Dieser Weg ist eine echte Alternative zum sehr viel bekannteren »Fünf-Seidla-Steig« zwischen Weißenohe und Thuisbrunn. Zwar gibt es in den Gasthöfen nicht so viel Selbstgebrautes, aber ebenfalls Biere aus der Region. Und die Route hat einen unbestreitbaren Vorzug: Sie führt entlang der neuen Wiesenttal-Bahn, die zwischen Forchheim und Ebermannstadt bis spät in die Nacht im Stundentakt verkehrt. Man kann also jederzeit aussteigen, ein Stück wandern, wieder einsteigen.
Die vom Unternehmen »Agilis« betriebene Bahn, sagt Helene Faller, Wirtin der »Mühlhof«-Gastronomie im Forchheimer Ortsteil Reuth, habe dem Tourismus neuen Schwung gebracht. Besonders Familien profitierten davon. Und »man kann Oma und Opa mit dem Zug vorausschicken, sich selbst zu Fuß auf den Weg machen und am Ziel alle wieder treffen«. Kleiner Wermutstropfen: Die Route führt zwar zumeist über beschilderte Wege, ist aber – im Gegensatz zum »Fünf-Seidla-Steig« -nicht ausdrücklich als »Panoramaweg« gekennzeichnet.
Weil Wanderer dank der Bahnverbindung flexibel sind, gibt es viele Alternativen. Welche Route man auch immer nimmt: Erstes gemeinsames Ziel ist Kirchehrenbach, der lebendige Hauptort am Fuß des Walberlas.
Das Walberla vor Augen
Wer mit dem Auto anreist, sollte Forchheim-Reuth ansteuern und dort am Ortseingang gleich hinter dem »Mühlhof« beim Feuerwehrhaus parken. Im »Mühlhof« gibt es Flugblätter mit Skizzen und Beschreibungen des Panoramawegs. Erstes Zwischenziel ist Gosberg, die erste Etappe führt nach Schlaifhausen und ist 6,5 Kilometer lang.
Vom Parkplatz aus geht es zunächst auf dem Radweg Richtung Forchheim, dann an einem Knick links auf einem Feldweg weiter und auf einem schmalen Pfad über das Reuther Wehr zum Bahnhof Gosberg. Wer mit der Bahn anreist, sollte von Forchheim aus bis Gosberg fahren. Hier gilt: Der Zug hält nur auf Anforderung! Vom Bahnhof aus gibt es keine Beschilderung. Man geht also in den Ort, vorbei an der Kirche und an der Kreuzung in Richtung Dobenreuth. Nach etwa 50 Metern biegt links die Schmiedsgasse ab, die in einen befestigten Weg mündet. Am Ortsende steht ein Schild: »Schlaifhausen 2 km«. Das ist das nächste Ziel. Bevor man es erreicht, hat man das eindrucksvolle Walberla im Blick. In Schlaifhausen geht es über die Hauptstraße rechts in die Obere Ortsstraße, und nach 100 Metern liegt links das Gasthaus »Kroder«. Hier gibt es preiswerte Brotzeiten, fränkische Küche – und wohl einmalig weit und breit – auch Kutteln, die sonst eher auf der Speisekarte von ausländischen oder Feinschmecker-Lokalen zu finden sind (Montag ist Ruhetag).
Durch den Hof des Gasthauses geht es links auf die Ortsstraße, die sich kurze Zeit später gabelt. Der Weg rechts führt in einem bisweilen sehr steilen Anstieg hinauf aufs Walberla. Dort hat man einen unvergleichlichen Blick in das Regnitz- und das Wiesenttal. Von der Walpurgiskapelle aus kommt man über einen Fußweg wieder hinab Richtung Kirchehrenbach.
Wer an der Gabelung hinter Schlaifhausen auf dem unteren Weg bleibt, kommt am Fuß des Walberlas nach Kirchehrenbach. Beide Routen treffen an einem Parkplatz mit Info-Pavillon in der Nähe des traditionellen Ausflugslokals »Zum Walberla« zusammen (große Aussichtsterrasse, Donnerstag. Ruhetag).
Der Panoramaweg führt weiter in die Ortsmitte, zur mächtigen Pfarrkirche St. Bartholomäus, deren Ursprünge aus dem 13. Jahrhundert stammen. Zur Kirchehrenbacher Mitte führt vom »Mühlhof« in Reuth auch ein anderer Weg ohne jede Steigung, der also auch für gehbehinderte Menschen geeignet ist: Vom Parkplatz beim Feuerwehrhaus muss man nur in Richtung Osten die Straße überqueren. Nach etwa einem Kilometer liegt links das Kraftwerk Schwedengraben, das erneuerbare Energien liefert: Durch Wasser aus der Wiesent und durch große Solarmodule, die sich nach der Sonne ausrichten.
