Edda andersen ist die Kräuterhex' aus Erlangen. Foto: Mile Cindric

Edda andersen ist die Kräuterhex’ aus Erlangen. Foto: Mile Cindric

Auch eine 79-jährige Erlangerin, die hier in der Umgebung des Hugenottenplatzes einkauft, kennt das Geschäft schon lange. Sie ist an diesem Morgen um zehn – der Kräuterladen hat soeben geöffnet – die erste Kundin des Tages. Nieren- und Blasentee kauft sie und noch dazu eine Hustenmischung mit Wildem Thymian. »Im Kräuterladen ist man gut aufgehoben«, sagt die rüstige Dame. Hinter ihr kommt schon der nächste Kunde, ein Mittsechziger: »Ich hätte gern einen guten Kräutertee.« Und nur wenig später lässt sich ein anderer Kunde ein kleines Tütchen mit Paprikagewürz abfüllen. Er findet es toll, dass man »hier nach Gramm kaufen kann«. Seit 1. März 2014 ist Edda Andersen die Herrin über »Kräuter & Co. « Ludwig Teufel, der mit seiner Frau viele Jahrzehnte das Kräuterhaus führte, verstarb im Dezember vergangenen Jahres. So machte sich die Vermieterin auf die Suche nach einem neuen Inhaber. Edda Andersen bezeichnet sich selbst augenzwinkernd als »Kräuterhexe«, die sich in Sachen Kräuter, Tee und Gewürze dank intensiver Weiterbildungen gut auskennt; spezialisiert ist sie auf Wild- und Heilkräuter. »Das alte Wissen bleibt erhalten, das ist die Aufgabe einer Kräuterhexe«, sagt Andersen und betont, dass sie gerade von älteren Menschen auch schon den einen oder anderen wertvollen Hinweis über die Wirkungsweise von Kräutern bekommen hat.
Die 63-Jährige weiß, welches Kraut gegen welche Beschwerden gewachsen ist. Ohne eine exakte »Bedienungs- und Portionierungs-anleitung« verlässt niemand den Laden. Außer vielleicht ein Erlanger Barkeeper, der sich bei der »Kräuterhexe« esslöffelweise die Ingredienzien für manch leckeren Drink besorgt. Und auch für ein »Schwätzchen wie in einem Tante-Emma-Laden« haben Andersen und ihre zwei Mitarbeiterinnen immer Zeit. Malvenblüten, Ringelblumen, Quendelkraut, Mariendistelkraut, Anis, Zinnkraut – in rund 200 fein säuberlich beschrifteten Holzschubladen bewahrt Edda Andersen die Kräuter einzeln auf. »Vom Riechen kann man nie genug bekommen«, schwärmt sie und erzählt: »Kräuter gehören einfach zu mir. Das ist nicht Arbeit, sondern Berufung.« Berufung, die ihren Widerhall findet in einem »absoluten Trend zu mehr Gesundheitsbewusstsein«, den die Kräuterspezialistin festgestellt hat. »Die Menschen gehen immer mehr zurück zur Natur.«
In einem zweiten Raum bietet sie neben einigen Wohn- und Dekorationsaccessoires außerdem rund 50 Tees an sowie unterschiedliche Pfeffersorten und Salze aus aller Welt. Oder auch mal ein selbstgemischtes »Butterbrotsalz« mit Sellerie, Schnittlauch, Kerbel und Liebstöckel. Damit‘s bei der Zubereitung dann auch wirklich schmeckt, verkauft sie zum Beispiel auch Kräuterschneidemühlen, mit denen sich das Aroma besser entfalte, versichert Andersen. Für all jene, die wissen wollen, welche fränkischen Kräuter wo wachsen, bietet Andersen spezielle »Kräuterwanderungen« an. Dabei erfahren die Teilnehmer etwa,  aus welchen Zutaten man ein Wildkräuterpesto zubereiten kann. Einhornkopf bringt Glück Und noch bevor Edda Andersen den Besucher verabschiedet, weist sie auf eine Besonderheit hin. Gleich neben dem schmalen Eingang, der zu den »Kräuterhexen«führt, gibt es eine zweite Haustür. Und an der befindet sich der metallene Kopf eines Einhorns – mitsamt einem kleinen goldenen Horn, das dezent in die Einhornstraße hineinragt. Dass vom ursprünglichen Gold nicht mehr viel zu sehen ist, hat seinen Grund. »Das ist so wie bei beim Schönen Brunnen in Nürnberg«, sagt Edda Andersen. »Da müssen Sie dran reiben und sich dabei was wünschen. Das bringt Glück.«
Ilona Hörath