Erlangens Bürgermeisterin Elisabeth Preuß freut sich über die Kooperation mit dem Magazin 66. Foto: Mile Cindric

Bei Klassikkonzerten oder am Vormittag in der Fußgängerzone fällt es am ehesten auf: In Erlangen leben nicht nur jede Menge Studenten, sondern auch zahlreiche Senioren. Die Stadt bietet ihnen eine gute Infrastruktur mit einem Seniorenamt und einem Seniorenbeirat als Ankerpunkte. Zum Aufgabengebiet von Bürgermeisterin Elisabeth Preuß, 51 (FDP), gehört auch der Sozialbereich mit seinen Angeboten für ältere Bürger. In einem Interview erklärt sie, warum die Stadt jetzt mit dem Magazin sechs+sechzig kooperiert und welche Projekte ihr besonders am Herzen liegen.
sechs+sechzig: Frau Preuß, wie sieht die Altersstruktur der Bewohner Erlangens aus?
Elisabeth Preuß: Erlangen ist eine relativ junge Stadt mit der Universität und dem großen Arbeitgeber Siemens, bei dem viele Berufsanfänger beschäftigt sind. Aber der Demographiebericht zeigt, dass auch in unserer Stadt der Anteil der Älteren an der Gesamtbevölkerung ansteigen wird.
Ist diese Entwicklung der Grund für die Stadtverantwortlichen, dass man sich ein eigenes Medium leistet? Zuerst gab es das Heft »Herbstzeitlose«, jetzt kooperieren Sie für Veröffentlichungen mit unserem Magazin.
Nein, das hat nichts mit der demographischen Entwicklung zu tun. Die ältere Generation ist einfach aktiv, geht aus dem Haus und äußert gerne ihre Meinung. Dafür benötigt sie eben auch ein eigenes Medium.
Die »Herbstzeitlose« wurde 25 Jahre lang von älteren Mitbürgern sehr liebevoll betreut. Nun ist sie verschwunden. Woran liegt das?
Die Dame, die einen Großteil der Verantwortung für die »Herbstzeitlose« getragen hat, kann diese nicht mehr schultern. Deshalb haben wir im Rathaus gesagt, das ist auch eine Chance zu überlegen, ob man so weitermachen oder einen neuen Weg einschlagen sollte. Es haben sich dann erstaunlich viele Organisationen und Privatleute gemeldet, die uns unterstützen wollten und gesagt haben: »Wir sind dabei.« Doch wir haben festgestellt, dass sehr viel Arbeit an der Erstellung eines Magazins hängt. Daher ist es für uns besser, mit erfahrenen Profis zusammenzuarbeiten. Wir haben uns für die Kooperation mit dem Magazin sechs+sechzig entschieden. Das bedeutet aber nicht, dass ehrenamtliches Engagement bei der Öffentlichkeitsarbeit für Senioren nicht mehr möglich ist. Es können weiterhin Themen unserer Stadt eingespeist werden.
Wer ist bei der Stadt Erlangen dafür der Ansprechpartner?
Das ist Ansgar Gößmann vom Seniorenamt und der Seniorenbeirat.
Was steht fürs Jahr 2012 an seniorenpolitischen Themen an?
Ganz wichtig sind uns die Informationsveranstaltungen zum Thema »Leben mit Demenz«, die am 29. und 30 April in der Hein-rich-Lades-Halle stattfinden. Hier erhält man Informationen über die Krankheit und über Hilfsangebote. Was mir auch ganz wichtig ist, ist das Bewusstsein dafür zu wecken, dass noch mehr auf lokaler, aber auch auf bundesweiter Ebene getan werden muss, um besser mit der Krankheit umgehen zu können.
Wo konkret sehen Sie Handlungsbedarf?
Wenn der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) kommt und die Demenzkranken für die Eingruppierung in eine Pflegestufe begutachtet, dann sieht es immer so aus, als können die Kranken noch erstaunlich viel selbst leisten. Doch das täuscht. Ich habe es auf einer Weihnachtsfeier selbst erlebt, wie eine Frau ständig versucht hat, in eine Kerze zu beißen. In solchen Fällen sind die Betreuer permanent gefordert und müssen sich um den Patienten kümmern. Wenn es um die Finanzierung von Pflegeleistungen geht, müssen Demenzkranke deshalb mit anderen Maßstäben beurteilt werden. Ich glaube, hier kann sechs+sechzig sehr helfen, die Problematik bekannter zu machen.
Ist die Versorgungslage für die Betroffenen auf lokaler Ebene denn zufriedenstellend?
Es gibt Wartelisten in den Einrichtungen. Gerade bei der Tagespflege würden die Kapazitäten gar nicht ausreichen, wenn alle Angehörigen ihre Pflegebedürftigen dort unterbringen wollten. Viele Pflegende möchten das auch gar nicht. Das ist aber falsch, denn die Pflege kostet Kraft und kann sich über Jahre hinziehen. In den Einrichtungen werden die Menschen nicht untergebracht, sondern gut versorgt und professionell betreut.
Welche Initiativen ragen besonders heraus?
Ich bin stolz auf die Idee des Seniorenbeirats, der jetzt einen Simulationsanzug angeschafft hat. Das habe ich unterstützt, denn »Gert« zeigt, wie die Sinne im Alter eingeschränkt sein können: Mit diesem Anzug fühlt man, wie beispielsweise der Tastsinn nachlässt. So sind die Beschwernisse im Alter bereits in jungen Jahren ganz plastisch nachzuempfinden.
Interview: Petra Nossek-Bock
Foto: Mile Cindric