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Weg mit den Stolperfallen

Christel Krumwiede (Mitte), Leiterin des Pflegestützpunkts Nürnberg, im Gespräch mit den beiden Wohnberatern Ursula Barfuß und Johann Schauer.

Wann sich älter werdende Menschen um eine seniorengerechte Anpassung ihres Wohnumfelds kümmern sollten, ist für Ursula Barfuß und Johann Schauer keine Frage: Nicht erst, wenn man dem Aufwand nicht mehr gewachsen ist. 

Kostenfrei, neutral und individuell beraten die beiden darüber, wie man im Alter möglichst lange selbstständig zuhause wohnen bleiben kann – auch wenn sich der Gesundheitszustand verschlechtert. Gemeinsam mit drei weiteren Ehrenamtlichen bilden sie das Team Wohnberatung im Pflegestützpunkt der Stadt Nürnberg und sind Teil des »Kompetenznetzwerks Wohnungsanpassungsberatung«, kurz KOWAB. 

Barfuß und Schauer sind seit der Gründung der KOWAB vor zehn Jahren dabei. Als Architektin befasste sich Ursula Barfuß während ihres Berufslebens schon immer mit dem Thema Barrierefreiheit, und der ehemalige Sales Manager Johann Schauer war im Bereich Haustechnik tätig – so fühlten sie sich angesprochen, als das Zentrum Aktiver Bürger (ZAB) 2015 zur Gründung einer ehrenamtlichen Wohnraumberatung aufrief. »Uns geht es gut, die Familie ist versorgt, und wir können etwas zurückgeben«, erklärt Ursula Barfuß ihre Motivation.

Meist fragen Familienangehörige an

Beide erfahren sich immer wieder als Mittler im Spannungsfeld zwischen fürsorglichen Angehörigen und deren Eltern oder Großeltern, die eine solche Fürsorge gar nicht haben wollen: »Das brauche ich nicht« und »Das lohnt sich nicht mehr für mich«, heißt es dann. Etwa zu 70 Prozent sind es Familienangehörige, die eine Wohnraumberatung anfragen, und oft handelt es sich um Akutfälle. Ein Oberschenkelhalsbruch oder ein Schlaganfall können von jetzt auf gleich dafür sorgen, dass Menschen in ihrem Zuhause nicht mehr allein zurechtkommen. Um nicht ins Heim zu müssen, hilft die Anpassung der Wohnung. Wer sich im Pflegestützpunkt am Hans-Sachs-Platz oder telefonisch meldet, kann die kostenlose und zu nichts verpflichtende Beratung von KOWAB nutzen. Manchmal geht es zunächst darum, einen entsprechenden Pflegegrad zu beantragen, um an Zuschüsse für dringend notwendige Umbauten zu kommen. »In der Regel machen wir einen Hausbesuch und schauen uns vor Ort um: Wie sehr ist die Person eingeschränkt, wie ist der Zugang zur Wohnung, wie ist es um die Türen zu Bad und WC bestellt?«, sagt Ursula Barfuß. Auch das soziale Umfeld wird abgeklärt: Gibt es Angehörige oder Nachbarn, die vorbeischauen und unterstützen, oder ist jemand ganz auf sich allein gestellt? 

Überflüssiges kann raus

»Die meisten Wohnungen sind viel zu voll«, stellt Johann Schauer immer wieder fest. Küchengeräte, die seit Jahren nicht mehr benutzt werden, stünden oft in Griffweite, während täglich verwendete Helfer schwerer erreichbar verstaut seien. »Da hilft es umzuräumen.« Überflüssiges kann raus und schafft vielleicht Platz für die Waschmaschine, zu der man bislang über die Kellertreppe gelangte. Für die Schränke empfehlen sich Auszüge, und, wie in modernen Küchen üblich, erleichtert ein höher eingebauter Backofen die Küchenarbeit. Wer fürchtet, vergesslich zu werden, kann sich eine automatische Herdabschaltung installieren lassen. Eine optische Signalanlage ergänzt die Türklingel, wenn das Gehör nicht mehr so gut funktioniert, ein Notlicht mit Bewegungsmelder macht den nächtlichen Toilettengang sicherer. »Eine Badezimmertür, die nach innen aufgeht, kann Rettungskräfte behindern, die bei einem Sturz zu Hilfe gerufen werden«, erklärt Ursula Barfuß. »Daher sollte sie so gesetzt werden, dass sie nach außen zu öffnen ist.« Im Bad wird geklärt, ob sich statt der Badewanne eine ebenerdige Dusche einbauen lässt – und ob sich etwa ein Ehepaar mit unterschiedlichen Waschritualen darauf einigen kann. Schwierig kann es in Mietwohnungen werden, wenn Türstöcke zu eng für den nötig gewordenen Rollstuhl sind und die Vermieter einem baulichen Eingriff nicht zustimmen wollen. Ähnliches gilt für den Einbau von Treppenliften. »In Etagenwohnungen sind die Treppenhäuser oft zu ­schmal, da muss man dann doch den Umzug in ein betreutes, barrierefreies Wohnen erwägen.« 

