Im Nürnberger Spielzeugmuseum fühlt sich Ulrike Mascher wohl. Weitere Tipps zum Glücklichsein gibt es auf der inviva. Foto: Michael Matejka

Im Nürnberger Spielzeugmuseum fühlt sich Ulrike Mascher wohl. Weitere Tipps zum Glücklichsein gitb es auf der inviva. Foto: Michael Matejka

Manche Menschen freuen sich jeden Tag über Kleinigkeiten. Über das Vogelgezwitscher im Frühling. Darüber, dass ihnen beim Aufstehen nichts wehtut. Über eine nette Begegnung. Andere benötigen schon stärkere Anreize, um ein Glücksgefühl zu entwickeln. Dieses stellt sich dann vielleicht bei einem Gewinn bei einer Verlosung ein.
Glücksforscher wie der Nürnberger Professor Karlheinz Ruckriegel definieren Glück als Wohlbefinden in unterschiedlichen Ausprägungen. Zum Auftakt der Messe inviva wird eine illustre Runde über verschiedene Aspekte des Glücklichseins diskutieren. Zu ihr gehört auch Ulrike Mascher, Jahrgang 1938. Die Präsidentin des Sozialverbandes VdK Deutschland verriet im Vorfeld zehn Punkte, die sie glücklich machen.
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Mich macht es glücklich, dass ich mich in München, der Stadt, in der ich lebe, gut und sicher fühle. Dazu gehört, dass es keine unüberwindbaren Treppen gibt. Ich bin gerne mit dem Fahrrad unterwegs, nicht im Winter bei Eis und Schnee, aber sonst schon. Kurzum: München ist als meine Heimat Dreh- und Angelpunkt in meinem Leben. In meinem Stadtviertel fühle ich mich wohl und bin glücklich.
2
Ich bewege mich gerne im Wasser. Schwimmen ist für mich eine angenehme Form der Fortbewegung. Zehn Minuten von mei-ner Wohnung entfernt liegt ein städtisches Schwimmbad. Das nutze ich häufig. Ich nehme mir vor, eine halbe Stunde zu schwimmen. Das Dahingleiten im Wasser, die Ruhe: Das genieße ich. Ich kann dabei gut Dinge überlegen und entspanne mich schnell. Im Sommer nehme ich das Rad und fahre ins Freibad. Das nenne ich Alltagsglück.
3
Beim Lesen eines schönen und spannenden Buchs entwickelt sich durchaus ein Glücksgefühl.
4
Ein schönes Essen ist ebenfalls ein Wohlfühlfaktor. Ich koche gerne selber. Dabei wähle ich häufig italienische Rezepte. Ich mag Italien. Wenn man zusammen um den Tisch herum sitzt und das Essen genießt, sind das Glücksmomente.
5
Natürlich gibt es auch im politischen Raum Dinge, die mich glücklich machen würden. Wenn ich beispielsweise eine gute Re-form auf den Weg bringen könnte, damit die Menschen gut versorgt sind.
6
Es gibt auch ein verrücktes Glücksgefühl. Das stellt sich ein, wenn ich zu einer Vorsorgeuntersuchung gehe und alles in Ord-nung ist. Das ist ein ganz intensives Glücksgefühl. Ich fühle mich dann gleichzeitig gesünder und erleichtert.
7
Es ist auch schön, wenn man sich mit einer guten Freundin trifft, die eine schwere Krankheit überstanden hat. Dann freue ich mich, dass ich sie wiedersehe.
8
Man kann durch das eigene Verhalten dazu beitragen, dass der Tag glücklich verläuft. Ich bin jemand, der sehr optimistisch ist. Ich habe in meinem Leben das Glück gehabt, nicht auf dramatische Weise enttäuscht worden zu sein.
9
Im Alter wird man aufmerksamer und nimmt Dinge mehr wahr, die man früher übersehen hätte. Das bezieht sich auf das eigene Leben, das man selbstständig gestalten kann. Aber angesichts des Unglücks von vielen Menschen erinnere ich mich daran, dass ich als Kind furchtbare Angst hatte. Ich habe die letzten Kriegsjahre miterlebt. Das prägt. Daher empfinde ich es als riesiges Glück, in einem Land zu leben, in dem kein Krieg herrscht, kein Krieg heranzieht. Das ist mir sehr präsent und trägt zu meinem positiven Lebensgefühl bei.
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Meine persönliche Glücksformel lautet: Man sollte sich nicht verkriechen, nicht zurückziehen, wie das Ältere manchmal tun. Selbst, wenn der Bekanntenkreis kleiner wird. Das betrifft auch ältere Frauen, die über wenig Mittel verfügen. Ich freue mich beispielsweise darüber, dass ich beim Einkaufen häufig eine Frau mit Rollator treffe, die ich kaum kenne. Aber wir wechseln immer ein paar Worte. Es ist ein Vergnügen, mit ihr zu reden. Es ist bitter, wenn man mit jedem Euro rechnen muss, und im Alter ist das besonders hart. Da ist es natürlich ein Vorteil, wenn man in einer Stadt lebt. Hier ist das Angebot groß. Was man nicht alles unternehmen kann – und das nicht nur mit einem gefüllten Geldbeutel.
Aufgezeichnet von Petra Nossek-Bock
Foto: Michael Matejka