vignette_nosseck_bockEs ist ein Luxusproblem. Gewiss. Aber in den ersten Wochen des Jahres häufen sich die gesellschaftlichen Zusammenkünfte. Dazu gehört neben den Ansprachen und dem Small Talk die festliche Verpflegung wie die Soße zum Braten. Aber Braten oder ähnlich Traditionelles gibt es dort nur selten. Deswegen wünsche ich mit einen Retrotrend wie in der Mode. Während bei der Kleidung die 70er Jahre fröhliche Farben und Formen wieder aufleben lassen, bleiben die Caterer bei dem, was sie für modern halten. Beispielsweise ein “flying buffet”. Was das auszeichnen soll, ist mir ehrlich ein Rätsel. Ich bin zu gut erzogen, um mir bei den vorbei ziehenden Kellner ein Schälchen mit Leckereien vom Tablett zu angeln. Die Miniportionen schmecken meist gut, sind aber nur dann ein Genuss, wenn man sie relativ elegant verspeisen kann.
Haben Sie das mal mit so einem Wrap versucht? Dieses gefüllte Stück Fladen ist kaum zu bändigen, wenn man es im Stehen verzehrt.
Warum verteilt man kleine Gläschen mit einer handvoll Nudeln oder Reis plus einem Würfel Lachs oder einer Scheibe Fleisch und nicht wenigstens eine Portion, die drei Häppchen entspricht?
Ich habe nie verstanden, worin der Reiz an dieser Geschirr intensiven Form von Verköstigung liegt und denke sehnsuchtsvoll an die Zeit zurück, als man sich am Buffet anstellte. Oder wo sind die belegten Brötchen geblieben? Hat die wirklich keiner mehr sehen können? Ich würde sie öfter gerne gegen fünf Minischälchen mit drei Scheiben Wurstsalat, einem Esslöffel Nudelsalat oder Satespießchen auf einem Klecks exotischen Brei eintauschen.
In meiner Kindheit gab es Kaviarbrot. Eine Variante des Baguette, die ihren Namen von dem kostbaren Fischrogen hatte. Das ist echter Luxus.
So etwas gibt es heute nicht mehr. Und deswegen gehe ich künftig mit gut gefülltem Magen zu Empfängen und habe dann mehr Zeit zum Netzwerken während andere den Häppchen hinterher jagen.