Sind Ältere weniger produktiv oder sind die Anreizsysteme falsch programmiert? Foto: epd

Wenn man die Frage stellt, warum trotz des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels ältere Arbeitslose auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor eine Problemgruppe darstellen und warum ältere Jobsuchende deutlich seltener eingestellt als jüngere, stößt man  in der öffentlichen Diskussion oft auf folgende Erklärungen
– Ältere Arbeitnehmer sind nicht so  produktiv wie jüngere
– Arbeitgeber diskriminieren Ältere aus verschiedenen Gründen
Das Forscherteam um den Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Uwe Jirjahn von der Universität Trier und seine Kollegen Prof. Dr. John S. Heywood (University of Wisconsin-Milwaukee) und Dr. Georgi Tsertsvadze (ehemals Universität Hannover) zeigen in einer Studie (Part-timework and the hiring of  older workers” Teilzeitarbeit und die Anstellung älterer Arbeitnehmer,  Applied Economics, Vol. 43, pp. 4239-4255). dass einen anderen Grund haben kann, warum Ältere auf dem Arbeitsmarkt so schwer Fuß fassen.
In ihrer Studie mit Daten aus über 500 Betrieben zeigen die Wissenschaftler einen bislang wenig beachteten Erklärungsansatz auf: Dabei wurden die innerbetriebliche Anreizsysteme von Betrieben auf den Prüfstand gestellt. Und sieh da, ältere Arbeitssuchende haben insbesondere dann schlechtere Chancen, wenn Betriebe ihre Mitarbeiter auf der Basis zeitlich verzögerter Kompensationsformen vergüten.
Um Arbeitnehmer zu motivieren, setzen Arbeitgeber oft zeitlich verzögerte Kompensationsformen ein. Danach werden die Mitarbeiter zu Beginn ihrer Karriere unterhalb ihrer Produktivität entlohnt und später oberhalb ihrer Produktivität. Eine neu eingestellte Arbeitskraft muss folglich entsprechend lange in dem Betrieb arbeiten, um in den Genuss der höheren Vergütung zu kommen. Nur dann wirkt die Kompensationssteigerung motivierend. Für neu eingestellte ältere Arbeitskräfte stellen diese Kompensationsformen keinen Anreiz dar, weil sie wegen des fortgeschrittenen Alters keine längere Beschäftigungsperspektive haben. Dies lässt erwarten, dass Arbeitgeber, die Mitarbeitern durch zeitlich verzögerte Kompensation motivieren, ein geringeres Interesse an der Einstellung älterer Bewerber haben.
In ihrer empirischen Analyse zeigen die Wissenschaftler, dass Betriebe mit zeitlich verzögerten Kompensationsformen – etwa in Form einer betrieblichen Altersversorgung – in der Tat zurückhaltender bei der Neueinstellung älterer Arbeitskräfte sind als Betriebe, die diese Kompensationsformen nicht einsetzen. Sofern Betriebe mit zeitlich verzögerten Kompensationsformen ältere Arbeitskräfte neu einstellen, setzen sie diese eher für periphere Teilzeittätigkeiten ein, bei denen eine Leistungsüberwachung einfacher ist und sich das Problem der Motivation durch komplexe Anreizinstrumente nicht stellt.
Die Untersuchung gibt Impulse für die wirtschaftspolitische Diskussion. Die Motivation von Mitarbeitern durch geeignete Anreizinstrumente ist eine zentrale Voraussetzung für betrieblichen Erfolg. Welches Anreizinstrument ein Betrieb wählt, hängt von den jeweiligen betrieblichen Rahmenbedingungen ab. Betriebe mit zeitlich verzögerten Kompensationsformen haben gute Gründe dieses Anreizinstrument zu nutzen. Damit fallen diese Betriebe aber weitgehend aus, wenn es darum geht, arbeitslosen Älteren neue Beschäftigungsperspektiven zu bieten. Dies wird eher in Betrieben möglich sein, die sich alternativer Kompensationsformen wie z.B. einer direkten Leistungsentlohnung bedienen.
 
Quelle: Innovationsreport