Sie hätten niemals einen Fuß auf diese Insel setzten dürfen. Stromness, das kleine Eiland mitten im Atlantik zwischen den Falklands und Kap Horn, steht unter strengem Naturschutz. Tiere wie See-Elefanten, Seelöwen, Robben und Tausende von Pinguine leben hier ungestört, nachdem die Walfänger ihr blutiges Geschäft in den fünfziger Jahren eingestellt hatten.
Aber Louise und Ludovic, die beiden jungen französischen Abenteurer, die aus Lebenslust und Neugier mit ihrer Segelyacht unterwegs sind, möchten einen ausgetrockneten See auf der Insel entdecken, von dem sie gehört haben. Unterwegs wird das Wetter stürmisch, sie kämpfen sich zurück zum Strand, wo ihr Beiboot liegt. Nur: Draußen in der Bucht ist alles leer – ihr dort verankertes Segelschiff ist verschwunden. Für die Beiden beginnt ein Albtraum. In der verlassenen Walfangstation finden sie notdürftig Unterkunft, ihre Ernährung wird in den folgenden Wochen und Monaten aus Pinguinfleisch bestehen, manchmal aus dem einer erschlagenen Robbe. Ein Kreuzfahrtschiff zieht vorbei, es nimmt keine Notiz von dem SOS-Zeichen aus Steinen, das sie ausgelegt haben. Ludovic gibt auf, körperlich und seelisch gebrochen. Seine Gefährtin Louise, im früheren Leben eine ausgezeichnete Bergsteigerin, macht sich quer über die Insel auf die Suche nach einer Forschungsstation, die, wie sie vermutet, einmal im Jahr angelaufen wird. Was nun geschieht, sei hier verschwiegen.
„Herz auf Eis“ heißt das ungemein spannende Buch von Isabell Autissier, die selbst als erste Frau allein die Welt umsegelte. Mit ihrem Roman beschreibt sie nicht nur ein unheilvolles Abenteuer, sondern greift auch tief in die Psyche zweier junger Menschen in einer existentiellen Ausnahmesituation.
Brigitte Lemberger
Isabelle Autissier, „Herz auf Eis“, Wilhelm Goldmann Verlag, München 2018, 10,30 Euro