Bis zur Altersschwäche wird er seine Kunststücke zeigen können, meint Walter Perfahl. Foto: Stefan Brunn

Bis zur Altersschwäche wird er seine Kunststücke zeigen können, meint Walter Perfahl. Foto: Stefan Brunn

Der war bestimmt mal beim Zirkus«, raunt eine Zuschauerin einer Freundin zu, »sonst könnte der doch so was nicht!« Falsch. Walter Perfahl war nie beim Zirkus. Nicht mal beim Turnverein. Zwar könnte der 74-Jährige mit seiner Nummer in jeder Manege auftreten. Statt dessen führt er sie lieber in der Nürnberger Innenstadt vor: meist irgendwo zwischen Lorenzkirche und Museumsbrücke. Wer ihn sieht, traut erst einmal seinen Augen nicht: Da vollführt dieser Senior doch glatt einen einarmigen Handstand auf der Sektflasche, dreht sich darauf wie beim Breakdance im Kreis oder rennt auf den Händen um sie herum. Unglaublich! Die Passanten bleiben fasziniert stehen, zollen dem älteren Mann Respekt: »Toll, gell?« Manche fragen ihn nach seinem Alter und machen große Augen, wenn er »74« sagt. Die Kinder versuchen, die Übungen ohne Flasche nachzumachen – und merken, wie schwer das ist. Viele Leute werfen kleine Münzen in den Becher, den Perfahl vor sich aufgestellt hat. Dann geht er auf sie zu, macht einen kleinen Diener und sagt jedes Mal: »Ich danke Ihnen. Ich wünsche Ihnen viel Gesundheit!«

Die Gesundheit ist auch das Motiv für sein Treiben. Immer wieder kommt der ehemalige Bergmann aus dem Sudetenland darauf zu sprechen, wie wichtig die körperliche Fitness sei. »Die meisten machen sich durch Faulheit oder den Alkohol kaputt«, sagt er.
Zu zeigen, wie fit man in seinem Alter noch sein kann, das ist der Grund, warum er in der Innenstadt auftritt. Der Beifall der Zuschauer beglückt ihn und spornt an. Und natürlich »das bisschen Geld«, mit dem er seine kleine Rente aufbessert.
Seit zwei Jahren trifft man Walter Perfahl bei seinen Kunststückchen in Nürnbergs Zentrum an. Gekonnt hat er sie schon als kleiner Bub, wie er sagt. Manches verlerne man auch nicht: Den Handstand etwa könne er sicher noch zeigen, bis sich die Altersschwäche einstelle. Die anspruchsvolleren Sachen aber – da gerate man leicht aus der Übung. Mit einigem Stolz verweist er darauf, dass er hier, in der Fußgängerzone, aus Sicherheitsgründen die gewagtesten Nummern gar nicht vorführen könne. Am Zeppelinfeld draußen am Dutzendteich, da macht er auch schon mal einen Handstand auf drei Maßkrügen übereinander, mit einem Bierdeckel dazwischen. Und wie schafft man es, in seinem Alter noch so trainiert zu sein? »Ach«, seufzt er, »früher hatte ich noch viel mehr drauf.« Sagt’s und schwingt sich wieder auf seine Flasche.
Stefan Brunn