Von links nach rechts: Herbert Fröhlich, John Stackmann und Helmut MŸller bei einem Lauftraining an der Brucker Lache in Erlangen. Foto: Cindric

Von links nach rechts: Herbert Fröhlich, John Stackmann und Helmut MŸller bei einem Lauftraining an der Brucker Lache in Erlangen. Foto: Cindric

Nürnberg steht ein sportliches Highlight bevor: Vom 24. bis 26. Juli sind der Hauptmarkt und das Grundig-Stadion Austragungsorte der Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften. Anlass genug, um am Beispiel dreier Aktiver zu zeigen, dass leichtathletische Disziplinen auch zum Breitensport zählen, der bis ins (hohe) Alter ausgeübt werden kann.

»Im letzten Jahr habe ich gewonnen, was für mich zu gewinnen war«, sagt Helmut Müller stolz. Und es gab viel zu gewinnen: Zwei Mal, über 1500 und 2000 Meter, belegte der Mittel- und Langstreckenläufer bei der Deutschen Meisterschaft in Erfurt den dritten Platz, über 800 Meter wurde er Vizemeister. In diesen drei Disziplinen holte er 2014, wie schon zwei Jahre zuvor, den bayerischen Meistertitel. Über 10.000 Meter wurde Müller 2012 und 2013 Jahr sogar Deutscher Meister. Wahrlich ein Grund, stolz zu sein. Umso mehr, als Müller all diese Titel in der Altersklasse M70 holte, also bei den Senioren über 70. Der ehemalige Siemens-Mitarbeiter ist Jahrgang 1942 und in der Laufgruppe der Leichtathletik-Gemeinschaft (LG) Erlangen aktiv. Das Laufen hat er angefangen, als er 55 war und es auf den Vorruhestand zuging – »wegen der Figur und des Gewichts«. Man sieht es ihm auch heute an, dass er durchtrainiert ist. Von Askese und einem Leben nur für den Sport hält er aber nicht viel.Bloß nicht übertreiben. »Ich bin ein Genussläufer«, sagt der 73-Jährige von sich.
Auch in der Ernährung zählt für ihn der Genuss. Besondere Kost, Mineral- oder Powerdrinks und Aufbaumittel? Geschenkt. Vielseitig müsse es sein, mit Fleisch, Fisch, Gemüse, Nudeln und Salat. Alkohol ist auch nicht tabu, wenn er in Maßen genossen wird.

Drei Mal in der Woche läuft Müller je rund zehn Kilometer, durch die Brucker Lache, oft mit Bekannten aus der LG. Für die Mitteldistanz sei das ideal. Marathonläufe, sagt er, seien für sein Alter nichts mehr. Die ganz kurzen Strecken mag er ebenfalls nicht: »Da sind mir die anderen zu schnell.«

Mit einer ähnlichen Einstellung geht sein ein Jahr älterer LG- und Lauf-Kollege Herbert Fröhlich an den Start – allerdings ist er bis vor Kurzem noch Marathon gelaufen. Er wohnt in Dormitz (Landkreis Forchheim) am Rand des Buckenhofer Forstes. »Das ist das ideale Trainingsgelände. Da laufe ich ganz locker und entspannt und kann abschalten.« Für ihn sei das »wie Meditieren«. Und dann spielt er auch noch regelmäßig Tennis.

