Wenn die Arbeit zur Last wird, kommt das Bedürfnis auf, früher in den Ruhestand zu gehen, als gesetzlich möglich. Foto: epd

Wenn die Arbeit zur Last wird, kommt das Bedürfnis auf, früher in den Ruhestand zu gehen, als gesetzlich möglich. Foto: epd

Stephan Kühntopf vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden und Thusnelda Tivig vom Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels haben  in der Fachzeitschrift European Journal of Epidemiology den Artikel “Späte Rente, länger Leben” veröffentlicht. Wir fassen hier wesentliche Ergebnisse eines Aufsatzes von Thusnelda Tivig in  “Demografische Forschung Aus Erster Hand” 3/2014 zusammen:
– Die Wissenschaftler haben Daten der deutschen Rentnern aus den Jahren 2003 bis 2005 analysiert.
– 21,1% der Männer und 38,1 Prozent der Frauen hörten bereits mit 60 Jahren auf zu arbeiten.
– 25% der Männer und 31,2% der weiblichen Rentner arbeiteten bis zum geseztlich vorgesehenen Renteneintrittsalter von 65.
– Das mittlere Renteneintrittsalter aller  lag bei 61,6Jahren.
Rechnerisch müsste es so sein, dass bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung der oder die Rentner/in , die, aus welchen Gründen früher aus dem Arbeitsleben austritt die Rentenkassen stärker belasten, als diejenigen, die später in Rente gehen. Die Forscher fragten sich nun, ob diejenigen, die oft aus gesundheitlichen Gründen früher aus dem Job ausstiegen, auch wirklich länger leben als diejenigen, diejenigen, die erst später ausstiegen.
Die Ergebnisse der Studie zeigen:
– Die Lebenserwartung deutscher Männer hängt stark vom Renteneintrittsalter ab
– bei Frauen ist dies weniger stark ausgeprägt -vor allem dann, wenn sie erst nach 60 in Rente gehen.
Erstaunlich auch ihr Rechenbeispiel “Ein deutscher Mann, der mit 55 Jahren erstmals eine Erwerbsminderungsrente bezogen hatte, konnte Zeitpunkt der Analyse im Alter von 65 Jahren im Schnitt noch mit einer weiteren Lebenszeit von 13 Jahren rechnen. Männer, die bis zum Alter von 65 Jahren gearbeitet hatten, durften dann hingegen noch auf weitere 17,3 Jahre hoffen.” Zwar sind diese Zahlen auch von der Länge und der Schwierigkeiten einer Erkrankung vor dem Renteneintritt abhängig, sie zeigen aber auch, dass der Gedanke, dass ein früher Renteneintritt die Kassen stärker belastet als ein später zumindest in Frage gesetellt werden kann.
Ihr Fazit: “… die erhöhte Sterblichkeit der Frührentner und die daraus resultierende kürzere Rentenbezugszeit (hätten) zur Folge, dass die Lasten für das deutsche Rentensystem insgesamt geringer sein könnten als allgemeinhin angenommen. Für die aktuellen und zukünftigen Neurentner seien die Ergebnisse aufgrund der vielen rentenrechtlichen Veränderungen, insbesondere beim Thema Frühverrentung allerdings nur bedingt aussagekräftig (…). Weitere Studien zu dem Thema können daher mit Spannung erwartet werden.”