Beim Golftunier für Senioren geht es nicht nur um das Handicap, sondern auch um Kontakte.

Franz Polland plant. Seit Monaten. Eigentlich schon seit dem vergangenen Jahr, als der letzte Spieler Putter und Wedge in der Tasche verstaut hat. Denn nach dem Turnier ist vor dem Turnier. Und die Aufgabe ist keine einfache. Rund 300 Menschen wollen bald wieder untergebracht und gut unterhalten werden. Seit neun Jahren organisiert der Mittsiebziger aus dem Bayerischen Wald mit Unterstützung seiner Frau das Spektakel, das in mehreren Nachbarorten ausgetragen wird. Denn die Stadt Freyung verfügt über keinen eigenen Golfplatz, und doch richtet sie auch in diesem Sommer wieder das weltgrößte internationale Golfturnier für Senioren aus.
Wenn Franz Polland das erzählt, ist seiner Stimme die Belustigung darüber deutlich anzuhören. »Die Idee entstand aus einer Laune heraus«, sagt er. »Wir hatten ja früher viel Kurbetrieb hier, was sich seit der Krankenkassenreform stark geändert hat. Da habe ich im Scherz gesagt: Wir werden wohl mit Golfspielen anfangen müssen.« Bald begann Polland aber ernsthaft, für seine Idee zu werben. Senioren, so hatte er sich überlegt, haben Zeit, auch unter der Woche übers Grün zu ziehen und zum Schläger zu greifen, an Tagen also, an denen die Golfplätze in der Umgebung weniger frequentiert und die Gebühren deutlich niedriger sind.
In seinem Golfclub in Passau-Rassbach sprach er damals gezielt Leute ab 50 Jahren an, fuhr mit ihnen nach Freyung und zeigte ihnen die Gegend im Dreiländereck, von dem aus Böhmen rund 25 Kilometer und Österreich etwa 30 Kilometer entfernt sind. Die Einheimischen mussten über sein Engagement zwar etwas schmunzeln. »Aber die Besucher waren begeistert«, sagt er. Fast ein Jahr dauerte die Vorbereitung für das erste Turnier. Polland mietete drei Golfplätze an, buchte Unterkünfte in Hotels, organisierte Preise und die Sponsoren dafür. Mit 60 bis 70 Teilnehmern rechnete er für das erste Turnier. Über 140 kamen – aus München, Hamburg oder Berlin. Im zweiten Jahr waren es dann schon mehr als doppelt so viele, insgesamt 310.
Anmeldungen schon für 2013
Das stellte den Organisator vor eine große Herausforderung: Im Kurhaus, in dem jedes Jahr ein großer Gala-Abend mit Tombola stattfindet, ist nur Platz für 288 Personen. Auf diese Zahl ist die Teilnehmerliste nun begrenzt. Kein Wunder also, dass die Anmeldungen schnell eingehen und sich auch die Warteliste immer gut füllt. Für das Jubiläumsjahr 2013 liegen bereits 13 Anmeldungen vor. »Das hier ist inzwischen wie eine große Familie«, sagt Golferin Ilka Mertel aus Altdorf. Sie ist fast von Anfang an dabei. Vor Jahren hatte sie mit Golffreunden in Passau gespielt. Als sie wieder zurückfahren wollten, kam Franz Polland auf die Mittelfranken zu und erzählte vom neuen Senioren-Golfturnier. »Er gab uns einen Schnaps aus und sagte: ›Ihr würdet da auch gut reinpassen‹«, erinnert sich Mertel. »Franz kann wunderbar animieren. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.« Seitdem hat Ilka Mertel fast kein Turnier ausgelassen. »Es ist ein echtes Highlight. Das ganze Rahmenprogramm macht auch unglaublich viel Spaß. Da steckt eine große logistische Leistung dahinter.« Die 66-Jährige freut sich, in Freyung jedes Jahr mittlerweile alte Bekannte zu treffen und mit ihnen gemeinsam über einen der Golfplätze zu ziehen.
Kontaktbörse für Singles
Andere Teilnehmer hingegen nutzen die Reise in den Bayerischen Wald ganz gezielt, um neue Bekanntschaften zu schließen: Ganz nebenbei hat sich das weltgrößte Senioren-Golfturnier auch zu einer Art Kontaktbörse für Singles entwickelt: Ehepaare bringen eine gute Bekannte mit oder drei Herren reisen ohne Begleitung an. »Immer wieder bin ich gefragt worden: Franz, kannst Du mir nicht einen Single an die Seite stellen?«, erzählt Polland lachend. Acht Paare hat er auf diese Weise schon zusammengebracht.
Auch das ist eine kleine logistische Herausforderung: Zwei Drittel der Teilnehmer sind Frauen, die bereits ab dem 50. Lebensjahr teilnehmen dürfen. Männer dürfen sich erst ab 55 Jahren in die Listen eintragen. Allerdings wird auch mal ein Auge zugedrückt, wenn jemand einen jüngeren Partner mitbringen möchte. Der älteste Teilnehmer des Turniers ist 87 Jahre alt. Allen gleich ist das Handicap, das bei mindestens 45 liegen muss.
Gespielt wird auf den 18-Loch-Golfanlagen Poppenreuth in Jandelsbrunn, am Nationalpark Bayerischer Wald in St. Oswald und in Passau-Rassbach. Unter den Spielern tummelt sich gelegentlich auch Prominenz, etwa der Schauspieler Michael Lesch oder Ski-Legende Rosi Mittermaier.
»Sonntag ist Anreisetag, Montag und Dienstag wird gespielt», erklärt der Organisator. »Am Mittwoch machen wir eine Golfpause.« Die soll den Besuchern Gelegenheit geben, sich die Gegend anzuschauen. In der unverfälschten Natur des Bayerischen Waldes sind noch Luchs, Fuchs, Rothirsch oder Wanderfalke zu Hause. »Und wir haben hier den größten Baumwipfelpfad der Welt«, schwärmt Polland.
Donnerstag und Freitag wird dann wieder gespielt. Der Begrüßungsabend wird mit bayerischem Essen und bayerischer Musik zelebriert, der Abschlussabend mit Galadinner und Siegerehrung. Der Erlös der Tombola kommt dem Verein »Freyung hilft« zugute, der sozial schwache Menschen unterstützt. Und um die Zeit zwischen den Golfturnieren zu überbrücken, organisiert Polland – trotz einer Herzoperation vor nicht allzu langer Zeit – Golfreisen, etwa nach Lanzarote.
Anja Kummerow
Fotos: privat