Nach einem Sturm begutachtet die Försterin Nicole Schmidtmeyer die Schäden. Foto: Michael Matejka

Sie gilt als eine der größten und bedeutendsten mittelalterlichen Stiftungen überhaupt, die Konrad-Groß-Stiftung aus dem Jahre 1339. Der schwerreiche Nürnberger Patrizier schuf mit dem Heilig-Geist-Spital einst eine Einrichtung für Kranke und Alte. Zustiftungen noch zu Groß’ Lebzeiten vermehrten das Kapital; bis heute gehören auch ausgedehnte Waldgebiete zum Stiftungsvermögen. Das Magazin sechs+sechzig hat Revierförsterin Nicole Schmidtmeyer in ihrem Revier begleitet.

Bei ihr war es Liebe auf den ersten Blick. Nicole Schmidtmeyer, 51 Jahre alt, im Schwarzwald geboren und in Franken aufgewachsen, fühlte sich schon als 15-Jährige mit der Natur verbunden. Sie wanderte viel, verbrachte jede freie Minute draußen. »Ich wollte erst mein Abitur am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Oberasbach machen und mich dann beruflich entscheiden«, erzählt sie. Ihre Suche dauerte nicht lange: Nachdem sie an der Schule einen Vortrag des vor einem Jahr verstorbenen Naturschützers Karl Friedrich Sinner über Forstwirtschaft gehört hatte, stand für sie fest: »Ich werde Försterin.«

Natürlich sitzt sie nicht den ganzen Tag in einer Hütte im Wald oder im Dachgeschoss ihres Schnaittacher Büros. »In meinem Beruf macht mich glücklich, dass ich täglich viele Stunden im Freien und in der Natur verbringe«, meint sie. Mit hellgrünem Hemd, dunkelgrüner Hose und braunen Stiefeln bekleidet, sorgt die Försterin bei ihren Beobachtungsgängen im Wald dafür, dass die »grüne Lunge« gesund bleibt und sich richtig entwickelt. Ihr Tagesplan gestaltet sich nach den Jahreszeiten. Im Frühjahr und Herbst steht das Pflanzen an erster Stelle, im Sommer geht es vor allem um Pflegemaßnahmen im Jungwuchs und im Winter liegt der Schwerpunkt beim Holzmachen. Typische Tätigkeiten sind das Kennzeichnen der Bäume, das Vermessen und Verkaufen des Holzes sowie die Arbeitseinteilung der Mitarbeiter und Forstunternehmer. Gemeinsam mit zwei Forstwirten orientiert sich Schmidtmeyer an den Regeln einer nachhaltigen, naturnahen Forstwirtschaft. Sie kann dabei auf ein eingespieltes, erfahrenes Team bauen.

Ihr Revier umfasst 500 Hektar
Seit 23 Jahren ist sie Betriebsleiterin für das Forstrevier der Heilig-Geist-Spital-Stiftung Nürnberg, der ältesten Stiftung der Stadt. Deren Aufgabe ist es, bedürftige Bürger in Notlagen zu unterstützen. Außerdem betreibt sie Einrichtungen und Heime der Altenhilfe. Diese Wohltätigkeit wird aus Immobilien- und Wertpapierbesitz erwirtschaftet. Zu rund sechs Prozent trägt aber auch der Verkauf von Holz zur Finanzierung der uneigennützigen Werke bei. Der Stiftungswald, aufgeteilt in 13 Distrikte, umfasst rund 500 Hektar im Gebiet zwischen Schnaittach und Simonshofen.

Bei einem Gang durch das Revier, begleitet von ihren Jagdhunden Holly und Lotte, kann sie überall die Nachwirkungen der langen Trockenheit des Sommers 2018 sehen. Die Försterin zeigt auf vom Borkenkäfer befallene Fichten. »Die müssen mit Sprühfarbe markiert werden. Die Bäume werden dann von einem Forstarbeiter gefällt, damit sich der Schädling nicht ausbreiten kann«, erklärt sie. Dann deutet sie auf einen halb ausgetrockneten See sowie auf Bäume, die aufgrund der Dürre geschwächt sind und durch weitere Einflüsse wie Pilze und Insekten sogar absterben können. Geht es um das beliebte Thema »Wetter«, kann sie leicht unwirsch werden: »Mich regt es auf, wenn die Wetterpropheten vom tollen Spätsommer bis weit in den Oktober hinein schwärmten. Die scheinen vergessen zu haben, wie wichtig der Regen ist, denn wir leiden unter einem extremen Wassermangel. Die andauernde Trockenheit geht an unsere Lebensgrundlage, denn es zeigen sich immer mehr Schädlinge. Da stellt sich selbstverständlich die Frage, welche Baumarten werden das überleben?«

Der Beruf der Försterin ist vielseitig, so hat sie auch gelernt, mit Motorsäge und Gewehr umzugehen. Als Jägerin ist sie zuständig für einen naturverträglichen Wildbestand. »Wenn’s dem Wald gut geht, geht‘s auch den Tieren gut«, bemerkt sie. Verstärkt müsse man sich darum kümmern, den Waldbestand so zu erhalten, dass er sich natürlich verjüngen kann. Schmidtmeyer: »So achten wir beim Holzschlag darauf, dass die Brutzeit nicht gestört wird, außerdem lassen wir tote Bäume als Nistplätze für Vögel stehen.«

Neben ihren Aufgaben in der Natur fällt allerhand Büroarbeit an. Dazu gehören Tätigkeiten wie Lohnabwicklung, Verbuchungen, Bauvoranfragen und die Erfassung der Holzmaße. Für ebenso wichtig erachtet sie Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation. Besonderen Spaß macht ihr dabei, Schülern und Kindergartenkindern die Bedeutung des Waldes zu erklären.

Nicole Schmidtmeyer freut sich über gesunde Bäume. Foto: Michael Matejka

Hohe Anerkennung
Stolz und voller Freude zeigt sie auf eine wertvolle Plakette mit Urkunde in ihrem Büro – der Staatspreis des Bayerischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, mit dem alle zwei Jahre »vorbildliche Waldbewirtschaftung« gewürdigt wird. Der Preis wurde 2007 der Heilig-Geist-Spital-Stiftung Nürnberg verliehen, gemeinsam mit 13 anderen bayerischen Waldbesitzern. Schmidtmeyer durfte die Auszeichnung beim Festakt in München entgegennehmen.

Die 51-Jährige erfährt bei ihrer Liebe zum Wald große Unterstützung durch ihre Familie. Ehemann Elmar ist ebenfalls Förster im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, und sogar ihre Tochter hat sich bereits für diese Berufsrichtung entschieden: Sie studiert Forstwirtschaft. Welchen »Traumberuf« ihr zwölfjähriger Sohn auswählt, steht noch nicht fest. »Er soll sich frei entscheiden, ich mache ihm da keine Vorschriften«, sagt seine Mutter.

Text: Horst Mayer