
Die Lust aufs Gewinnen, auf das berauschende Gefühl, wenn man ganz oben auf dem Siegertreppchen steht, diese Lust hat Christof Wandratsch auch mit fast 60 noch nicht verloren. Dabei hat der Extremschwimmer aus Veitsbronn im Landkreis Fürth in seiner jahrzehntelangen Karriere schon so viel erreicht. In seiner Jugend schwamm er in der Bundesliga und gewann Deutsche Meisterschaften im Becken. 1984, im Alter von nur 17 Jahren, machte er mit seinem ersten Sieg im Freiwasser über 25 Kilometer vor Sizilien auf sich aufmerksam. Seither hat Wandratsch fast alles gewonnen, was man über die extremen Distanzen gewinnen kann – er hat den Weltmeistertitel geholt, ist Europa- und Deutscher Meister geworden und hat etliche Weltrekorde aufgestellt. Nur eine olympische Medaille fehlt in der Sammlung. Der 10-Kilometer-Marathon im Freiwasser ist erst seit Peking 2008 olympische Disziplin. Nur mit Badehose, Kappe und Brille Seit gut zehn Jahren ist Wandratsch vor allem im eiskalten Wasser erfolgreich. Bei Wassertemperaturen von maximal fünf Grad ist er verschiedene Rekorde geschwommen.
Motivation und Anspruch, das Beste zu geben
»Ich finde das cool«, antwortet Wandratsch auf die Frage, was ihn am Eisschwimmen fasziniert – und meint damit mehr als den Wortwitz. Es reizt ihn, sich dem kalten Element auszusetzen, nur mit Badehose, Kappe und Brille ausgerüstet – sowie der mentalen Stärke, die es braucht, um der Kälte zu trotzen. Im Eiswasser gehört er zur Weltspitze. Die Wettbewerbe werden über vergleichsweise kurze Distanzen zwischen 25 und 1000 Metern ausgetragen. Er schwimmt gelegentlich auch die Eismeile, aber was darüber hinausgeht, lehnt er ab, weil dann die Kälte für den menschlichen Organismus lebensgefährlich werden kann. Gewinnen zu wollen, der Beste sein zu wollen – so wichtig dies für den Schwimmer Wandratsch in seinem Sport ist, als ein Lebensmotto möchte das der Mittelschullehrer nicht verstanden wissen. »In der Schule ist es schwer, etwas zu gewinnen«, sagt er. In seiner Wahlheimat Burghausen arbeitet er mit jungen Erwachsenen zwischen 17 und 21 Jahren, die aufgrund schulischer oder persönlicher Probleme keinen Abschluss geschafft und somit schlechte Chancen auf dem Ausbildungsmarkt haben. Für die Schüler geht es hier nicht um große Siege, sondern um die vielen kleinen Schritte, die notwendig sind, um vielleicht doch noch den Quali zu schaffen. Für den Lehrer Christof Wandratsch ist es – wie im Sport – »Motivation und Anspruch, das Beste zu geben« und mit seinen Schülern das Bestmögliche zu erreichen.
Dass harte Arbeit zum Erfolg führt, kann er ihnen zumindest glaubhaft vorleben. Anderen etwas zu vermitteln, das liegt dem 59-Jährigen nicht nur in der Schule am Herzen. Seit Jahren wirbt er fürs Eisschwimmen – insbesondere auch an seinem Heimatort Veitsbronn. Während der Schulferien bietet der lizensierte Schwimmtrainer zudem mehrtägige Aqua-Camps für Sportler aller Leistungsklassen an. Dann geht es am Hintertuxer Gletscher in die Eiskammer oder vor Sizilien ins Meer. Zuletzt trat bei »Wandi« der Leistungssport etwas in den Hintergrund. Zwei Operationen machten eine Pause notwendig. Wandratsch bekam ein neues Knie und ein neues Schultergelenk. Auch an einem Extremschwimmer gehen die Jahre eben nicht spurlos vorüber. Obwohl er im Vergleich zu seinen Konkurrenten im Training eher wenig geschwommen ist – er kam pro Woche auf maximal 100 Kilometer, andere spulen fast das Doppelte ab –, die Dauerbelastung hat nach mehr als 40 Jahren zu einem schmerzhaften Verschleiß geführt. Und wie jeder andere merkt auch Wandratsch, dass mit dem Alter die Erholungsphasen länger und die Wettkämpfe am Ende zäher werden. Als er im September letzten Jahres im Golf von Neapel 32 Kilometer um die Insel Ischia herumgeschwommen war, sei er nach knapp acht Stunden im Wasser »sehr müde und k. o. gewesen«. Und wenn er nach einem Besuch bei seiner Mutter in Veitsbronn 260 Kilometer nach Burghausen zurückradelt, dann ist er erst einmal fix und fertig. »Vor 30 Jahren bin ich danach nochmal zwei Stunden schwimmen gegangen.«
Er will zeigen, was er noch draufhat
