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Modische Gehhilfen aus Designerhand

Sie erinnern sich gewiss: »Stock und Hut steh’n ihm gut, ist gar wohlgemut«, heißt es im Lied von »Hänschen klein«, das sich auf die Reise um die Welt begibt. Es gab eine Epoche (und die ist noch gar nicht sooo lange her), da gehörte der Spazierstock zu den notwendigen Accessoires, ohne das sich ein Herr nicht auf die Straße begab. In der Zwischenzeit hat sich das Bild deutlich gewandelt.

Sie erinnern sich gewiss: »Stock und Hut steh’n ihm gut, ist gar wohlgemut«, heißt es im Lied von »Hänschen klein«, das sich auf die Reise um die Welt begibt. Es gab eine Epoche (und die ist noch gar nicht sooo lange her), da gehörte der Spazierstock zu den notwendigen Accessoires, ohne das sich ein Herr nicht auf die Straße begab. In der Zwischenzeit hat sich das Bild deutlich gewandelt.

Foto: Michael Matejka
Foto: Michael Matejka

Bei Jakob Warschawski vom Seniorenladen im Wohnstift am Tiergarten in Nürnberg werden vor allem Gehstöcke verlangt, also Laufhilfen. Sie haben immer entweder einen sogenannten Fritz- oder einen Derbygriff: er ist gerade, im Gegensatz zum »Schwanenhals« eines Spazierstockes. Dieser gebogene Griff wiederum bietet keinen so guten Halt wie der Griff eines Gehstocks. Der Fritzgriff hat seinen Namen übrigens vom Alten Fritz, dem Preußenkönig, der in seinen älteren Tagen – und derer waren es viele – immer einen Gehstock mit geradem Griff benutzte.

Viele Kunden warten zu lange

Zum Bedauern von Jakob Warschawski kommen heute die Kunden aber meistens viel zu spät zu ihm, um so eine Gehhilfe zu erstehen: »Nach wie vor gibt es da eine Scheu. Die Leute denken, wenn sie sich einen Gehstock kaufen: Jetzt bin ich gebrechlich.« Das hält er für Quatsch, denn »mit einem Gehstock läuft man einfach länger und entspannter«. Voraussetzung ist allerdings, dass Griffstärke und -höhe stimmen: »Das muss man selber ausprobieren; der Griff sollte eben auch angenehm in der Hand liegen.«

Die Preise für so einen Gehstock liegen zwischen 14 und 80 Euro. Ein solcher Stock hält 100 bis 120 Kilo aus, »wenn sich einer daraufstellt«, wirbt Jakob Warschawski. Was natürlich kein Mensch tut, und deshalb ist es ihm auch in den 13 Jahren, in denen er seinen Laden führt, noch kein einziges Mal untergekommen, dass ein Gehstock gebrochen ist. Federleicht und extrem belastbar sind heutzutage die Stöcke aus Karbon, aus denen auch die Karosserien von Formel-1-Rennwagen gefertigt werden.

Edle Hölzer und Metalle

Und es gibt eine ganze Reihe an hübschen und eleganten Stöcken, glatt poliert, aus Edelholz oder lackiert. Ein gutes Stück kann auch mal bis zu 700 Euro kosten, dann allerdings mit einem Griff aus massivem Silber. Im goldenen Zeitalter der Spazierstöcke, das so etwa von 1800 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges dauerte, wurden aber noch ganz andere Summen hingelegt. Ein Stock mit rundem Knauf aus Emaille mit Brillanten besetzt kostete im 19. Jahrhundert 2270 Taler. Das sind, grob gerechnet, 100.000 Euro. Man trug sozusagen einen Porsche in der Faust. Weiteres Material, aus dem die Griffe damals bestanden, waren Bernstein, Schildpatt oder gar Jaspis und Türkis. Das Holz, das verwendet wurde, konnte gar nicht exotisch genug sein: Orangen- und Zitronenholz, aber auch Myrte, Ebenholz, Kaktus und Rosenholz wurden da verwendet. Die letzte aktuelle Stockmode, die wir kennen, waren die dicken Manila-Rohrstöcke, die um 1927 in Mode kamen.

Obwohl es im 19. Jahrhundert auch Stöcke für Frauen gab, kamen sie doch im 20. Jahrhundert weitgehend außer Mode, denn: »Männer tragen Stock, weil sie nicht wissen, was sie mit ihren Händen anfangen sollen. Frauen sind von Natur aus charmant«, meinte Joseph Charlemont, ein berühmter Kampfsportmeister aus Frankreich Ende des 19. Jahrhunderts. Ähnliche galante Bemerkungen hat man heutzutage von, sagen wir mal, Vitali Klitschko noch nicht vernommen. In Deutschland war im 20. Jahrhundert eine andere Spezies des Stockes höchst populär: Der Stockdegen. Um die Wende vom 19. aufs 20. Jahrhundert gab es in Deutschland neunzehn Degenstock-Fabriken. Doch diese Stöcke, in denen sich eine Stoßwaffe in einer harmlosen Umhüllung aus Holz oder Rohr verbarg, sind heute hierzulande verboten.

Am Ende seiner kleinen Lektion über Gehstöcke zeigt Jakob Warschawski vom Seniorenladen den letzten Schrei: Ein Schirm, der auch als Stock dienen kann, oder umgekehrt. Tröstlicher Gedanke: Zumindest auf diesem Sektor sind die Zeiten etwas friedlicher geworden.

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