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Auch Dialyse-Patienten können verreisen

Der Dialyse-Koffer, den Ullrich Sander zeigt, machte es möglich. Im Fürther Dialysemuseum präsentiert der Kurator Interessantes zur Dialysegeschichte.Etwa 100.000 Menschen in Deutschland sind auf eine Dialyse angewiesen, so die Deutsche Gesellschaft für Nephrologie. Viele von ihnen verzichten auf den wohlverdienten Urlaub, dabei ist Reisen durchaus möglich und wichtig für die Lebensqualität.

Regina Egelseer lässt sich von ihrer Nierenerkrankung nicht den Urlaub verderben. Die 58-Jährige ist seit 15 Jahren auf eine Dialyse angewiesen und verbrachte dieses Jahr sogar ihren ersten Auslandsurlaub in Griechenland. »Das hat wunderbar funktioniert«, erzählt die Mitarbeiterin des Landesverbands Niere Bayern begeistert. Ihre Erfahrungen zeigen: Mit der richtigen Vorbereitung ist vieles möglich.

Je nach Dialyseform stehen verschiedene Urlaubsoptionen zur Verfügung: die Hämodialyse und die Peritonealdialyse.

Die Hämodialyse wird dreimal wöchentlich für vier bis fünf Stunden durchgeführt. Bei dieser Behandlung müssen Patientinnen und Patienten rechtzeitig einen Platz in einem Dialysezentrum am Urlaubsort reservieren. »Je früher Sie einen Platz buchen, desto besser«, rät Egelseer aus Erfahrung. Der Grund: Die Plätze für die Feriendialyse werden immer knapper, da Dialysezentren schließen und die verbleibenden Einrichtungen mehr Patienten versorgen müssen.

Mehr Flexibilität für unterwegs

Die Peritonealdialyse, auch Bauchfelldialyse genannt, bietet deutlich mehr Flexibilität für Reisende. Dabei wird eine sterile Dialyselösung über einen Katheter in die Bauchhöhle geleitet, wo sie Giftstoffe und überschüssiges Wasser aus dem Blut aufnimmt. Anschließend wird die gebrauchte Flüssigkeit wieder abgelassen und durch neue ersetzt. Das Verfahren ermöglicht eine Behandlung zu Hause oder unterwegs. Regina Egelseer nutzt diese Methode seit fünf Jahren und ist damit sehr zufrieden: »Mir geht es damit körperlich viel besser, ich habe weniger Schmerzen.« Das benötigte Material lässt sich vom heimischen Dialysezentrum direkt an die Urlaubsunterkunft schicken.

Auch bei der Bauchfelldialyse sind kreative Lösungen gefragt: In ihrem griechischen Hotel baute sich Regina Egelseer kurzerhand aus Koffern eine Vorrichtung, um den Dialysebeutel aufzuhängen. »Da müssen Sie kreativ und flexibel sein«, sagt sie pragmatisch. Die wichtigste Voraussetzung bleibt dabei stets die Hygiene, denn die Behandlung findet im Körperinneren statt. Saubere Bedingungen sind wichtig, damit es zu keiner Infektion kommt.

Vor dem Urlaub sollte man sich schon bei der Krankenkasse informieren: Welche Kosten werden übernommen? In welchen Ländern müssen Patienten selbst etwas bezahlen? »Das ist wichtig, weil die Abrechnung in den verschiedenen Regionen unterschiedlich funktioniert«, erklärt Regina Egelseer. Sie empfiehlt außerdem dringend den Abschluss einer Auslandskrankenversicherung, die im Notfall auch den Rücktransport nach Hause abdeckt. Bei chronischen Erkrankungen »kann immer mal etwas passieren«.

Jeden zweiten Tag steht eine Behandlung an

Bei der Hämodialyse richtet sich der Tagesablauf auch im Urlaub nach den Dialysetagen. Jeden zweiten Tag steht die Behandlung an. »Die Ferienaktivitäten planen Sie dann um die Dialyse herum«, empfiehlt Egelseer. Wichtig sei auch, körperliche Veränderungen im Blick zu behalten: »Sie sollten immer schauen, wie Sie den Ortswechsel vertragen, zum Beispiel, wenn Sie ans Mittelmeer fahren und es dort heißer ist.«

Urlaub ist also mit Nierenerkrankungen und Dialyse durchaus möglich. Allerdings ist es in den letzten Jahren für Menschen, die eine Hämodialyse benötigen, schwieriger geworden, einen Platz für die Feriendialyse zu bekommen. 

Carola Qual, Vorsitzende des Hilfsfonds Dialyseferien, kennt diese Probleme. Der Berliner Verein ermöglicht es Nierenkranken mit geringem Einkommen, trotzdem in den Urlaub zu fahren, indem er Zuschüsse vergibt. »Es liegt vor allem am Personalmangel in den Zentren und Krankenhäusern«, sagt sie. Priorität in den Dialysezentren hätten zunächst die eigenen Patientinnen und Patienten. Besonders schwierig sei die Lage in Österreich, der Schweiz und den USA.

Wenn der Anbieter absagt

Besonders frustrierend: Es kommt vermehrt vor, dass Patienten rechtzeitig einen Platz in einer Feriendialyse organisiert haben, dieser aber zwei Wochen vor der Reise wegen Personalausfällen wieder abgesagt wird. Betroffene versuchen dann oft verzweifelt, in einem größeren Umkreis einen anderen Anbieter zu finden. Gelingt das nicht, fällt der lang ersehnte Urlaub buchstäblich ins Wasser. Damit Patientinnen und Patienten nicht auf den Kosten sitzen bleiben, empfiehlt sich unbedingt eine Reiserücktrittsversicherung.

Carola Qual vermutet, dass weniger Ausfälle auftreten, wenn der Urlaub über einen spezialisierten Reiseanbieter gebucht wird. Diese Anbieter arbeiten teilweise mit Kliniken zusammen, die eine Dialyse während des Urlaubs garantieren können. Bei solchen speziellen Dialyseferien sollte man die vertraglichen Bedingungen genau prüfen.

Regina Egelseer ermutigt alle Betroffenen eindringlich: »Fahren Sie auf jeden Fall in den Urlaub, denn Sie wissen ja nicht, ob Sie nächstes Jahr noch einmal verreisen können.« Bei Nierenerkrankungen können sich Begleiterkrankungen entwickeln, umso wichtiger ist es, die Chance zu ergreifen, solange es möglich ist. Ihr Fazit: »Mit der richtigen Planung, etwas Kreativität und der nötigen Vorsicht steht einem Urlaub nichts im Wege.«

Für Dialysepatienten gibt es verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten: Manche Reisegesellschaften bieten auf Dialysepatienten zugeschnittene Urlaube an, auch Kreuzfahrten sind möglich. Besonders wertvoll ist der Austausch in Selbsthilfegruppen, betont Regina Egelseer: »Sie können immer hilfreiche Tipps geben.«

Text: Lea Maria Kiehlmeier
Fotos: Michael Matejka

Information

Wer mehr erfahren will über die Geschichte der Dialyse, zum Beispiel über den hier abgebildeten Dialyse-Bus, mit dem Menschen aus der Region früher verreisen konnten: Die Stadt Fürth beherbergt das Dialysemuseum. Kurator Ullrich Sander führt gerne durch die Ausstellung. Terminvereinbarung per mail: uusander@t-online.de

In den 70er-Jahren konnten Dialysepatienten aus der Region mit einem umgebauten VW-Bus in den Urlaub reisen.

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