Dass er seinem Körper nicht mehr so viel abverlangen kann wie früher, ist für ihn kein Grund zum Hadern. »Das frustriert mich nicht, sondern ich bin stolz darauf, dass ich immer noch unter den Top Ten bin.« Mit seinen jüngeren Konkurrenten verbindet ihn eine »gegenseitige Anerkennung der Leistung« – und doch sagt Wandratsch: »Ich versuche, die Jungen zu ärgern.« Er will zeigen, was er noch draufhat. Solange er noch gewinnen kann und vor allem gewinnen will, denkt er nicht ans Aufhören. »Wenn ich nicht mehr siegen will, brauche ich auch nicht mehr zu Wettkämpfen zu fahren.« Mit den neuen Gelenken im Körper fühlt sich der Extremsportler runderneuert und geht weitere Ziele an. Den Bodensee der Länge nach durchschwimmen, den Ärmelkanal in Rekordzeit durchqueren – das hat er schon geschafft. Was er genau vorhat, darüber will er noch nicht reden, damit ihm niemand zuvorkommt. Das Gefühl, eine besondere Leistung als Erster erbracht zu haben, etwas erreicht zu haben, was ihm keiner mehr nehmen kann, das erfüllt ihn auch nach vielen Jahren noch mit Stolz. Während seiner Rehabilitation im vergangenen Winter hatte Wandratsch genug Zeit zum Planen neuer Projekte und – zur Freude seiner Lebensgefährtin – zum Kochen. Als es Anfang Januar endlich wieder richtig geschneit hatte, ging der passionierte Skifahrer während eines Besuchs im Fürther Landkreis auch mal wieder in die Loipe. Mit dabei war seine 90-jährige Mutter. Die Sportlichkeit liegt in der Familie.
Text: Georg Klietz
Foto: Michael Matejka
→ So, 8.3., 13:30 Uhr
Weitere Programmpunkte auf der sechs+sechzig-Aktionsbühne der inviva-Messe am Sonntag, 8.3.:
Silberne Eleganz
Silberne Eleganz »Silver Swans«, so heißt eine Ballettklasse für Menschen ab 50 Jahren, siehe unser Titelfoto. Die Silbernen Schwäne trainieren in der Ballettschule »Hey Hilde« von Lisa Dirkx in der Nürnberger Südstadt. Die Tanzpädagogin hat diese erst vor etwas mehr als zwei Jahren in der Singerstraße gegründet. Hier geht es nicht um Hochleistungssport, um hohen Anspruch, Schweiß und Tränen. Die Frauen, die sich hier treffen, sind zwischen 58 und 74 Jahren alt und tanzen mit Begeisterung Ballett – einfach, weil sie Spaß daran haben, aber niemandem etwas beweisen müssen. Ob sie schon Erfahrung haben oder Neulinge sind, alle betreiben ihr Hobby durchaus ernsthaft, aber immer mit Humor. Unter dem Titel »Graue Grazien« zeigen die Silver Swans der Tanzschule »Hey Hilde« auf der sechs+sechzig-Aktionsbühne, was sie draufhaben.
→ So, 8.3., 10:30 und 13 Uhr → Do, 5.3., 11:30 und 13 Uhr
Ernährungstipps für sportliche Senioren
Seit einiger Zeit wird das Thema »Sport im Alter« heiß diskutiert, gerade auch in der älteren, fitnessbewussten Generation. In Erlangen gibt es seit 2016 das »Hector-Center«, das sich auch mit Themen des Alterns und der Ernährung befasst. Philip Süß, der auf der sechs+sechzig-Aktionsbühne zu diesen Themen sprechen wird, ist am Hector-Center tätig – und zwar als »Physician Assistant« in Ausbildung. Er hat sich als ausgebildeter Diätassistent, Diabetes-Berater und studierter Ernährungswissenschaftler mit eben diesen Fragen befasst. Seine Tätigkeitsschwerpunkte sind: Klinische Ernährungsmedizin, Ernährungstherapie sowie Betreuung von Leistungs- und Amateursportler und -sportlerinnen. Die interdisziplinäre Foschungsarbeit des Hector-Centers in Sachen Ernährungs- und Sportmedizin wird auch Gegenstand seines Vortrages sein. Ein zentraler Begriff dabei ist die »mediterrane Ernährung«.
Text: WvB
→ So, 8.3., 11 Uhr
Gegen das Vergessen
Es gehört leider zu den unvermeidlichen Alterserscheinungen, dass das Gedächtnis mit den Jahren nachlässt. Aber es gibt Möglichkeiten, sich diesem Prozess entgegenzustemmen und Merkfähigkeit, Konzentration, logisches Denken und Denkflexibilität zu bewahren und den Verlust zu verlangsamen. Die Nürnberger Akademie 60plus bietet verschiedene Kurse zum Training an. Diese orientieren sich an den Leitlinien des Bundesverbands Gedächtnistraining (BVGT), der es sich zum Ziel gesetzt hat, das kognitive Training zu verbreiten und die Menschen zu überzeugen, rechtzeitig mit einem ganzheitlichen Gedächtnistraining zu beginnen. Das Übungsprogramm des BVGT basiert auf aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Hirnforschung, der Lernpsychologie und der Pädagogik. Gedächtnistrainerin Alexandra Freiberger-Weber von der Nürnberger Akademie 60plus zeigt auf der sechs+sechzig-Aktionsbühne verschiedene Übungen, die dabei helfen, sich etwas kurzfristig zu merken oder auch langfristig abzuspeichern. Freude, Lachen und Erfolgserlebnisse sind garantiert.
