Wer sein Smartphone kaum noch aus der Hand legt, ist ein beliebtes Ziel verschiedenster Verkaufsmethoden. Foto: epd

Manchmal beneide ich alle, die immer noch wacker ohne smarten Kleincomputer durchs Leben gehen. Die müssen sich wenigstens nicht umstellen, wenn irgendwann die Lichter ausgehen oder wenn – wie bei mir – das Eifon die Grätsche macht.
Seit über zehn Jahren besitze ich ein Eifon. Ich benutze es nicht bloß, um mich mit Mitdeppen sozialmedial auszutauschen, sondern auch als Terminkalender, als Einkaufszettel, als Navi, als Fahrkarte oder als Ersatz für die Armbanduhr und das Festnetztelefon. Selbst mein Hirn hat sich inzwischen daran gewöhnt. Das meiste muss es sich nicht mehr merken, schließlich lässt sich das im Ernstfall nachschauen. Geburtstage, Telefonnummern, Rezepte, Musiktitel…
Mittlerweile habe ich das vierte Eifon, denn mein vor vielen Jahren abgeschlossener Handyvertrag hat es mir erlaubt, alle zwei Jahre ein neues, (angeblich) besseres Eifon zu ordern. Weil das aber weder unweltschonend noch rentenkompatibel ist, beschloss ich, meinen alten Vertrag zu kündigen, auf einen Vertrag ohne Handy umzusteigen und mit meinem Eifon 7 in die Gruft zu steigen.

Doch mein »Apfelhändler« macht da Schwierigkeiten. Den musste ich neulich wegen akuter Akkuschwäche aufsuchen. Die ist modellbedingt, weshalb man den Akku auf Kulanz günstig tauschen lassen kann. Aber natürlich nur in der Theorie. Das Handy hat nämlich einen weiteren Konstruktionsfehler: Es verbiegt sich, wenn man es etwas schärfer anschaut. Hier greift die Kulanz jedoch nicht. Und der Vorteil liegt wieder beim Händler. Der kann dann den wenig lukrativen Akkuwechsel ablehnen, weil dieser angeblich den Exitus des Eifons zur Folge haben könnte. Ich solle mir doch ein neues Gerät kaufen, rät er.
Zwischen 1300 und 1700 Euro kostet das. Als Rentner müsste man dafür ein paar Wochen auf Wohnen und Essen verzichten. Ich habe mir deshalb lieber für 40 Euro einen, leider nicht gerade grazilen Zusatzakku besorgt, den ich jetzt zusammen mit dem Handy herumschleppe. Handlich ist das natürlich nicht mehr.
Aber so ist das halt bei Drogendealern: Erst treiben sie einen in die Sucht, dann ziehen sie einem das letzte Hemd aus. Nebenbei versuchen sie, neue Abhängigkeiten zu schaffen. Sogar die Sparkasse will uns jetzt ins mobile Bezahlen treiben.
Macht da nicht mit, Leute! Keine Macht den Drogen!
Peter Viebig