moeschloss_01Wer von Iphofen aus den fünf Kilometer langen Museumsweg nach Mönchsondheim geht, sieht das Dorf erst kurz vor der Ankunft. Es duckt sich hinter Weinbergen, auf denen die Lage »Domherr« angebaut wird, in der Ebene der landwirtschaftlich intensiv genutzten Hellmitzheimer Bucht. Als erstes wird der Wanderer die charakteristisch aufragende Spitze der Kirchenburg sehen. Danach viele kleine Gebäude, die sich dicht gedrängt um diese scharen. Im Ort selbst scheint die Zeit irgendwann stehen geblieben zu sein. Das hat seinen guten Grund, erklärt Evelyn Hatzung, Museumspädagogin und Öffentlichkeitsarbeiterin der Kirchenburg: »1975, im internationalen Jahr des Denkmalschutzes, gründeten zwei Bürger aus Mönchsondheim und einer aus Mainstockheim einen Verein, um aus den teilweise verwaisten Gebäuden ein Museum zu machen.« Seither wurden nach und nach die Gebäude mit finanzieller Hilfe der Stadt Iphofen, des Landkreises Kitzingen sowie vieler privater Mäzene renoviert. 1981 wurden die ersten Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute gehören dem Verein »Fränkisches Bauern- und Handwerkmuseum Kirchenburg Mönchsondheim e.V.« 30 Gebäude.
Am meisten beeindruckt die Kirchenburg, die man vom Dorfplatz aus durch ein Torhaus betritt, in dessen oberstem Stockwerk früher der Dorfschulmeister wohnte. Vor 500 Jahren war sie Zufluchtsstätte der Bürger vor kriegerischen Angriffen. Bereits im Jahr 1224 wurde eine »capella in suntheim« erwähnt, dies bedeutete eine Kapelle südlich des Königshofes von Iphofen. Wenig später erwarb dieses Areal das Kloster Ebrach. Damals umfasste es 30 Bauernhöfe, ebenso viele Morgen Ackerland und einen halben Morgen Weinberge (ein Morgen entspricht einem Viertelhektar oder der Fläche, die man an einem Vormittag mit einem Ochsen
Ungemütlich wurde es für die Bewohner von Mönchsondheim, als die Markgrafen von Ansbach um 1450 ihre Schutz- und Schirmherren wurden. Denn die Ansbacher Markgrafen fochten mit dem Kloster Ebrach um die Landeshoheit über den Ort. Zudem schlossen sich die Bewohner des Ortes im zweiten Drittel des 16. Jahrhunderts den Lehren Martin Luthers an. Das erschwerte das Verhältnis zum nahe gelegenen fürstbischöflichen (katholischen) Iphofen. Um die in vorderster Front lebenden Mönchsondheimer und ihr Hab und Gut besser schützen zu können, musste eine Schutzburg gebaut werden. Spätestens um 1514 waren »Gaden« (Räume)
in der Kirchenburg errichtet worden, in denen die Einwohner ihre besten Waren sichern konnten. Doch schon Mitte des 16. Jahrhunderts verlor die Kirchenburg aufgrund der Entwicklung von Feuerwaffen und Massenheeren ihre militärische Bedeutung, sodass die Mönchsondheimer in den Gaden nur noch Vorräte lagerten: im Keller Wein und in den Obergeschossen mit ihren trockenen und luftigen Lagerbedingungen meistens Getreide.
Die Gaden erreicht man heute über steile, enge Treppen. In den Räumen sind kleine Ausstellungen zu 17 alten Handwerken (unter anderem Schreiner, Seiler, Hafner, Weber, Metzger oder Wagner) der Umgebung mit vielen der Arbeitsgeräte aus vergangenen Zeiten zu sehen. Höhepunkt ist eine intakte Schmiede, die ab und an auch zu Vorführungen benutzt wird. Einziger Wermutstropen: Schmiede und auch alle anderen Handwerker arbeiteten nie in den Gaden. Die Museumspädagogin nimmt diese historische
Ungenauigkeit aber in Kauf, weil diese Art der Präsentation bei den Besuchern gut ankommt und sie so zeigen kann, wie früher gearbeitet wurde.