Bei der Ernährung hält er es wie Helmut Müller: Ausgewogen müsse sie sein, Hausmannkost geht auch, aber nicht von der ganz deftigen Art. Und für ihn als Ex-Brauer und Brauereibesitzer gehört auch Bier dazu. Der Erfolg gibt ihm recht. Seine Marathon-Bestzeit als Senior schaffte er 2011 mit 3:03:23 Stunden und über die Halbdistanz (21,1 Kilometer) 2013 mit 1:34:50 Stunden. Über 5000 Meter wurde er ebenfalls 2013 Dritter bei der Weltmeisterschaft in Porto Alegre (Brasilien), dreifacher Vizeweltmeister (Cross, 10.000 Meter, Marathon) im gleichen Jahr am gleichen Ort. Fröhlich kann eine lange Erfolgsliste vorlegen, darunter viele Siege im Ausland. Wie Helmut Müller, der solche Starts für Urlaube nutzt. »Man fährt nicht nach Ungarn, nur um 10.000 Meter zu laufen.« Ganz ähnlich beschreibt er seine Teilnahme am Engadiner Sommerlauf: »25 Kilometer in herrlicher Umgebung laufen und dann dort eine Woche erholen.«
Was beide ebenfalls verbindet, ist die Art, wie sie zur Leichtathletik fanden. Sowohl Müller als auch Fröhlich kamen vom Fußball. Während allerdings der eine wegen Familie und Beruf eine Pause einlegte, blieb der andere dem Mannschaftssport treu, bis er 1982 das Laufen für sich entdeckt. Da war Fröhlich 41 und daneben auch schon leidenschaftlicher Skifahrer und Tennisspieler. Müller fing mit 55 Jahren an. Erst einmal in der Woche, dann wurde es allmählich mehr. Die Runden in der Brucker Lache sind bis heute geblieben. Intensiver trainieren musste er für die Mittel- und Langstrecken, also für Marathon, Halbmarathon, später die 10.000 Meter, die seine Paradedisziplin wurden. Dann absolvierte er auch Bahn-Runden, 800, 1500 und 5000 Meter; derzeit trainiert Müller zusätzlich für die 400-Meter-Strecke.

Herbert Fröhlich ging beim Laufen ziemlich schnell auf die Langstrecken. »Beim Fußball war ich Läufer, das gab es damals noch, und da konnte ich gleich anknüpfen.« Wenn er dann richtig drin ist im Training, »dann kribbelt es«. Später kam die Disziplin Duathlon, also Laufen und Radfahren. Mit dem Triathlon hat es der 74-Jährige nicht so sehr, denn: »Ich mag das Schwimmen nicht.« Übertrieben ehrgeizig sei er nicht, betont Fröhlich. »Aber ich glaube, ich habe von der Natur etwas mitgekriegt, um in den Leistungsbereich zu kommen.«
Aber nicht allein die Leistung zählt. Laufen ist gesund, wenn man einige Regeln beherzigt. Man sollte in jedem Fall vorher den
Hausarzt konsultieren und sich sicher sein, dass Kreislauf und Gelenke noch mitmachen (siehe Interview). Und nichts übertreiben, keinen falschen Ehrgeiz entwickeln. »Man muss immer auf seinen Körper hören«, betont Müller, »und sich beim Laufen immer unterhalten können, dann stimmt das Tempo«.
Eine andere Art, körperlich fit zu werden und zu bleiben, ist der Erwerb des Sportabzeichens. Der Deutsche Leichtathletik-Verband  will vor allem aus gesundheitlichen Gründen – deswegen gibt es bei einzelnen Krankenkassen dafür Bonus-Programme – den Breiten- und Ausdauersport fördern. Dabei muss man in vier Gruppen (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination) jeweils in einer Disziplin und je nach Alter gestaffelt Mindestanforderungen erfüllen. Allein in Mittelfranken haben im letzten Jahr fast 12.000 Frauen und Männer das Sportabzeichen abgelegt, einer von ihnen schon zum 40. Mal – er ist 79 Jahre alt.
Claudius Molz gehört ebenfalls zu denen, die schon lange dabei sind und Jahr für Jahr den Leistungsbeweis liefern. Beim
Laufen entscheidet sich der 67-jährige Erlanger je nach Lust und Laune entweder für den 3000-Meter-Lauf oder für 20 Kilometer Radfahren (möglich wären auch Schwimmen oder Nordic Walking). Bei Kraft wählt er Kugelstoßen statt Medizinball, Steinstoßen, Standsteinwurf oder Geräteturnen, bei Schnelligkeit nicht Rad oder Kurzbahn-Schwimmen, sondern den 50-Meter-Sprint, und bei Koordination Hoch- oder Weitsprung.
Helmut Müller verrät allen Hobbysportlern seinen Motivationstipp: »Am besten ist es, Sport zu zweit, zu dritt oder in der Gruppe zu betreiben, so ist etwas Druck da. Wer es allein machen will, dem fallen immer wieder gute Gründe ein, lieber zu Hause zu bleiben.«

Herbert Fuehr ; Foto: Mile Cindric