Tipps für die Finanzierung

Wichtig ist allen fünf Ehrenamtlichen, dass sie niedrigschwellig beraten und mit dem geringsten Aufwand eine Verbesserung erreichen möchten. »Man kann nach und nach kleine Schritte machen, je nach Lebenssituation«, findet Ursula Barfuß. Da kann es mal nur um Teppiche gehen, die nicht zu Stolperfallen werden sollen. »Es kann reichen, einen Teppich aus dem Laufweg zu verschieben, oder ihn an die Wand zu hängen«, meint Johann Schauer. Die Beratenen entscheiden, ob und wie weit sie Anpassungen vornehmen möchten, erhalten Kenntnisse über Hilfsmittel, mögliche Umbaumaßnahmen und Hinweise zur Finanzierung. Auch wenn die zu Neutralität verpflichteten Wohnberater keine Handwerksbetriebe empfehlen können, so helfen ihre Informationen bei Gesprächen mit Firmen: »Es ist immer besser, wenn man eine Ahnung hat. Sonst besteht die Gefahr, dass einem etwas Ungeeignetes empfohlen wird«, sagt Ursula Barfuß. Die in Anzeigen häufig zu sehenden Klappstühle an Duschwänden hält sie etwa für unpraktisch. »Dem Pflegedienst ist ein freistehender Hocker viel lieber, weil man den Körper so viel besser waschen kann.«

Für Christel Krumwiede ist die Beratung zur Wohnungsanpassung ein elementarer Bestandteil im Portfolio des von ihr geleiteten Pflegestützpunkts im Seniorenamt der Stadt Nürnberg: »Das nachhaltige Konzept KOWAB lebt von den ehrenamtlichen Wohnberaterinnen und Wohnberatern. Mit ihrem Engagement und ihrer Zuverlässigkeit erbringen sie einen wertvollen Beitrag für Menschen mit Einschränkungen, die in der gewohnten Umgebung weiterleben möchten. Die umgesetzte Bürgernähe in der kompetenten Wohnberatung ist eine wertvolle Ergänzung im Beratungsangebot der Stadt Nürnberg.«

Das Seniorenamt unterstützt fachlich

KOWAB ist eine Kooperation von Fachstellen. Der Pflegestützpunkt organisiert als Bereich des Nürnberger Seniorenamts die Abläufe, übernimmt Dokumentation und Auswertung, begleitet den Beratungsprozess und ergänzt mit Fachwissen zum Thema Pflege. Weitere fachliche Unterstützung kommt vom Seniorenamt und vom Sozialverband VdK Bayern e.V., die Handwerkskammer Mittelfranken stellt Kontakt zu zertifizierten Handwerksbetrieben her und das ZAB akquiriert und betreut die ehrenamtlichen Wohnberater. 

Ursula Barfuß und Johann Schauer haben mit dieser Aufgabe genau das Richtige für sich gefunden. »Im Team sind wir flexibel und wechseln uns ab, so dass es für alle zeitlich passt«, meint Johann Schauer. Und Ursula Barfuß ergänzt: »Wir sehen, wie notwendig unser Einsatz ist.« Beide erleben ihr Engagement nicht als Einbahnstraße: »Viele schreiben uns Briefe oder die ganze Familie versammelt sich zum Dank, da kommt viel zurück.« 

Text: Alexandra Foghammar
Fotos: Claus Felix

Information

KOWAB Kompetenznetzwerk Wohnungsanpassungsberatung, Pflegestützpunkt Nürnberg, Hans-Sachs-Platz 2, 90403 Nürnberg, Telefon (0911) 231-87878

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