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Die Mehrzahl der über 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland wird von ihren Angehörigen betreut. Zwei Drittel von ihnen erhalten die Pflegeleistungen laut einer aktuellen Studie der Techniker-Krankenkasse ausschließlich von ihren Verwandten zu Hause. Doch die Experten gehen davon aus, dass Pflege durch Angehörige in den kommenden Jahren deutlich zurückgehen wird.
Wie die Organisation VoluNation mitteilt, nennen die Wissenschaftler als Gründe vor allem Veränderungen in der Arbeitswelt sowie einen gesellschaftlichen Wertewandel. Kinder wohnen immer häufiger an unterschiedlichen Orten, was die Betreuung pflegebedürftiger Eltern – häufig eine Vollzeitaufgabe an sieben Tagen pro Woche – erschwert oder ausschließt. Darüber hinaus ist der Anteil der 18- bis 49-Jährigen, die Pflege als eine familiäre Pflichtaufgabe sehen, mit 38 Prozent deutlich geringer als bei den Über-65-Jährigen mit 61 Prozent.
Noch ist unklar, in welchem Umfang zusätzliche Betreuungsdienstleistungen gebraucht werden, um fehlende ehrenamtliche Pflege durch Angehörige in Zukunft auszugleichen. Für Heiner Häntze, Geschäftsführer von VoluNation, gibt es noch viel zu untersuchen: „Niemand weiß genau, wie viele Angehörige ihre Verwandten pflegen. Viele Sozialverbände und Gesundheitsexperten fordern, dass diese Datenlücke endlich geschlossen wird.“
Dass es eine Alternative zur häuslichen Pflege gibt, zeigen die EU-weiten Unterschiede in diesem Bereich. In Dänemark werden laut einer Studie der Beobachtungsstelle Gesellschaftspolitik nur 1,1 Prozent, in den Niederlanden 6,7 Prozent der Über-65-Jährigen ehrenamtlich durch Angehörige betreut. In beiden Ländern sind die öffentlichen Pflegeausgaben deutlich höher als in Deutschland und kommen den Kommunen zugute, die öffentliche Pflegeangebote bereitstellen.
Experten gehen davon aus, dass auch Deutschland das öffentliche Pflegeangebot in Städten und Gemeinden erweitern wird, um den Rückgang der ehrenamtlichen Pflege durch Angehörige auszugleichen.