»Geschichte zum Anfassen« findet man auch im Gasthaus zum »Schwarzen Adler« gegenüber der Kirchenburg. Der Gebäudekomplex besteht aus einem Rinderstall, einem Hofhaus, einer Scheune sowie einem Wohn- und Wirtshaus. Das 1790 erbaute Gasthaus ist im Stil der 1920er und 30er Jahre eingerichtet, genau wie die Zimmer der Wirtsleute und der Bediensteten. Im ersten Stock kann man einen Tanzsaal und einen Frisörsalon besichtigen. Bei Veranstaltungen des Museums-Vereins werden dort heute noch die Haare geschnitten. Nicht entgehen lassen sollte man sich auch die Kegelbahn im Hof, die damals nur von den Männern im Dorf benutzt wurde.
Für Besichtigungen offen ist auch das im Stil des frühen 20. Jahrhunderts möblierte Rathaus, ursprünglich 1557 erbaut. Im Erdgeschoss befindet sich eine Bäckerei aus dem Jahr 1927 samt Privaträumen des Bäckers. Dieser bediente neben seiner Arbeit damals die einzige Poststelle von Mönchsondheim. Unweit befindet sich das 1927 erbaute Schulgebäude der Gemeinde. Dort kann man auf den engen und harten Holzbänken Platz nehmen und das Gefühl einer einklassigen Dorfschule »genießen«. Schiefertafel, Karten und Bänke stammen aus dem Jahr 1965. Wer will, kann sich auch bei einer Veranstaltung des Vereins »unterrichten« lassen und überprüfen, ob er die alten deutschen Schriftzeichen noch lesen kann.
Vom früheren Leben auf dem Land bekommt man beim Besuch des Kleinbauernhofes Hahn am Ende einer Stichstraße ein Bild.  Das um 1700 erbaute Wohnstallhaus umschließt mit dem angebauten Schweinestall einen kleinen Hof. Dort befindet sich auch die einzige Wasserstelle des Hauses, eine gusseiserne Pumpe. Im Haus ist die Einrichtung aus den 1960er Jahren erhalten geblieben. Mittels einer Hörstation erfährt man Interessantes aus dem Leben der letzten Bewohner des Hauses. In der Küche wurde der Geschichte des Hauses noch tiefer auf den Grund gegangen – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Bei Grabungen unterhalb des Fußbodens fand man eine ehemalige Kellertreppe des Vorgängerhauses, verschiedene Bodenbeläge und ein Herdfundament. Die Grabungssituation wurde so belassen, um die Besonderheit des Kirchenburgmuseums Mönchsondheim zu demonstrieren: ein Museum »in situ«. Das heißt, dass in diesem fränkischen Museum nicht nur Baudenkmäler an ihrem ursprünglichen Standort gezeigt werden, sondern auch die im Boden erhaltenen Spuren und Überreste von früheren Bebauungen. Und die können im Einzelfall bis in die Jungsteinzeit zurückreichen. Für diese Grabungen werden zurzeit eigene Räume im »Projekt Dorfarchäologie« eingerichtet. Ein herausragender Fund, der später auch gezeigt werden wird, ist das Skelett eines Hausschweins.
Über das Kirchenburgmuseum Mönchsondheim gäbe es noch vieles zu berichten, zum Beispiel die Trachtenausstellung im ehemaligen Mesnerhaus oder die Ausstellung über die Rolle der Linden im Leben der damaligen Dorfbewohner. Eines sollte man sich jedoch auf keinen Fall entgehen lassen: einen Besuch im Krämerladen der Familie Fassold gegenüber dem Kirchburgeingang. Lisbeth Fassold führt den Laden in der vierten Generation und hat die Einrichtung des um 1690 errichteten Hauses von ihren Großeltern übernommen. Dazu gehören auch alte »Rama-Schachteln« oder das Gesangbuch des heute nicht mehr existierenden Gesangsvereins. »Besichtigen« darf man den Laden nicht, aber er ist täglich geöffnet und bietet dem durstigen Besucher gerne etwas zur Erfrischung.
Rainer Büschel
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Information
Mönchsondheim
ist erreichbar mit der R1, Ausstieg Bahnhof Iphofen; dann Museumsweg etwa 4,5 Kilometer über die Weinberge mit schöner Aussicht auf der Anhöhe auf Iphofen und Kitzingen bis zur Rhön.
Fränkisches Bauern- und Handwerkermuseum
Kirchstr. 5, Iphofen-Mönchsondheim Tel. (0 93 26) 12 24
www.kirchenburgmuseum.de