So wie sie ist, ist die Natur ziemlich verbesserungsbedürftig. Fortschrittsresistent, könnte man sagen. Denken Sie doch einmal nach: Seit Jahrtausenden tut sie nichts anderes, als unentwegt zu wachsen, zu blühen, zu reifen und zu vergehen. Bäche und Flüsse rauschen unbeirrt von der Quelle bis zur Mündung, einfach bloß so. Seen liegen still da und glänzen vor sich hin. Und was machen altmodische Freizeitmenschen, die sich hinaus ins Grüne begeben? Sie sagen »Ah« und »Oh«, »guck mal, wie schön« und genießen die Stille. Der homo digitalis unserer Zeit aber, ausgestattet mit Smartphone und Multifunktionsuhr, darf, so er sich denn hinaus bemüht, zu Recht mehr erwarten als Feld, Wald und Flur und ein Bächlein, das friedlich vor sich hin plätschert. Es wird Zeit für ein Update!

Draußen ist jetzt Outdoor

Zum Glück gibt es Experten, die sich ernsthaft Gedanken machen um die rückständige Mutter Natur, die dem Menschen von heute in seinem Selbstverwirklichungsbestreben so gar nicht entgegenkommt. Es sind »Adventure-Manager«, denen wir viel verdanken, unter anderem die Erweiterung unseres Wortschatzes. Zum Beispiel heißt »draußen« konsequent »outdoor« und vermittelt somit schon sprachlich ein zeitgemäßes Feeling. Wenn Sie also outdoor sind, lieber, leider in dieser Hinsicht vermutlich etwas zurückgebliebener älterer Wanderer, der gewohnt ist, stillvergnügt durch die Gegend zu stapfen, schauen Sie vorsichtshalber immer nach links und rechts und am besten auch nach hinten. Es kann nämlich sein, dass ein Mountainbiker gerade im Affenzahn Ihren Weg kreuzt. Sie wissen schon, das sind diese Zeitgenossen, die mit einem aufgemotzten Fahrrad querfeldein durch die Landschaft brettern und dämliche Fußgänger entschlossen zur Seite jagen. In Bike-Parks kommen diese ambitionierten Helden im Sattel gern nach vollbrachten Taten zusammen – toller Treff um Ideen auszutauschen, was sonst noch geht. Anscheinend eine Menge: In der Szene tut sich was.

Übrigens auch auf dem Wasser. Natürlich sind nicht Wettkämpfe im Brust-und Rückenschwimmen wie Anno Tobak geplant, sondern was »Geiles« wie zum Beispiel der Ausbau der Wakeboard-Anlage am bislang noch gähnend langweiligen Brombachsee, was, wie aus berufenem Experten-Munde zu hören ist, »für bayernweites Interesse sorgen dürfte«. Wie wär’s vielleicht auch mit Blobbing, Skimboarding oder Bungeesurfen – der geneigte Leser darf sich im Internet schlau machen, um was es sich handelt. Adventure-Manager, auch bei uns in der Gegend mächtig am hirnen, geben alles, um sich selbst genügende Landschaften »in spannende Outdoor-Regionen« umzuwandeln. Große Vorbilder sind vorhanden, an denen man sich orientieren kann. Also, nix wie »Hinaus in Gottes schöne Welt, die Luft ist blau und grün das Feld…«, ihr hoch geschätzten Outdoor-Fans. Schwingt euch in die Sättel, hievt euch auf die Boards und seid, was Uroma und Uropa damals sangen: »Wilde Gesellen, vom Sturmwind durchweht …«. Und wilde Gesellen gehen nun mal nicht zu Fuß!

Brigitte Lemberger Cartoon: Sebastian Haug