Der Philosoph Richard David Precht, 2009, Foto: © Raimond Spekking / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

Vorneweg: Das Interview mit Herrn Precht ist zuerst in der Kölnischen Rundschau im Rahmen einer Diskussionsveranstaltung  erschienen. Dort am Montag, 3. September, diskutieren Richard David Precht und der frühere SPD-Vorsitzende Franz Müntefering das Thema Gemeinsam die Zukunft des Alters gestalten im Kölner Rathaus. Es wurde vom Stern am 31. August veröffentlicht. Das gibt den Thesen von Precht natürlich etwas mehr Wucht, wenn das Magazin mit seiner hohen Auflage die Thesen dieses Publizisten vertritt. Wir fassen die wesentlichen Inhalte für Sie zusammen.
Richard David Precht, Philosoph und Publizist, räumt zu Beginn des Gesprächs ein, dass sich im Vergleich zu früheren Generationen der Begriff vom Alter stark verändert hat, da man sich heute als 50-Jähriger durchaus noch als jung empfindet. Aber auch das Bild der Jüngeren ändert sich, da sie weniger werden und dadurch für die Gesellschaft immer wertvoller. Die alternde Gesellschaft hat für ihn deshalb Vor- und Nachteile:  So nimmt die Innovationsfähigkeit ab und es sei vieles nur schwer zu verändern. Weshalb er für den inneren Zusammenhalt einer auseinanderdriftenden Gesellschaft vorschlägt,  zwei soziale Pflichtjahre einzuführen. Das 1. nach der Schule, wobei er offen lässt, welchen Schultyp  er damit meint und was er mit der durchaus nicht zu vernachlässigenden Quote der Schulabbrecher machen will.  Das zweite beim Eintritt ins Rentenalter. Es geht Precht darum, dass die  Senioren ihr Wissen an die Jungen weitergeben, ” nicht durch Moralpredigten, sondern durch Vorleben und Nachahmen”. Das soll den Jugendlichen nicht die Erfahrungen abnehmen, die sie selbst machen müssen, aber Ältere können dem Leben Jüngerer Sinn vermitteln. Ansonsten würde es bei den Jugendlichen nur um materielle Dinge gehen und das sei zu wenig. Auf die wachsende Zahl sich engagierender Älterer angesprochen, verweist Precht darauf, dass die wenigsten Senioren sich sozial engagierten, weil sie nicht wüssten wo. Deshalb könnte man die Schwellenängste der Älteren durch ein soziales Pflichtjahr entscheidend senken – natürlich nur dann, wen die materiellen Bedingungen stimmten.
Ist das wirklich so oder liegt Herr Precht hie schief? Ihre Meinung interessiert uns!
 
Informationen zu Richard David Precht:
Precht ist ein Verfechter einer neuen Bürgergesellschaft. Philosophisch steht er dem US-amerikanischen Kommunitarismus nahe, der Idee, die Gesellschaft durch höheren bürgerlichen Gemeinsinn zu demokratisieren. Die Verpflichtung von Wirtschaft und Politik auf stetiges Wirtschaftswachstum sieht er als schädlich an und als bedrohlich für Wohlstand und Wohlbefinden. In der Debatte um die Thesen Thilo Sarrazins sieht er in der Schuldzuweisung gegenüber Migranten ein Ablenkungsmanöver im Hinblick auf die grundlegenderen Fragen nach der Verteilung, der wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich und der Etablierung moralferner Milieus in der Oberschicht ebenso wie in der Unterschicht. Precht ist ein scharfer Kritiker des Einsatzes der Bundeswehr in Afghanistan.
 
Bücher:
–         1997, Noahs Erbe befasst sich Precht mit den ethischen Fragen im Verhältnis von Mensch und Tier und deren gesellschaftlichen Konsequenzen. Dabei plädiert er für einen veränderten Umgang mit Tieren auf der Basis einer „Ethik des Nichtwissens“.
–         2007 Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?, das eine Einführung in die Philosophie mit Ergebnissen aus Hirnforschung, Psychologie, Verhaltensforschung und anderen Wissenschaften verknüpft.
–         2009 Liebe – Ein unordentliches Gefühl verknüpft die naturwissenschaftlich-biologische Seite von Sexualität und Liebe mit der psychologischen und den gesellschaftlich-kulturellen Umständen unseres Liebesverständnisses und Liebesverhaltens. Prechts Hauptthese ist, dass die geschlechtliche Liebe nicht aus der Sexualität, sondern aus der Eltern-Kind-Bindung entstanden ist.
–         2010 Die Kunst, kein Egoist zu sein. Precht behandelt die Frage nach der Moral zunächst philosophisch und evolutionsbiologisch und kommt zu dem Fazit, dass Menschen ein recht hohes Bedürfnis danach haben, mit sich selbst im Reinen zu sein und sich für „gut“ zu halten.
–         2012 Fernsehsendung: Das ZDF strahlt ab September 2012 unter dem Titel Precht eine spätabendliche Sendereihe zur Philosophie mit ihm aus. Sie soll sechsmal im Jahr zu sehen sein und je 45 Minuten dauern.