Gleich daneben gibt es eine sehenswerte Fischtreppe. Der Weg endet am Bahnhof in Kirchehrenbach. Von hier ist man schnell in der Ortsmitte, bei der Kirche St. Bartholomäus. Gegenüber findet sich das Gasthaus »Zur Sonne« mit einem gemütlichen Gastraum und einem schattigen Biergarten (Montag und Dienstag Ruhetag). Ein Stück weiter, auf der Straße Richtung Ebermannstadt, steht das dritte Traditionslokal: das fränkisch kulinarisch und kulturell ambitionierte Gasthaus »Sponsel« (Dienstag Ruhetag).
Egal, ob und wo man rastet, der Wanderweg geht weiter, zunächst auf der Straße Richtung Ebermannstadt. Ausgeschildert nur als Radweg, ist dies der unangenehmste Teil der Strecke, denn er verläuft entlang der engen und viel befahrenen Straße bis zum Ortsende. Dort, an der kleinen blauen Kapelle, zweigt er nach links ab und führt dann parallel zur Bahnstrecke nach Pretzfeld.
Rund drei Kilometer sind es bis dorthin. Der Weg verläuft abseits der Straße durch das idyllische Wiesenttal, links hat man die Vexierkapelle von Reifenberg im Blick. Am Ende wartet ein Pretzfeld, das vor allem durch die zentrale Obstverwertung für 175 Ortschaften berühmt geworden ist. Die Säfte sind weithin bekannt, die Obstbrände bereits Legende. Ein bisschen nüchterner kann man es mit einem Besuch des Schlosses angehen oder der Pfarrkirche St. Kilian oder des Judenfriedhofs, der etwa einen Kilometer außerhalb des Ortes Richtung Ebermannstadt liegt.
Nicht zu vergessen natürlich die Gastronomie. Der Newcomer »Nickl-Bräu« (ebenfalls Mitinitiator des »Panoramawegs«) hat sich mit seinem ungefilterten Lager- und Kellerbier schnell einen Namen gemacht (Dienstag und Mittwoch Ruhetag). Gleich gegenüber des Bahnhofs findet man den Gasthof »Herbst« (»beim Hardl«), der montags Ruhetag hat.
Nun kommt die letzte und drei Kilometer lange Etappe: In Pretzfeld geht es von der – ebenfalls sehr stark befahrenen Hauptstraße – zur Kirche, durch deren Innenhof und durch das linke Tor zur Mauer des Schlosses. Dort verläuft rechter Hand ein Fußweg, der die Bahnlinie überquert. Ebermannstadt ist so nicht mehr zu verfehlen. Für den Ortskern sollte man sich etwas Zeit lassen, um das historische Scheunenviertel oder die Marienkapelle zu besichtigen. Von Ebermannstadt aus fährt von Mai bis Oktober die Museumsbahn nach Behringersmühle.
Auch gastronomisch hat die Stadt viel zu bieten: Bei schönem Wetter lockt der Wiesent-Garten am Kirchenwehr. Ansonsten lassen die Gasthöfe am und rund um den verkehrsberuhigten Marktplatz keine Wünsche unerfüllt.
Dann geht es zurück. Empfehlenswert vor allem für Autofahrer, die am »Mühlhof« gestartet waren, ist es, mit dem Zug bis nach Kirchehrenbach zu fahren. Auf der anderen Seite der Bahngleise beginnt der Fußweg nach Reuth. Er führt durch das Tal, vorbei an der Fischtreppe zurück zum »Mühlhof«.
Wer mit dem Zug gekommen ist, fährt am besten von Ebermannstadt direkt zurück nach Forchheim. Oder er wandert noch ein Stück. Nach Kirchehrenbach sind es ja nur knapp sechs Kilometer, immer das Walberla im Blick.
Sharon Chaffin und Herbert Fuehr
Fotos: Mile Cindric
Anfahrt mit dem Auto: Von Nürnberg auf der A 73 bis Forchheim Süd. An der ersten Ampelkreuzung nach rechts Richtung Gosberg/Ebermannstadt. Etwa drei Kilometer hinter Gosberg der abknickenden Vorfahrt nach links Richtung Forchheim folgen. Der nächste Ort ist Reuth. Gleich am Ortseingang geht es links zum »Mühlhof« und zum Parkplatz beim Feuerwehrhaus.
Anfahrt mit dem Zug: Regionalexpress oder S-Bahn nach Forchheim. Dort kann man in den Agilis-Zug einsteigen, der stündlich verkehrt. Achtung: Er hält an kleinen Stationen wie Gosberg nur auf Anfrage.
Agilis hat zwar mit seinen komfortablen Zügen den Betrieb zwischen Forchheim und Ebermannstadt übernommen, über Fahrpläne und Tarife informiert aber der Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN). Man kann auf der Strecke Streifenkarten des VGN benutzen, aber auch im Zug an Automaten Tickets von Agilis kaufen; sie sind günstiger. Das Agilis-Tagesticket kostet für zwei Erwachsene und drei Kinder 10,60 Euro; am Wochenende kann man damit sogar samstags und sonntags fahren. Noch eine gute Nachricht für Spätheimkehrer: Der letzte Zug fährt in Ebermannstadt um 0.10 Uhr ab.
Für alle Fälle hat Agilis eine Hotline: 0800/5892840.