
Angelika Böhm lernte den CVJM Nürnberg durch ihre älteren Brüder kennen. Heute leitet sie die Seniorenarbeit des Vereins. Seniorenarbeit im Verein junger Menschen? Angelika Böhm schmunzelt bei dieser Frage. Denn schwer ist die Antwort nicht. Der Christliche Verein junger Menschen (CVJM) besteht in Nürnberg seit 125 Jahren. Und unter den Alten, die heute Seniorencafé oder -bibelkreis besuchen, sind viele, die dem Verein seit ihrer Jugend angehören.
Bei der ehrenamtlichen Leiterin des Treffpunkts war das nicht anders. Die heute 70-jährige Großgründlacherin lernte den CVJM durch ihre beiden älteren Brüder kennen. Diese waren im Erlanger Verein aktiv, machten dort Musik in einer Band. Angelika Böhm wurde schließlich Mitgründerin der Ortsgruppe ihres Heimatortes. Aus dem Ehrenamt wurde eine hauptberufliche Arbeit.
Eine Besonderheit ist die Bäckerabteilung
Angelika Böhm war zwölf Jahre lang für den Reisedienst des Vereins in ganz Bayern unterwegs. Jeweils neun Jahre lang war sie beim CVJM in Regensburg und in Nürnberg tätig. Bis zu ihrem Ruhestand im Jahr 2019 kümmerte sich Böhm hauptamtlich um die Altersgruppe 55plus. Mit dem Auftrag, Menschen nach deren Familienphase eine neue Orientierung zu geben. Eine Besonderheit des CVJM ist die Bäckerabteilung. Entstanden ist sie wegen der ungewöhnlichen Arbeitszeiten der Brotmacher. Treffen gab es bevorzugt am Nachmittag, bei Seminaren an Wochenenden ging es erst nach Geschäftsschluss los, erklärt Angelika Böhm.
Zu den Bäckern hätten sich inzwischen auch andere Handwerker gesellt. Aus diesem Umfeld sind zahlreiche Mitglieder in die seit dem Jahr 2000 organisierte Seniorenarbeit hineingewachsen. Zudem gebe es, so Angelika Böhm, Menschen in der zweiten Lebenshälfte, die im Alter eine Heimat suchen, und solche, die durch ihre Nachbarn auf das Angebot aufmerksam wurden. Die Älteren kämen sehr gerne, sagt die Seniorenclub-Leiterin. Und zwar gerade deshalb, weil das CVJM-Haus am Nürnberger Kornmarkt keine typische Senioreneinrichtung sei. »Viele mögen es, junge Leute zu treffen.«
Attraktiv sei auch, dass das Programm den ganzen Menschen im Blick habe. Leib, Seele, Geist – alles soll angesprochen werden. Im Seniorencafé geht es um Begegnung und Gespräche bei Kaffee und Kuchen. Bildung und Kultur werden an den Nachmittagen vermittelt. Dort werden lebenspraktische Themen wie die elektronische Patientenakte ebenso angesprochen wie die Situation von Christen in China. Für Bewegung sorgen Tagesausflüge und Wanderungen. Um die Seele kümmert sich der Seniorenbibelkreis, in dem über ausgewählte Inhalte aus der Heiligen Schrift gesprochen wird. Auch das gemeinsame Singen neuerer Kirchenlieder liegt der Clubleiterin am Herzen.
Programm auch in den Schulferien
Eine Pause, wie es sie früher während der Sommerferien gegeben hat, kennt man beim CVJM nicht mehr. Man habe festgestellt, so Angelika Böhm, dass Seniorinnen und Senioren in eine Depression gefallen seien, weil nichts geboten wurde. Auch während der anderen Schulferien finden die regelmäßigen Termine nur dann nicht statt, wenn sie auf einen Feiertag fallen.
Das erste Halbjahr bringt einige Programm-Höhepunkte. Am 28. Februar findet eine Weinprobe zur fränkischen Weintradition statt. Dabei wird der Rebensaft als Kulturgut voller Spiritualität dargestellt. Eine Tagesfahrt geht am 23. April nach Weiden und in die KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Wanderfreudige Frauen und Männer zieht es vom 7. bis 14. Juni 2026 in die Wildschönau in Tirol. Die Seniorenfreizeit in Sulzbach/Mosbach im Allgäu vom 21. bis 26. Juni ist auch für Menschen gedacht, die nicht gut zu Fuß oder auf einen Rollstuhl angewiesen sind.
Die Nachfrage nach dem Seniorenprogramm ist groß. Laut Angelika Böhm werden pro Woche ca. 120 Männer und Frauen erreicht. Was zur Frage führt, ob sich unter den, wie es beim CVJM heißt, »Menschen mit Lebenserfahrung« neue Beziehungen bilden. Die Clubleiterin bestätigt das. Eine Hochzeit habe man aber noch nicht gefeiert. Was auch daran liegen dürfte, dass dies zum Verlust der vor allem für Frauen wichtigen Witwenrente führen würde. Man könne aber eine Beziehung ohne Standesamt segnen lassen. Und Angelika Böhm findet das gut: »Wenn sich zwei Menschen vor Gott versprechen, zueinander zu stehen, wozu braucht es dann den Staat?«
Text: Klaus Schrage
Foto: Michael Matejka
Information
Mehr zum Programm unter www.cvjm-nuernberg.de




