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Drei Zutaten für das perfekte Foto

Hobbyfotografin Ulrike Reich-Zmarsly besucht den Nürnberger Tiergarten wöchentlich.Ein Seelöwe schnappt nach einem Fisch, den die Tierpflegerin ihm zuwirft: Das Säugetier hat sein Maul weit geöffnet und den toten Fisch aufgefangen, die Augen sind genießerisch geschlossen. Das Ganze dauert nur den Bruchteil einer Sekunde, doch Ulrike Reich-Zmarsly hat genau diesen Moment im Foto festgehalten.

Die 71-Jährige ist vom Nürnberger Tiergarten begeistert. Hier hat sie bereits zigtausende Aufnahmen gemacht: Porträts von Eisbären, Nabelschweinen, Zebras, Affen, Löffelhunden, Löwen, Tigern, Seekühen, exotischen Faltern, Bartgeiern … Eigentlich dürfte die Fränkin fast alle Zoo-Bewohner abgelichtet haben, doch sie entdeckt immer wieder Neues.

Es geht der ehemaligen Krankenschwester nicht um die reine Dokumentation: Sie versucht, besondere Momente einzufangen – mitunter auch Situationskomik. So hat sie beispielsweise ein Zebra mit seinem Jungtier ins Bild gesetzt. Der Nachwuchs wird von der Mutter verdeckt, sodass man nur die Füße sieht: Das wirkt, als hätte das schwarz-weiß gestreifte Huftier acht Beine. 

Ein andermal hat Reich-Zmarsly die Begegnung zwischen einem Eisbären und einer Krähe eingefangen: Nicht einmal einen Meter sind die beiden voneinander getrennt, sie beäugen sich neugierig und interessiert. Witzig wirkt das, originell – und man fragt sich: Ist der Vogel todesmutig? Solche Aufnahmen kann man nicht erzwingen. Etliche dieser Fotografien wurden bereits in den Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung abgedruckt: Die Leserschaft freut sich über die besonderen Tierbilder.

»Man braucht drei Dinge für gute Tierfotos«, sagt die gebürtige Nürnbergerin, »den Blick, Zeit und natürlich Glück.« Zeit hat sie schon jede Menge im Zoo am Schmausenbuck verbracht. Sogar als sie noch im Krankenhaus beschäftigt war, schaute sie bis zu viermal pro Woche hier vorbei. 

Abends kehrt Ruhe ein

Für sie war der Tiergarten wichtig, um Kraft für ihre belastende, anstrengende Arbeit zu schöpfen. »In den Abendstunden, wenn die meisten Besucher schon gegangen waren, habe ich die Ruhe und Entspanntheit bei den Zoobewohnern gespürt. Das hat auch mir gutgetan, der Tiergarten ist meine zweite Heimat«, berichtet die Hobbyfotografin. Sie konnte abschalten von den bedrückenden Erlebnissen in ihrem Beruf. Mittlerweile belässt sie es bei einem wöchentlichen Besuch.

Ihre intensive Beschäftigung mit Tieren hat mit der Geburt von Eisbär »Flocke« 2007 begonnen. Damals gab es einen extremen Hype um die Handaufzucht: Alle Medien berichteten über das kleine Raubtier, die Stadt vermarktete das Junge. Auch Reich-Zmarsly ließ sich vom allgemeinen Interesse anstecken und begleitete »Flocke« mit der Kamera. 

Damals lernte sie acht Gleichgesinnte kennen, die an den Gehegen regelmäßig Foto-Safaris unternahmen. Aus den Bekanntschaften wurden teilweise Freundschaften: Man tauschte sich aus, gab sich gegenseitig Tipps, informierte sich über Neuzugänge und wartete auf Auftritte der tierischen Models. Heute treffen sich dort immer noch drei dieser Hobbyfotografen jeweils freitags.

Schon als Kind mit dem Hobby vertraut

Die Beschäftigung mit der analogen, später digitalen Fotografie hat für Reich-Zmarsly aber nicht erst mit »Flocke« begonnen. Ihr Vater und ihre ältere Schwester hatten ebenfalls den Fotoapparat zur Hand genommen, sodass sie schon als Kind mit dem Hobby vertraut war. Später machte sie Kurse, lernte den Umgang mit dem PC und fand zur Fotogruppe im Kulturladen Gartenstadt: »Da bin ich heute noch dabei, denn es ist ein schönes Miteinander – kein Gegeneinander, wie ich es bei einer anderen Gruppe auch erlebt habe«, erzählt die 71-Jährige.

Dort wurde ihr einmal unterstellt, dass sie eine Aufnahme mit einem Bildbearbeitungsprogramm verändert habe. »Das stimmt aber nicht. Ich mache keine Fakes, sondern wähle höchstens einen anderen Bildausschnitt«, meint die Rentnerin entschieden.

Ihre Tierfotografien sind nicht nur auf die Nürnberger Einrichtung beschränkt. Sie hat sich auch in anderen Zoos, etwa in Stuttgart, München, Erfurt, Köln, Leipzig oder Augsburg umgeschaut. Einmal ist sie eigens nach Hamburg gefahren, nur um ein neu geborenes Walross abzulichten. Den Nachwuchs einer derart schwergewichtigen Robbe sieht man schließlich nicht alle Tage.

Doch Reich-Zmarsly möchte nicht den Eindruck erwecken, dass sie ausschließlich auf Tierfotos fixiert ist. »Das positive Echo freut mich natürlich, aber ich habe auch andere Hobbys – etwa meinen Schrebergarten oder Treffen mit Freundinnen.« 

Mit der Motivsuche allein ist es nicht getan

Wichtig ist ihr, dass ihr Mann sie bei ihrer Leidenschaft, dem Fotografieren, unterstützt. Denn sie nimmt ja eine Menge Zeit in Anspruch. Mit der Motivsuche allein ist es nicht getan. Nach einem Tag im Tiergarten wertet sie ihre Aufnahmen aus und versucht, ihre Ausbeute auf unter 200 Fotos zu beschränken. Diese kommen in die digitalen Ordner am PC und auf der externen Festplatte.

»Die Fotografie und der Tiergarten sind für mich ein wichtiges Stück Lebensfreude«, betont die Nürnbergerin, die sich daher auch ehrenamtlich im Verein der Tiergartenfreunde engagiert. Beim Herumlaufen in dem riesigen Gelände vergisst sie dann auch, dass sie Arthrose und ein künstliches Kniegelenk hat. Hier könne sie einfach total abschalten. 

Hat die Hobbyfotografin einen Favoriten unter ihren tierischen Models? Eigentlich nicht, meint sie, sie könne jeder Kreatur etwas Interessantes abgewinnen. Natürlich freut sie sich generell, wenn es Nachwuchs abzulichten gibt – wie kürzlich bei den Chaco-Pekaris, die Wildschweinen ähneln. 

Ein Blick in ihr Wohnzimmer verrät dann aber doch, dass es einen heimlichen Liebling gibt: Dort sitzen eine ganze Menge Teddybären aufgereiht. Es dürfen nur nicht zu viele werden, sonst legt ihr Mann sein Veto ein.

Text: Hartmut Voigt
Foto: Claus Felix
Tierfotos: Ulrike Reich-Zmarsly

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