→ So, 8.3., 12:30 Uhr
Kick it like Opa
Wer ein Leben lang im Verein gekickt hat, hängt die Fußballschuhe nur ungern an den Nagel. Doch selbst das Spiel der Alten Herren wird irgendwann für jeden einmal zu schnell und die Gefahr, sich zu verletzen, zu groß. »Walking Football« könnte da die passende Alternative sein: Gespielt wird auf einem 20 x 40 Meter großen Feld, es wird nicht gelaufen (nur gegangen) und der Ball darf nur flach gespielt werden. Vorreiter des aus England stammenden »Walking Football« ist in der fränkischen Region der 1. FC Nürnberg, der den Sport für die Generation 60plus auf der Aktionsbühne vorstellt. »Walking Football« ist bisher noch nicht in der Breite angekommen, aber der Club möchte sein Wissen und seine Erfahrung gerne mit anderen Vereinen teilen, die in der Region eine entsprechende Abteilung gründen möchten. Vielleicht zündet die Idee also auch bei anderen Vereinen, die dann ähnliche Erfahrungen machen wie der 1. FCN. Dort hat sich mancher Senior sogar nochmal neue Fußballschuhe gekauft, um beim »Walking Football« mitkicken zu können.
→ So, 8.3., 11:30 Uhr
Aktiv und vital
Das Leben geht – im wahrsten Sinne des Wortes – auf die Knochen: Die Knochendichte nimmt ab, Gelenkknorpel verschleißen und Sehnen und Bänder verlieren an Elastizität. Doch gerade dann sollte man etwas für seinen Körper tun. Übungsleiterin Katharina Hirschbeck vom Post Sportverein Nürnberg zeigt einfache, gelenkschonende Übungen, die nicht nur für mehr Vitalität sorgen, sondern insgesamt die Lebensfreude steigern. Sie beginnt mit mobilisierenden Übungen zum Aufwärmen für den ganzen Körper, zeigt, wie man mit Tennisbällen Koordination und Gleichgewicht schulen kann und stellt schließlich noch Übungen mit dem Theraband vor, die der Kräftigung von Armen und Beinen dienen.
→ So, 8.3., 14:30 und 16 Uhr
Flow Work für die Wirbelsäule
Rückenschmerzen sind ein Volksleiden. Mehr als ein Drittel der Frauen und Männer über 65 in Deutschland leidet unter chronischen Rückenschmerzen, in der Altersgruppe der über 80-Jährigen ist es sogar jeder Zweite. Der Sportverein Tennenlohe 1950 führt auf der sechs+sechzig-Aktionsbühne einige Übungen aus seinem Sportangebot »Flow Work für die Wirbelsäule« vor. Die Übungen sind für eine sanfte Mobilisierung geeignet, sie stärken die Rückenmuskulatur und lösen Blockaden. Der SV Tennenlohe trägt das Qualitätssiegel »Seniorenfreundlicher Verein« des Bayerischen Turnverbands.
→ So, 8.3., 15 Uhr
Vorhang auf!
Seit fast 40 Jahren gehört das Seniorentheater »Tempo 100« fest zum Nürnberger Kulturleben. Auf der Bühne stehen ambitionierte Amateure, die mit der Nürnberger Profi-Regisseurin Tamara Kafka zweimal pro Woche proben und das Stück erarbeiten. Derzeit studieren sie »Gefährliche Zufälle« ein. Gemeint sind drei etwas makabre Einakter: »Herbst« von Curt Goetz sowie »Donau so blau« und »Vanillikipferln« der in Deutschland eher wenig bekannten Wiener Autorin Lotte Ingrisch. Premiere in den Kammerspielen ist am 2. April. Drei Schauspieler des Theaters »Tempo 100« erzählen auf der sechs+sechzig-Aktionsbühne von Proben und Projekten, von Theaterdonner und Lampenfieber.
→ So, 8.3., 15:30 Uhr und Fr, 6.3., 15:30 Uhr
Das komplette inviva-Programm auf der sechs+sechzig-Aktionsbühne
Eine Übersicht über alle Vorträge und Veranstaltungen auf der sechs+sechzig-Aktionsbühne der inviva-Messe (4. bis 8. März) im Nürnberger Messezentrum finden Sie hier: https://service.magazin66.de/events/liste/?tribe-bar-search=inviva




