Einfach per Lieferdienst ins Haus - das kann ins Geld und auf die Nerven gehen. Foto: epd

Einfach per Lieferdienst ins Haus – das kann auf Dauer ins Geld und auf die Nerven gehen. Foto: epd

Es klingt erst einmal ganz bequem: Im Internet ein Abo abschließen und fortan Rasierklingen, Blumen oder Pralinen immer pünktlich dann geliefert bekommen, wenn Nachschub nötig wird. Doch viele dieser Web-Abos haben ihre Tücken – und auch die Nachbarn müssen sehr geduldig sein, wenn man nicht immer zuhause ist. Das zeigt ein Check der Verbraucherzentrale NRW bei 30 Anbietern.
Rund 50 Firmen bieten mittlerweile im Internet die Möglichkeit an, ein Einkaufsabo abzuschließen. Die meisten von ihnen offerieren ein eingeschränktes Sortiment: etwa Tee, Marmelade oder Kosmetika, Socken, Steaks oder Kinderspielzeug. Mal lässt sich allein ein Standard-Blumenstrauß bestellen, mal gibt`s die Wahl zwischen Rasierklingen zweier Marken.
Was einfach klingt, gestaltet sich jedoch je nach Abo sehr unterschiedlich. Um Reinfälle zu vermeiden, sollten Laufzeiten und Kündigungsfristen, Preise und Bezahlmöglichkeiten genau studiert werden. Dazu mahnt ein Check der Verbraucherzentrale NRW bei 30 Anbietern von Produkt-Abos.
So arbeitete die eine Hälfte mit langfristigen Kundenbindungen von bis zu einem Jahr. Einige (7) enden dann automatisch. Für andere (7) gilt: Wird der Termin für die Kündigung verpasst, etwa bei Vitaminpillen von Purmeo, kann sich selbst ein Drei-Monats-Abo fix um ein ganzes Jahr verlängern.
Nur die Hälfte verbraucherfreundlich
Verbraucherfreundlich agiert dagegen die andere Hälfte im Check. Hier verzichten die Onlinehändler komplett auf Mindestlaufzeiten. Spätestens nach der zweiten Lieferung ist der Ausstieg möglich. In aller Regel wird auch einzeln abgerechnet. Auf dieses Modell setzt beispielsweise Amazon mit seinen Spar-Abos. Tausende Produkte aus den Kategorien Lebensmittel, Tiernahrung, Kosmetik, Drogerie- und Büroartikel waren beim Besuch der Verbraucherschützer nicht nur mit dem Einzelverkaufspreis ausgezeichnet, sondern zudem mit einem um zehn Prozent reduzierten Abo-Preis.
Das galt beispielsweise beim Waschmittel Color-Megaperls von Persil wie bei Ersatz-Scherköpfen für Braun-Rasierapparate, bei Katzenfutter wie bei Golfbällen. Die regelmäßigen Lieferungen lassen sich nicht nur “jederzeit stornieren”, sie kommen obendrein versandkostenfrei ins Haus – selbst bei Artikeln unter 20 Euro, für die Amazon sonst Porto kassiert.
Ähnlich arbeiten auch elf kleinere Versender. Sie gestatten eine Unterbrechung des Abos ohne Angabe von Gründen, etwa bei Urlaubs- und Geschäftsreisen. Dass nicht immer allein preiswerter Nutzwert, sondern auch der Fun-Faktor im Fokus der Anbieter steht, zeigt die Überraschungsbox. Die füllt rund die Hälfte der Abohändler im Check.
Hier bleibt allenfalls die Wahl verschiedener Kategorien. Kunden können sich beispielsweise bei Daily-marmelade als “Klassiker, Genießer oder Entdecker” outen, oder sie können sich bei Blumeno auf die Größe des wöchentlichen Vasenfüllers festlegen, ob “Basic” oder “Exquisit”.
Keine Vorkasse!
Vorsicht ist geboten beim Thema Vorkasse. Wer 358,80 Euro im Vorhinein berappt, dass ein Jahr lang jede zweite Woche 30 Saft-Orangen bei ihm eintrudeln oder gar 1169 Euro fürs gleichlange Steak-Abo, geht enorm ins Risiko. Floppt die Abo-Idee, sind nicht nur Obst und Fleisch perdu, sondern in der Regel auch die Vorkasse-Euros.
Ein scharfer Blick sollte auch den Preisen gelten. Oftmals sind die allerdings nicht vergleichbar, weil Produkte nur ungenau benannt oder in unterschiedlichen Packungsgrößen verkauft werden.
Obendrein kann die bequeme Hauslieferung teuer kommen. Das zeigen zwei Beispiele: Werden Tampons via Internet bei Dastamponabo geordert, zahlen Kundinnen für 32 Stück der Marke OB Super insgesamt 9,85 Euro. In Supermärkten und Drogerien kostet die gleiche Menge dagegen oft weit weniger als die Hälfte. Ähnlich sieht es bei einem Zahnbürsten-Abo aus, für das sogar einige Krankenkassen ihr Logo hergeben. Hier kommt alle drei Monate “eine neue Zahnbürste” frei Haus – für insgesamt 12,99 Euro.
Spart das Zeit?
Selbst mit der beworbenen Zeitersparnis ist es oft nicht weit her. Denn nur ein kleiner Teil der abonnierten Produkte, etwa Socken und Rasierklingen, bringt der Postbote. Fürs Gros der Waren müssen Paket- und Lieferdienste anrücken.
Wer mehrere Abos abschließt, der wartet beispielsweise immer wieder dienstags auf seinen wöchentlichen Blumenstrauß (miflora), mittwochs zwischen acht und zwölf Uhr auf sein Essenspaket (Hellofresh), der wartet jeden 15. bis 20. auf Wein, Bier und Käse (Monatsgeschenke), am Monatsanfang auf Bastelartikel für Kinder (Wummelkiste), Ende des Monats auf neue Lebensmittel (Brandnooz).
Amazon verspricht immer am Abschlusstag eines Abos zu liefern. Doch gibt es keine Gewähr, dass ein zweites Abo-Produkt mit dem ersten zusammen geliefert wird. Das geschieht nur “sofern möglich.” Wer etwa brennbares Haarspray und Lebensmittel geordert hat, bei dem klingelt der Paketbote auf jeden Fall zweimal. Notfalls tut er das auch beim Nachbarn. Den nämlich können Käufer beim Abo-Dienst oftmals als Übergabestelle benennen.
Quelle: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen