Über den Wipfeln muss die Freiheit grenzenlos sein. Foto: Fürböther

Über den Wipfeln muss die Freiheit grenzenlos sein. Foto: Fürböther

Was muss man sich darunter vorstellen? Ein 2,50 Meter breiter Weg aus heimischem Lärchenholz ruht auf Betonstelzen und hat keine Stufen – er steigt sanft an. Am höchsten Punkt der 370 Meter langen Strecke steht man fast 30 Meter über dem Erdboden – und auf einer Aussichtsplattform. Der Blick reicht weit ins Land hinaus, über die Höhen des Bayerischen Waldes, das Donautal und die Ebenen des Gäubodens hinweg. Und wer sich sattgesehen hat, kann nach den nächsten Aha-Effekten haschen: auf dem nahen »NaturErlebnisPfad« über zwei Kilometer Länge mit diversen Mitmachstationen und dem »Pfad der optischen Phänomene« voller Überraschungen. Und seit diesem Jahr findet man dort auch eine Hängebrücke. Am Boden muss jedenfalls kein Mensch bleiben, egal ob groß oder klein. Selbst Großeltern mit Enkeln im Kinderwagen ist das luftige Vergnügen auf dem Waldwipfelweg vergönnt, genau wie Rollstuhlfahrern.
Überraschungen der besonderen Art gibt es in dieser Gegend zur Adventszeit. Dann ist Waldweihnacht oder auch Christkindlesmarkt in reizvoller Naturkulisse. Ohne Trubel, ohne Hektik. Vielleicht, weil dieser Waldwipfelweg nicht der größte seiner Art ist? Denn den weltweiten Spitzenreiter in Sachen Höhenwege besitzt das, ebenfalls im Bayerischen Wald gelegene, Neuschönau.
Der Maibrunner Baumkronenweg verströmt an den vier Adventswochenenden von Freitag bis Sonntag Budenzauber. In den liebevoll mit Tannengrün geschmückten Holzhäuschen werden von Schafwolle, -seifen und -fellen über Kräuterschnäpse und Spezialitäten vom Bauernhof wie handgeformte Butter, Schwarzgeräuchertes oder hausgemachte Marmeladen bis hin zu Kunstgewerblichem viele hübsche Dinge angeboten. »G`schnitze Sachen« zum Beispiel, wie sie Karl Kramhöller aus Prackenbach feilbietet. Doch Kommerz ist bekanntlich nicht alles, und tatsächlich bietet der WinterWunderWald weit mehr: Am offenem Feuer, in einem Tipi, werden Märchen erzählt. Direkt unterm Waldwipfelweg wird gezaubert. Manchmal kommt der Nikolaus vorbei und, unmittelbar vor Weihnachten, das Christkind höchstpersönlich. Es gibt spektakuläre Feuershows, Bogenschießen, aber auch stimmungsvolle weihnachtliche Blasmusik. Außerdem zu essen und zu trinken. Flammkucha, Glühwein …
Für Kinder sind die Tiere eine besondere Attraktion: Waliser Lamas, Schwarznasenschafe und Kängurus sind am Waldwipfelweg heimisch geworden. Anders die beiden Esel. Die gehören auf den Hof von Christina Ertl-Meißner in Furth im Wald. Für etwas Kleingeld kann man auf deren Rücken durch den wunderbaren Wald trotten. Die beste Zeit für einen Besuch ist der späte Nachmittag. Selbst auf die Gefahr hin, dass man an der Kasse anstehen muss. Aber es lohnt sich. Mit Beginn der Dämmerung wird es besonders romantisch. Der Waldwipfelweg verwandelt sich dann in ein Lichtermeer.
Aus der Höhe betrachtet erliegt man der Illusion, auf ein von wenigen Feuerstellen erhelltes Zwergenland zu schauen. Wer unten im Wald ist, an den Buden vielleicht oder einer der vielen Mitmachstationen, muss sich beim Vorwärtskommen an Lichterketten orientieren. Sie säumen die Pfade. Jenseits ist es stockdunkel – wie in einem ganz normalen Wald. Genau das aber macht das Ganze so einmalig und so traumhaft schön. Wenn dazu noch Schnee liegt, ist das Märchen perfekt.
Text und Fotos: Ute Fürböter
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Anfahrt (von Nürnberg ca. 170 Kilometer)
A 3 Richtung Regensburg bis Ausfahrt
107-Bogen, Richtung Viechtach/Sankt Englmar/Hunderdorf fahren. Vor dem Bergdorf der Beschilderung folgen. Am Waldwipfelweg stehen genügend kostenlose Parkplätze zur Verfügung.
 
Romantischer Weihnachtsmarkt: an den vier Adventswochenenden (Freitag bis Sonntag). Geöffnet freitags 15 bis 20 Uhr, Samstag/Sonntag 12 bis 20 Uhr. Eintrittspreis: 7,50 Euro für Erwachsene, Rentner ab 65 Jahre 7 Euro, Kinder von 7-17 Jahre 5 Euro (bis 6 Jahre mit Begleitung frei). Hunde erlaubt.
Einkehrmöglichkeit im Woid-Wipfe-Häusl gleich hinterm Eingang.
Weitere Infos: www.waldwipfelweg.de
Telefon: 099 65 / 800 87
 
Tipp: Wer den Weihnachtsmarkt verpasst hat, kann vom 27. bis 30. Dezember am Waldwipfelweg den »Wintermarkt im Wald« besuchen. Täglich geöffnet von 12–18 Uhr.