
Ab sofort steht Millionen von Menschen in Deutschland ein neues medizinisches Vorsorgeangebot zur Verfügung: das Lungenkrebsscreening. „Ziel dieses Präventionsprogramms ist es, bösartige Tumoren der Lunge bereits in einem frühen Stadium zu entdecken, in dem sie oftmals noch gut behandelbar sind. Da Lungenkrebs im Anfangsstadium meist keine Beschwerden verursacht, spielt die Früherkennung mittels moderner Bildgebung eine entscheidende Rolle“, erklärt Prof. Dr. Tobias Saam, Facharzt für Radiologie und Vorsitzender der Radiologie Initiative Bayern in einer Pressemitteilung des Verbandes.
Frühere Diagnose entscheidet
Lungenkrebs gehört in Deutschland zu den häufigsten und gefährlichsten Krebserkrankungen: Jährlich erkranken etwa 57.000 Menschen, 45.000 sterben – die Überlebenschancen stehen im Vergleich zu anderen Krebsarten schlecht. Das größte Problem liegt darin, dass die Krankheit oft erst bemerkt wird, wenn sie bereits weit fortgeschritten ist. An dieser Stelle soll das Lungenkrebs-Früherkennungsprogramm nun Abhilfe schaffen. „Ähnlich wie beim bereits bestehenden Mammografie-Screening zur Früherkennung von Brustkrebs werden regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen für eine ausgewählte Patientengruppe angeboten,“ berichtet Prof. Saam.
Starke Raucher im Fokus
Schätzungsweise 5,5 Millionen Menschen haben in Deutschland Anspruch auf das neue Präventionsangebot. Es richtet sich gezielt an Personen, die ein erhöhtes Risiko für Lungenkrebs aufweisen. „Anspruch auf die Untersuchung haben gesetzlich Versicherte im Alter zwischen 50 und 75 Jahren, die seit mindestens 25 Jahren ohne lange Unterbrechung geraucht haben“, erklärt der Radiologe. Dabei wird der Zigarettenkonsum in sogenannten „Packungsjahren“ gemessen. Für eine Teilnahme am Screening müssen die Versicherten mindestens 15 Packungsjahre erreichen – dieser Wert ergibt sich aus der Zahl der täglich gerauchten Packungen multipliziert mit der Zahl der Raucherjahre.
Schonende Untersuchung bringt Klarheit
Wer wissen möchte, ob er für das Lungenkrebsscreening infrage kommt, sollte zuerst seinen Hausarzt aufsuchen. Sind alle Kriterien erfüllt, überweist dieser die Versicherten an eine radiologische Praxis. Diese muss besondere Qualitätsanforderungen erfüllen und über eine entsprechende Genehmigung verfügen, um eine hohe Sicherheit und Befundqualität zu gewährleisten. Das Herzstück des Screenings ist die Niedrigdosis-Computertomografie (LDCT). „Mit dieser modernen Methode können selbst kleinste Veränderungen im Lungengewebe sichtbar gemacht werden. Die Untersuchung ist schmerzfrei, dauert nur wenige Minuten und kommt mit einer deutlich geringeren Strahlendosis aus als eine herkömmliche Computertomografie“, erklärt Prof. Saam. Eine Kontrastmittelgabe ist für diese Untersuchung nicht notwendig.
Sollte ein Befund unauffällig sein, wird die nächste Untersuchung nach einem Jahr durchgeführt, denn das Screening ist als regelmäßiger Check-up gedacht. Werden hingegen auffällige Stellen entdeckt, bedeutet dies nicht zwangsläufig eine Krebserkrankung. „Oft sind ergänzende Untersuchungen notwendig, um Klarheit zu schaffen. Das oberste Ziel bleibt dabei immer, durch rechtzeitiges Handeln Leben zu retten und die Lebensqualität der Betroffenen langfristig zu sichern“, sagt Prof. Saam abschließend.
Weitere Informationen finden Sie unter www.radiologie-initiative-bayern.de. Die Radiologie Initiative Bayern ist ein Zusammenschluss von inhabergeführten radiologischen Praxen in ganz Bayern. Ihr gehören mehr als 340 Ärztinnen und Ärzte an 115 Standorten an. Insgesamt gewährleisten sie jährlich die Versorgung von über 1,3 Millionen Patienten und Patientinnen.



