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Deutscher Alterspreis geht nach Saarbrücken

Das Saarbrücker Projekt „Mobia“ hat den diesjährigen Deutschen Alterspreis der Robert Bosch Stiftung für sein Konzept für einen altersgerechten öffentlichen Nahverkehr erhalten. Das Magazin sechs+sechzig war für den Preis ebenfalls nominiert worden, ging aber leer aus.
Alle Preisträger, nominierten Projekte und die Jury bei der Verleihung des Deutschen Alterspreis 2015 in Berlin. Foto: Tobias Bohm
Alle Preisträger, nominierten Projekte und die Jury bei der Verleihung des Deutschen Alterspreis 2015 in Berlin. Foto: Tobias Bohm

Das Saarbrücker Projekt „Mobia“ hat den diesjährigen Deutschen Alterspreis der Robert Bosch Stiftung erhalten. „Mobia“ erhält den mit 60.000 Euro dotierten Hauptpreis für sein Konzept für einen altersgerechten öffentlichen Nahverkehr. Das Magazin sechs+sechzig war für den Preis ebenfalls nominiert worden, ging aber leer aus.

Den zweiten Preis erhält das Münchner „Jugendzentrum für Senioren“ des Schlagersängers Abi Ofarim, dotiert ist er mit 40.000 Euro. Der mit 20.000 Euro dotierte dritte Preis ging an den Fürther Thomas Henrich für sein Engagement als „Ich-Verein für soziales Engagement“.

Der Hauptpreisträger „Mobia – Mobil bis ins Alter“ der Saarbahn GmbH bringt ältere Kunden problemlos durch die Stadt. Eine eigens entwickelte App ermöglicht nicht nur die Planung der ÖPNV-Reiseroute, sondern auch die Anfrage von Mobilitätslotsen. Sie helfen, Barrieren etwa bei der Busfahrt zu überwinden – wenn nötig auch bis zur Haustür. Mobia ist aus einem Forschungsprojekt hervorgegangen, in dem gemeinsam mit älteren Saarbrückern ein nutzerfreundliches Angebot geschaffen wurde. Die Jury lobte, dass Mobia seine älteren Fahrgäste von vornherein mit einbezog und so als Vorbild für nachhaltige Projekte im öffentlichen Raum dient. Pläne, das Angebot über die Stadtgrenzen von Saarbrücken hinaus anzubieten, sind in Arbeit.

Im Münchener „Jugendzentrum für Senioren“ können sich alte Menschen wieder jung fühlen. Wie in einem Jugendzentrum verbringen die Senioren dort unter Gleichgesinnten gemeinsam und selbstbestimmt ihre Zeit. An jedem Werktag besuchen rund hundert Senioren das Zentrum – sogar an Heiligabend ist das Zentrum geöffnet. Initiiert wurde es 2014 von Schlagersänger Abi Ofarim und seinem Verein „Kinder von gestern“. Wenn nötig, können die Senioren auch die Unterstützung von Ehrenamtlichen in Anspruch nehmen, etwa bei Behördengängen. Weil die Institution auf so viel positive Resonanz stößt, wird bereits über weitere Standorte nachgedacht. Für die Jury zeigt das Jugendzentrum für Senioren vorbildhaft, wie in einem Stadtteil soziale Verantwortung übernommen wird und zeichnete es deshalb mit dem zweiten Preis aus.

Seit seinem Einstieg in die passive Altersteilzeit engagiert sich der dritte Preisträger, der 68-jährige Thomas Henrich, in seinen Heimatstädten Fürth und Nürnberg für den guten Zweck. Als „Ich-Verein für soziales Engagement“ unterstützt er projektbezogen soziale Initiativen – selbstorganisiert und losgelöst von traditionellen Engagement-Strukturen. Die Jury überzeugte Henrich damit, dass er im Alter seinen ganz persönlichen Zugang zum Engagement gefunden habe. Er baute zum Beispiel den Seniorenbesuchsdienst beim NürnbergStift und das Mehrgenerationenhaus Nürnberg-Schweinau mit auf.

Eine elfköpfige Jury aus Vertretern von Wissenschaft, Gesellschaft und Praxis hatte im Vorfeld sechs Projekte aus über 244 Bewerbungen ausgewählt und für den Deutschen Alterspreis der Robert-Bosch-Stiftung nominiert. Gesucht wurden Initiativen, die zeigen, wie das Stadtleben altersfreundlicher werden kann oder wie ältere Menschen ihre Stadt engagiert und kreativ mitgestalten können.

Das Magazin sechs+sechzig war ebenfalls nominiert worden, ging bei der Preisverleihung aber leer aus. Seit seiner Gründung vor mehr als 15 Jahren berichtet das Magazin sechs+sechzig über Themen, die für eine „selbstbewusste ältere Generation“, wie es im Untertitel des Heftes heißt, von Interesse sind. Aber nicht nur das. Zahlreiche ältere Autoren – viele haben einst als Journalisten gearbeitet – drücken dem Heft ihren Stempel auf. Gemeinsam mit jüngeren Kollegen wird viermal im Jahr ein professionell gemachtes Heft produziert, das in einer Auflage von rund 250.000 Exemplaren in der Metropolregion Nürnberg längst zu einer festen Größe geworden ist. Dabei verstehe sich das Heft als Lobby für Ältere, sagt Petra Nossek-Bock, Chefredakteurin des Magazins sechs+sechzig: „In einer Zeit, in der das Alter aus dem Bewusstsein zu verschwinden beginnt, weil wir aktiv und gesund altern, stellt sich die Frage nach den Konsequenzen für die Stadt und die Stadtentwicklung. Diese Diskussion begleiten wir aktiv und mit kritischer Distanz.“

Daneben gibt es mit der Website www.magazin66.de ein eigenständiges Online-Angebot, das nicht nur aktuell informiert, sondern auch in verschiedenen Blogs spannende Einsichten ins Alter(n) gewährt. Bundesweit beachtet ist etwa der „Enkelblog“ der früheren Nürnberger Sozialreferentin Ingrid Mielenz, die das nicht immer ganz einfache Verhältnis zwischen Enkeln und Großeltern zum Thema macht und zu Diskussionen zwischen den Generationen anregt. Dieser Austausch zwischen Jung und Alt ist das Hauptanliegen von sechs+sechzig. Träger von Print-Magazin und Online-Auftritt ist der „Verein zur Förderung des Dialogs der Generationen“. Einen Film über sechs+sechzig sehen Sie unter diesem Text.

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