpädagoge und -wissenschaftler an der Fachhochschule Münster. Außerdem erhalte und fördere das Musizieren die Denk- und Konzentrationsfähigkeit und sei gut für die Koordination und Motorik des Körpers. Wer ein Blasinstrument spiele, könne durch die spezielle Atemtechnik zudem etwas für seine Gesundheit tun, vor allem für die Atemwege. Der Gesundheitsaspekt ist das eine, das andere, Wesentlichere, ist die Lust am gemeinsamen Musizieren.

HORST MAYER / FOTOS: KAT PFEIFFER

INFORMATION Wer die »Spätzünder« hören möchte, hat am Sonntag, 30. Juni, Gelegenheit dazu. Das Ensemble tritt zwischen 14 und 18 Uhr im Steiner Stadtpark unter dem Motto »Der Stadtpark klingt« auf. Musikschule Stein, Gasweg 1, 90547 Stein, Telefon 0911/68 95 40 info@stein-musik.de
Markus Harm, Jazz-Saxophonist, leitet die
www.stein-musik.de
Senioren-Musikgruppe.
Die Steiner »Spätzünder« haben ordentlich Puste und tun so auch etwas für ihre Gesundheit.