Herbert Fleischmann (rechts) und sein Nachfolger Konrad Braun setzen sich für Jugendliche in der Ausbildung ein. Foto: Michael Matejka

Manfred C. Maier hat immer gerne gearbeitet, im Beruf war er erfolgreich. Er war unter anderem Finanzvorstand bei den Leonischen Drahtwerken in Nürnberg. Doch dann näherte er sich dem Rentenalter. Zu allem Übel starb kurz vor seiner Pensionierung seine Frau, »viel zu früh«, wie er sagt. Nach und nach keimte eine Frage in ihm auf: Wie soll ich meinen Ruhestand gestalten? »Ich wollte was tun, das Sinn macht«, berichtet Maier.

Zufällig las er einen Artikel über den »Senior Expert Service«, kurz SES, eine Organisation, die erfahrene Berufspraktiker ins Ausland schickt. Aber ins Ausland wollte er nicht. Seine letzten Berufsjahre war er wöchentlich vom Rheinland nach Nürnberg gependelt, er hatte keine Lust mehr, dauernd mit gepackten Koffern zu leben. Doch eine andere Aktivität dieser Organisation mit Sitz in Bonn fiel ihm ins Auge: »VerA«. Hinter dieser Abkürzung, die für »Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen« steht, verbirgt sich eine Initiative von SES, Industrie- und Handels- und Handwerkskammern.
Bei den Kammern macht man sich seit Jahren Sorgen darüber, dass viele Auszubildende ihre Lehrzeit nicht zu Ende bringen. Rund 20 Prozent aller Lehrverhältnisse werden vorzeitig gelöst, viele davon schon im ersten Lehrjahr. Deshalb wurde VerA gegründet. Dank dieser Initiative haben junge Auszubildende jetzt die Möglichkeit, bei Schwierigkeiten in der Ausbildung Hilfe von lebens- und berufserfahrenen Vertrauenspersonen zu erhalten.

Azimullah spricht schon gut Deutsch
Manfred C. Maier fand die Idee sofort interessant. Seither kümmert er sich um den jungen Afghanen Azimullah Seifi. Der ist 19 Jahre alt, lebt seit zweieinhalb Jahren in Deutschland und spricht schon sehr gut Deutsch. Seit Oktober 2016 macht er eine kaufmännische Lehre bei der Firma Aufzug-Schmitt & Sohn in Nürnberg. Als er Schwierigkeiten mit den Lerninhalten hatte, meldete sich Seifi bei SES. Der brachte ihn mit Manfred C. Maier zusammen. Seither treffen sich die beiden jede Woche einmal.

Dabei gehen sie den Stoff für die Berufsschule durch. Wo Fragen aufkommen, hilft Maier dem lernbegierigen Azubi auf die Sprünge. »Oft sind es einfach Fachausdrücke der Betriebswirtschaft, die ich noch nicht kenne«, meint Seifi. Diese erklärt ihm Maier. »Damit ist das Problem dann oft schon gelöst«, sagt der Mentor, der die Zuverlässigkeit und den Leistungswillen seines Schützlings lobt. Mittlerweile berät er ihn auch in Lebensfragen, hilft bei der Wohnungssuche und steht seinem Klienten mit Rat und Tat zur Seite.

In Mittelfranken sind seit dem Jahr 2010 bereits 209 Azubis begleitet worden; derzeit gibt es hier 38 Begleitungen. Natürlich läuft es nicht immer so gut wie bei Manfred C. Maier und Azimullah Seifi. Etliche Begleitungen wurden eingestellt, oft ging die Initiative dabei von den Auszubildenden aus, sagt Herbert Fleischmann, SES-Koordinator für die VerA-Initiative im Mittelfranken. Dennoch hebt er die Wichtigkeit der Initiative hervor: »Wir machen hier Coaching mit und für junge Leute in einer Entscheidungsphase ihres Leben.«

Manfred C. Maier jedenfalls findet es toll, in seinem Ruhestand noch etwas Sinnvolles zu leisten und einem jungen Menschen auf seinem Weg ins Leben beizustehen. Und auch Fleischmann haben die Senioren in Gesprächen versichert, dass die Begleitungen eine sehr befriedigende Aktivität jenseits der Rente sind.

Text: Werner vom Busch