Schlag nach bei Cicero und Simone de Beauvoir. Diesen für Laien ungewöhnlichen Rat hat der renommierte Altersforscher Prof. Andreas Kruse, Direktor des Instituts für Gerontologie an der Ruprecht-Karl-Universität in Heidelberg gegeben. Denn beide Autoren hatten sich intensiv mit dem Altersbild auseinander gesetzt: Cicero vor etwa 2100 Jahren und Beauvoir mit ihrem späten Werk 1970. Was die beiden und Kruse eint, ist die positive Sicht auf die späten Lebensjahre. Marcus Tullius Cicero, dessen Schriften Gymnasiasten mit dem Fach Latein als Schullektüre bekannt sind, anderen vermutlich weniger präsent, schrieb in einer langen Abhandlung über das Leben seiner Zeitgenossen jenseits der 70: »Greise, die keine zu großen Ansprüche stellen, die nicht mürrisch, nicht unfreundlich sind, verleben ein ganz erträgliches Alter; Misslaune hingegen und Unfreundlichkeit ist bei jedem Alter widerwärtig.« Eines der Vorbilder des römischen Philosophen war Quintus Fabius Maximus. Über ihn schreibt Cicero: »Er führte auch Kriege wie ein Jüngling, obgleich er schon hochbejahrt war, und brach Hannibals jugendlichen Trotz durch seine beharrliche Geduld.«
Blick auf Europa
Diese Erkenntnis wirkt heute geradezu modern, angesichts einer Gesellschaft, die dabei ist, die ältere Generation und ihre Aufgaben neu zu definieren. Deswegen wählte Prof. Kruse den antiken Vordenker auch zu seinem Kronzeugen bei einem Referat zum Auftakt des Europäischen Jahrs für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen Anfang Februar in Berlin. Dieses Mottojahr, das in den Mitgliedsstaaten eine Auseinandersetzung mit dem demografischen Wandel forcieren soll, spielt auch auf der Nürnberger Messe Inviva eine tragende Rolle. Einen »Blick auf Europa« werfen bei einem Diskussionsforum unter anderem Christine Massion, Leiterin der Geschäftsstelle zum Europäischen Jahr 2012, Professor Hermann Schönauer, der Rektor und Vorstandsvorsitzende der Diakonie Neuendettelsau, und Rosemarie Will, Vorsitzende der Rumänien- und Osteuropahilfe e.V. Bei diesem zentralen Programmpunkt geht es vor allem um die Frage, was Ältere in der Gesellschaft leisten können und wie sie ihren Lebensabend gestalten wollen.
Anregungen zu diesem Thema gibt es bei der Inviva viele. Beim Nürnberger Markt zum Beispiel präsentieren sich Initiativen. Die Freiwilligenbörse bietet ganz unterschiedliche Formen des Engagements. Schließlich ist es beim aktiven Älterwerden wichtig, seine sozialen Kontakte intensiv zu pflegen. Das fällt natürlich leichter, je gesünder man sich fühlt. Drei große Programmschwerpunkte helfen dabei, mit den körperlichen Beschwernissen besser zurecht zu kommen. Das Gesundheitsgespräch des Bayerischen Rundfunks ist inzwischen eine feste Größe im Messegeschehen. Die Moderatoren Marianne Koch und Werner Buchberger haben sich diesmal für das Thema »Ernährung im Alter« entschieden. Anders als es gängige Vorurteile gerne vermitteln, steht hier nicht die Breikost im Mittelpunkt, sondern der Genuss. Über diesen referiert unter anderem der Nürnberger Sternekoch Andree Köthe. Zudem bietet das Arzt-Patientengespräch Informationen über richtiges Essen bei Diabetes.
Übergewicht im Alter ist nur ein Aspekt bei der Vortragsreihe des Nürnberger Klinikums, das sich an beiden Messetagen mit unterschiedlichen Bereichen des gesunden Älterwerdens beschäftigt. Die Themen reichen vom guten Schlaf und entsprechenden Tipps gegen durchwachte Nächte über die Merkfähigkeit und Alzheimer Erkrankung bis zur Inkontinenz.
Neue Therapien
Das Bayerische Arthroseforum des Krankenhauses Rummelsberg punktet mit einem vielseitigen Informationsangebot. Es beschäftigt sich mit den Ursachen der Gelenkerkrankung, stellt unterschiedliche Therapiemethoden und Hilfsmittel vor, die heute gar nicht mehr so altmodisch wirken wie noch vor zwanzig Jahren.
Eine Modenschau von Galeria Kaufhof Nürnberg Innenstadt greift das Selbstbewusstsein der reifen Jahrgänge auf und ihren Wunsch, stilsicher und auf der Höhe der Zeit gekleidet zu sein. Das nötige Kleingeld gewinnt man mit etwas Glück beim großen Galeria Kaufhof Gewinnspiel: Wer wird Senionär?
Ob Geld allein glücklich macht, darüber haben sich Philosophen seit Menschengedenken den Kopf zerbrochen. Die eingangs zitierte Simone de Beauvoir definierte die Vorzüge des Alters mit einer größeren Nähe zur Natur und fordert vor allem Frauen auf, »die Sterne in sich zu entdecken«. Was den Wert eines Seniors, einer Seniorin in der Gesellschaft betrifft, liegt er laut Beauvoir darin, das sie ihr Wissen mit den nachfolgenden Generationen teilen. Aber das falle vielen schwer.
Auf der Messe Inviva ist das Weitergeben von Informationen Programm, und der Besucher wird garantiert mit einem Kopf voller Anregungen für ein aktives Altern nach Hause gehen.

Das Magazin 66 wird auch wieer mit einem Stand auf der Inviva vertreten sein. Foto: Matejka

Petra Nossek-Bock